Von Ingrid Gerstbach

Das Gefühl kennen Sie doch sicherlich: Sie haben etwas daher gesagt und wundern sich, dass von Ihrem Gegenüber keine Antwort kommt. Sie drehen sich zu ihm um und schauen in ein verwirrtes Gesicht. Nicht minder verwirrt fragen Sie sich, was denn nun so schlimm an Ihrer Aussage gewesen ist... Dabei war es vermutlich nicht nur der Inhalt, sondern Ihre Stimme, die diesen Moment ausgelöst hat. Was viele bereits erahnen: Die Wirkung Ihrer Stimme beeinflusst Aussagen massiv. Eine sichere, mit Pausen unterlegte Präsentation, vorgetragen mit einem tiefen Brustton der Überzeugung erntet viel mehr inhaltliche Zustimmung, als derselbe Inhalt vorgetragen mit einer leisen, devoten oder gar nasalen Stimmlage. Der Inhalt kann dann noch so genial oder interessant sein, der Zuhörer wird stets dem souverän vorgetragenen Beitrag vorziehen

Der Zuhörer bewertet aufgrund der Stimmmelodie und Lautstärke

Testen Sie es doch gleich selber und gehen Sie in das nächste Meeting mit diesem Wissen. Achten Sie nicht nur auf die Körpersprache der Teilnehmer, sondern eben auch auf deren Stimmen. Sie werden überrascht sein, was Sie dabei alles erfahren werden.

Noch besser ist es natürlich, wenn Sie gezielt Ihre eigene Stimme so einsetzen, dass Sie Ihrer Aussage Nachdruck verleihen. Nach einer kurzen Übung können Sie Ihre eigene Stimmwirkung testen.

Tipp 1: Den richtigen Ton finden

Stimme und Sprache stehen in einem unmittelbarem Zusammenhang zu Ihrer gesamten Persönlichkeit. Unser Körper reagiert auf alle Gefühlslagen, die wir durchmachen. Alleine unsere Atmung passt sich unserem Tun an. Wir haben einen wunderbaren Körper, der auch unsere Handlungen unterstützen möchte. So verrät auch unsere Stimme unsere momentane Gefühlslage. Je sicherer Sie sich fühlen, desto souveräner kommen Sie auch an, da Ihre Stimme genau das ausdrückt. Deswegen wird in Sprechübungen auch häufig die Ausdrucksfähigkeit erweitert. Ein Vorteil: So können Sie sich mehr auf das eigentlich Gemeinte, also auf den Inhalt, konzentrieren.

Tipp 2: Einfluss von Körpersprache und Stimme

Gestik und Mimik, die gesamte Körpersprache, verleihen jedem Wort Ausdruck und vermitteln Ihrem Gegenüber die tatsächliche Botschaft. Missverständnisse entstehen schnell, wenn die Körpersprache nicht der Stimme angepasst wird: Ist der Ton neutral oder sachlich, sollte die Körpersprache das auch wiedergeben. Ist die Körpersprache einladend und freundlich, erwarten wir keine missgünstigen Aussagen.

Nur bei aufrechter Haltung ist eine dynamische Stimme möglich! Stimme und Körper können nur gemeinsam agieren. Wenn Sie also souverän auftreten, dabei Ihren Oberkörper straff halten und gerade stehen, Schultern zurück, dann ist Ihre Stimme automatisch souveräner und weniger piepsig. Unser gesamtes Mindset ändert sich auch mit unserem Auftritt und das spiegelt sich in der Stimmlage wider.

