Von Ingrid Gerstbach

Die SWOT Analyse ist eine nützliche Technik, um die eigenen Stärken und Schwächen zu verstehen, aber auch um Chancen und mögliche Risiken vorab zu identifizieren. SWOT steht dabei für Strengths Weaknesses Opportunities Threats. Diese Analysenmethode kommt aus dem Bereich des strategischen Managements. Im Bereich des Design Thinkings verwenden wir diese Methode vor allem, um uns detailliert mit Ideen auseinanderzusetzen und diese zu bewerten.

Was die SWOT Analyse besonders effektiv macht, ist, dass bereits mit ein wenig Aufwand, Chancen erkannt werden können. Das Sichtbarmachen von Schwächen bei einer Idee schafft wiederum neue Lösungsmöglichkeiten und ein böses Erwachen am Ende einer Iteration kann so leichter vermieden werden.

Anwendung

Albert Humphrey hat in den 1960er Jahren diese Methode erstmals offiziell angewendet. Neben der klassischen Anwendung als Ideenbewertungs-Tool im Rahmen eines Design Thinking-Prozesses, habe ich die SWOT-Analyse auch schon bei einem Kick-off als Eisbrecher eingesetzt. Diese Technik begegnet Ihnen vielleicht auch unter dem Namen Interne-Externe Analyse: Das hat den Grund, dass sich die Stärken und Schwächen oftmals aus der organisationsinternen Struktur ergeben, während Chancen und Risiken meistens im Außen zu finden sind.

Die SWOT-Analyse können Sie alleine anwenden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dann relativ hoch, das relevante Aspekte eher übersehen werden. Bei einer größeren Gruppe ist es sinnvoll einen erfahrenen Moderator hinzuziehen, der die Analyse strukturiert und effektiv durchführt.

Vorgehen

Außer Flipchart und Marker brauchen Sie keine weiteren Utensilien. Auch das Prinzip der SWOT-Analyse ist einfach: Bestimmte Ideen werden in diese vier Dimensionen eingeteilt:
    •    Strengths (Stärken)
    •    Weaknesses (Schwächen)
    •    Opportunities (Chancen)
    •    Threats (Risiken)

1. Zunächst bestimmen Sie Kriterien und Fragen für jeden einzelnen Bereiche festlegen.

Strengths (Stärken, Innensicht)

•    Was ist das Originelle oder der Kern an dieser Idee?
•    Wie unterscheidet sich diese Idee von anderen?
•    Haben wir bereits alle Ressourcen, um diese Idee umzusetzen?

Weaknesses (Schwächen, Innensicht)

•    Ist die Idee nachvollziehbar und selbsterklärend?
•    Gibt es Ressourcenengpässe, die eine Umsetzung der Idee verhindern?
•    Gibt es innerhalb des Unternehmens Personen, die diese Idee/Neuerung ablehnen werden?

Opportunities (Chancen, Außensicht)

•    Gibt es bereits Trends, die die Entwicklung dieser Neuerung/Idee unterstützen?
•    Wird damit ein tatsächlicher Bedarf, ein wirkliches Problem gelöst?
•    Was fördert die Verbreitung und Entwicklung dieses neuen Ansatzes?

Threats (Risiken, Außensicht)

•    Gibt es Rahmenbedingungen, die die Umsetzung verhindern könnten?
•    Welche Entwicklungen, Trends etc. behindern möglicherweise die Verbreitung?
•    Können die Vorteile, die diese Neuerung oder Idee mit sich bringt, auch anders besser und leichter gelöst werden?

2. Danach priorisieren Sie die erarbeiteten Kriterien und Fragen und bewerten Sie diese.

3. Sie können auch versuchen, verschiedene Verbindungen in den einzelnen Bereichen herzustellen. Daraus werden wiederum Handlungsempfehlungen abgeleitet:

  • Stärke & Chance sollten forciert werden
  • Stärke & Risiko Absicherungen treffen
  • Schwächen & Chancen nutzen, um aufzuholen
  • Schwächen & Risiken sollten Sie besser meiden

Ein paar Tipps bei der Anwendung der SWOT Analyse:
* Verwenden Sie nur konkrete und nachprüfbare Aussagen (also eher „Kostenersparnis von x EUR, wenn der Prozess nach Plan umgesetzt wird“ anstatt „mögliche Einsparungen“).
* Priorisieren Sie so schnell und gut wie möglich lange Listen, damit Sie genügend Zeit für die Analyse der wichtigsten Faktoren haben.
* Gehen Sie sicher, dass Sie im Prozess entstandene Ideen auch in die weiteren Stadien miteinbinden und keine Idee verloren geht.
* Nutzen Sie die SWOT Analyse in Verbindung mit anderen Methoden (zB USP Analyse), damit Sie so ein besseres und ganzheitliches Bild von der Gesamtsituation bekommen.