Von Ingrid Gerstbach

Wie die Arbeitswelt in der Zukunft aussehen wird, zeigt sich eigentlich bereits recht gut in unserer Gegenwart. Die meisten Trends haben bereits angelegt: Schon seit einiger Zeit  kommunizieren wir über verschiedene Zeitzone quer über den Atlantik hinweg, nicht nur in virtuellen Teams. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird immer schwieriger, wenn der Chef verlangt, dass die Zeit, das Kind aus dem Kindergarten abzuholen, nicht ausschlaggebend für den Feierabend ist.
Arbeit wird immer mehr mobil. Statt die Zeit abzusitzen kommt es auf Ergebnisse an - unabhängig von Zeit und Ort. Was den Personalern von heute Kopfschmerzen bereitet, ist gut für die Arbeitnehmer: Eine Revolution in unserer Arbeit wird stattfinden müssen. Unternehmen müssen sich anstrengen, um Arbeitnehmer anzulocken und sie zu halten.

Arbeit als Ersatzreligion?

Studie zufolge wollen viele Arbeitnehmer und Berufseinsteiger sich nicht mehr fremd bestimmen lassen, sondern sich entfalten können. Statt Burnout setzen sie auf Balance, statt eines hochbezahlten Führungsjobs auf Freizeit mit Freunden und Familie. Lieber wird der vermeintliche Traumjob abgelehnt, als keine Zeit für Hobby oder Partner zu haben.
Im Moment noch zeigt die Arbeitswelt aber ein anderes Bild. Oft spielt der Mensch mit seinen Bedürfnissen eine untergeordnete Rolle: psychosomatische Krankheiten, Depressionen, zerbrochene Ehen und Freundschaften sind schon Alltag. Aber für viele lohnt sich das nicht mehr. Immer öfter stellen sie laut die Frage: Wofür eigentlich?

Zeit für eine neue Generation

Es ist die Macht der Demografie und der Knappheit. In hochgebildeten und wirtschaftlich florierenden Ländern wie es Österreich oder Deutschland sind, gehen die Fachkräfte aus - Nachschub ist nur mäßig in Sicht. Deswegen muss um neue gebuhlt und verbleibende gehalten werden. Solange aber die Ansprüche erfüllt werden, sind neue Arbeitnehmer loyal, ansonsten gehen sie - ohne viel Schmerz.
Nicht mehr der eigene Vater dient als Vorbild, sondern Pippi Langstrumpf, das rothaarige autonome Mädchen, die in der Welt der Autoritäten, gar nicht gut ankommt. Denn Pippi ist egal, was andere denken: Sie macht sich die Welt widewide wie sie ihr gefällt.

Unternehmen müssen sich für diese Generationen neu erfinden. Die Arbeit muss selbstbestimmt und flexibel sein, der Chef muss beeindrucken, sonst wird er offen hinterfragt. Persönliche Entwicklung ist wichtiger als Status und Prestige. Aber es lohnt sich. Denn diese Arbeitnehmer haben einiges zu bieten. Gleichstellung der Geschlechter ist selbstverständlich, sodass auch viele Frauen schneller dorthin kommen, wo sie auch tatsächlich gebraucht werden: in die Führungsriege.

Diese Generation hat eine andere Einstellung, nicht nur der Arbeit gegenüber. Sie sind weltoffen, engagiert und kreativ. Alles in allem eigentlich gute Voraussetzungen in einer Welt, die nach neuen Ideen verlangt.