Übung: Starten Sie ab nun motiviert in ein Meeting und sagen Sie ganz energisch "Jetzt kann es losgehen". Richten Sie sich auf und treten Sie dann auch gleich souverän ein. Dann kann es wirklich losgehen ;)

Tipp 3: Aussagen Nachdruck verleihen: Sprechen Sie Punkte

Achten Sie darauf: Bleiben Sie am Ende eines Satzes eher mit Ihrer Stimme oben? Dann geht es Ihnen so wie den meisten. Die Folgen sind, dass der Satz und damit auch der Gedanke für Ihren Gesprächspartner nicht abgeschlossen scheint. Die Erwartung ist, dass doch darauf noch etwas folgen muss. Wenn Sie eine Aufzählung machen oder eine Frage stellen wollen, dann eignet sich durchaus die offene Aussage - nicht aber, wenn Ihre Aussage  für sich stehen soll. Gerade Frauen sollten darauf achten. Die Kopfstimme übernimmt sonst gerne das Kommando und das Ohr des Gegenübers stuft Sie schnell in die Sparte: emotional ein.

Deswegen: Senken Sie am Ende eines Satzes bewusst Ihre Stimme ab, um Nachdruck zu verleihen. Dadurch vermitteln Sie einen klaren Standpunkt. Setzen Sie dann bewusst eine Pause, um Ihrem Zuhörer Zeit zu geben, dass er das Gesagte auch verdauen kann.

Tipp 4: Stimmfarben und Stimmung

Unsere Stimme entscheidet in Sekunden darüber, wie das Gesagte beim Zuhörer ankommt. Grund dafür ist, dass die Stimme ein Schlüsselreiz in der Kommunikation ist, den der Andere mit dem Gesagten unbewusst vergleicht. Schauspieler setzen das instinktiv ein: Um beim Publikum anzukommen, müssen sich die Zuhörer auch wohl fühlen. Haben sie z.B. ein Lachen auf den Lippen, lächeln wir unbewusst zurück.

Tiefe, sonore Stimmen vermitteln uns ein Gefühl der Vertrautheit. Studien zeigen, dass wir solchen Stimmen Eigenschaften wie Selbstsicherheit, Kompetenz und Glaubwürdigkeit zuschreiben. Hohe, sich überschlagende Stimmen andererseits lösen dagegen eher unangenehme Gefühle in uns aus. Die Lösung liegt wie so oft in der Mitte: Bleiben Sie bei einer lebendigen und abwechslungsreichen Stimmmelodie. Versuchen Sie Offenheit bei Ihrem Gesprächspartner zu erreichen, in dem Sie eine warme und beruhigende Stimme einsetzen.

Tipp 5: Kopf- oder Bruststimme? Die Stimmqualität

Die Stimme ist oft durch unseren Gebrauch angelernt. Das ist eine gute Nachricht, denn das bedeutet, dass wir jederzeit eine entspannte Stimme erzeugen können!

Üben Sie Ihre Bruststimme, um so volle Töne zu erfassen, die weich und resonanzreich klingen. Die Kopfstimme verleitet eher dazu, zu hoch, nasal und damit unsicher zu wirken.

Eine tolle Übung, um die eigene Stimmwirkung zu testen, ist wie folgt: Sprechen Sie folgende Sätze laut aus und betonen Sie die fetten Wörter. Durch das Hervorheben der einzelnen Wörter verändern sich sofort die Aussagen.

eilig: Ich muss den Bus noch erreichen.

neutral: Ich würde mich freuen, Sie zu treffen.

freudig: Ich habe mich sehr gefreut, Dich endlich mal wieder gesehen zu haben.

ironisch: Das war ja besonders intelligent.

missmutig: Wann werde ich endlich das Paket erhalten?

vertraulich: Glauben Sie mir, ich kümmere mich darum.

verbindlich: Ich brauche bis morgen die Unterlagen.

Humor: Ich habe selten so gelacht!

Trauer: Das hätte ich niemals geglaubt.

unsicher: Ich weiß nicht.

hilflos: Ich fühle mich gerade völlig verloren.

jammernd: Immer muss ich den Abwasch machen.

ungeduldig: Wann sind Sie denn endlich fertig?

autoritär: Ich dulde keinerlei Widerspruch mehr.

nachdenklich: Was, sagten Sie, soll das kosten?

wütend: Jetzt reicht es!
 

Viel Spaß beim Üben und bei Ihrem nächsten Meeting oder Präsentation!