Von Ingrid Gerstbach

Warum werden immer die anderen befördert?

Ein verzweifelter Anruf von einer Klientin, mit der ich seit kurzem zusammenarbeite, erreichte mich gestern. Die Beförderung, die sie so sehr angestrebt hat, wurde abgelehnt und stattdessen ein Kollege befördert, der noch nicht so lange im Unternehmen dabei ist und bei weitem nicht so hart wie sie arbeitet. Wieso das? Die erste Vermutung endet in der Kategorie Schubladendenken: Das Unternehmen ist Frauenfeindlich. Dass das der Grund ist, wage ich zu bezweifeln, dafür sprechen zu viele Argumente dagegen. Woran kann es dann liegen?

Zuerst einmal die schlechte Nachricht: Erfolg ist keine zwangsläufige Folge von viel und harter Arbeit. Selbst wenn Sie morgens als erster kommen und abends als letzter, nach der Reinigungshilfe, als Angestellter das Büro zusperren, müssen Sie sich nicht zwangsläufig erfolgreich fühlen. Warum? Erfolgreich ist der, der sich Ziele setzt und die auch verfolgt. Mit Ehrgeiz, mit Engagement, mit Fleiß. Doch auch mit Zielen, wie eben jener Aussicht auf Beförderung, scheint es dann manchmal nicht zu klappen. Ohne es vielleicht zu merken, stehen Sie sich selbst im Weg.

Selbstmarketing als Erfolgsbaustein

Viele meiner Klienten schütteln gleich den Kopf, wenn ich das Wort Selbstmarketing nur ausspreche. Das passt nicht zu ihnen, sich mit ihren Erfolgen zu brüsten, zu zeigen, was man erreicht hat. Lieber still im Hintergrund sein, dann kann auch nichts schief gehen? Falsch. Denn, vielleicht fällt Ihnen aus Ihrer Umgebung selber ein Beispiel ein: Der mit der größten Klappe, kommt am weitesten. Auch wenn sie scheinbar nichts richtig auf die Reihe bringen. Die gute Nachricht: Sie müssen sich nicht um 180 Grad verdrehen, aber einiges kann man von diesen Menschen lernen.

Lösen Sie sich von falscher Bescheidenheit

Selbstmarketing funktioniert sehr gut ohne Wichtigtuerei. Weder müssen Sie zum arroganten, selbstherrlichen Darsteller mutieren, noch mittels Ellbogentechnik Ihre Kollegen überrumpeln. Stattdessen erkennen Sie Ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten und fokussieren Sie sich darauf: Worin sind Sie besonders gut? Wofür wurden Sie bereits vom Chef, Kollegen, Familie gelobt? Was macht Ihnen Spaß? Werden Sie Experte auf diesem Gebiet, heben Sie sich so von anderen ab.

Akzeptieren Sie Schwächen und arbeiten Sie daran

Perfektion ist Lähmung, sagte der alte Churchill einmal. Und er hatte Recht: Nobody is perfect. Akzeptieren Sie, dass Sie ein normaler Mensch mit Fehler und Schwächen sind und kein Superheld, der neben alltäglichen Kram noch kurz die Welt rettet. Lassen Sie sich aber auch nicht von Ihren Schwächen ausbremsen, sondern lernen Sie genau diese an sich kennen und arbeiten Sie gezielt daran. Können Sie beispielsweise nicht gut mit Zahlen? Das ist in Ordnung, so lange Sie nicht in der Buchhaltungsabteilung arbeiten, müssen Sie darin auch kein Profi sein. Aber Sie können den Umgang mit Zahlen lernen. Bitten Sie eine Kollegin oder einen Kollegen um eine kurze Einführung, entdecken Sie Spaß daran, probieren Sie aus und akzeptieren Sie, wenn es Ihnen nicht liegt. Sie können dafür ganz anderes, was andere wiederum nicht können!

Bleiben Sie glaubwürdig

Glaubwürdigkeit ist eine wichtiger Voraussetzung für Vertrauen. Damit Ihre Kollegen und Ihr Chef überzeugt davon sind, dass man sich auf Sie verlassen kann und Sie wirklich Experte in Ihrem Gebiet sind, müssen Sie es ihnen beweisen. Sagen Sie nicht leichtfertig Dinge zu, die Sie nicht einhalten können.  Halten Sie Termine ein und geben Sie so bald wie möglich Bescheid, wenn sich mal etwas doch nicht wie erwartet ausgeht. Zeigen Sie Ihre Kompetenz, indem Sie wirklich wissen, wovon Sie reden. Schaumschläger kommen nicht weit, aber wenn Sie wissen, was Sie wirklich können, verstecken Sie es nicht.

Achten Sie auf Ihr Äußeres

Kleidung ist ein oft unterschätztes Kommunikationsmittel. Denn: So wie Sie sich anziehen, zeigen Sie auch, in welcher Position Sie arbeiten und welche Einstellung Sie zu Ihrem Unternehmen haben. Legen Sie Wert darauf gut gekleidet zu sein, strahlen Sie Professionalität aus. Oder würden Sie einem Bankberater vertrauen, der in abgewetzten Jeans vor Ihnen sitzt?
Kleidung macht auch selbstbewusst: In einem frisch gebügelten Anzug fühlt man sich selber gleich frischer und stärker, als wenn man das zerknitterte Hemd aus der Wäschetruhe rausfischt und anzieht.

Brillieren Sie mit Ihrem Expertenwissen

Wer in einem Meeting nur Mäuschen sitzt, wird nicht auffallen. Niemand wird sich daran erinnern, dass Sie dabei waren. Damit vergeben Sie aber wertvolle Chancen: Sie kennen sich doch genau in diesem Thema aus! Das dürfen ruhig auch die anderen wissen! Bereiten Sie sich gut vor und achten Sie auf Stichworte, die im Meeting fallen. Überzeugen Sie dann mit fundiertem Wissen. Aber Achtung: Verwechseln Sie das nicht damit, dass Sie zu allem Ihren Senf abgeben müssen - das kommt selten positiv an.
Fragt Ihr Chef beispielsweise im Teammeeting nach Neuigkeiten, melden Sie sich ruhig zu Wort. Geben Sie ein kurzes Update zu Ihren Projekten. Heben Sie dabei die Erfolge, die Sie dabei erzielt haben, ruhig hervor.


Engagieren Sie sich auch außerhalb Ihres eigenen Projektes

Überraschen Sie die anderen ab und an mit Engagement und Eigeninitiative. Wenn Sie sehen, dass jemand anderer gerade Probleme in seinem Projekt hat, fragen Sie von sich aus - wenn Sie gerade Kapazität dafür haben! - ob Sie helfen können. Bringen Sie Ihre Ideen dazu ein.
Oder vielleicht schlagen Sie mal vor, außerhalb des Unternehmens bspw. einen gemeinsamen Ausflug zu machen oder zeigen Sie Ihren grünen Daumen und verschönern Sie das Büro.

Erfolg bedeutet auch, dass Sie Durchhaltevermögen zeigen müssen. Bleiben Sie dran und zeigen Sie, was Sie können! Die Welt braucht mehr Menschen wie Sie!