Von Ingrid Gerstbach

Mein Ansatz als Design Thinking Experte ist, Probleme nicht als Probleme zu sehen, sondern als eine Aufforderung, Veränderung einzuleiten. Das Ziel dabei ist, die Lebensqualität
der beteiligten Menschen zu steigern – seien es Kunden, Stakeholder oder Mitarbeiter.

Design Thinking im Unternehmen

Die Methode Design Thinking hat meiner Meinung nach eine große Zukunft vor sich, wenn Unternehmen es schaffen, diese Methode durch Anwendung der Design Thinking Prozessschritte (Verstehen, Beobachten, Definieren, Ideen finden, Prototyp entwickeln, Testen) in ihren Alltag einzubauen. Auch als Baustein in der Unternehmenskultur: Als Summe von Eigenschaften, die die Mitarbeiter als Unternehmensevangelisten ausschicken und insgesamt innovativer, agiler und anpassungsfähiger machen.

Einstellungssache

Design Thinking ist aber viel mehr als eine einfache Methode: Es ist eine Einstellung bzw. Philosophie, die langfristig als Basis für eine Unternehmenskultur herhalten kann: Gute Design Thinker haben nämlich eine Art Detektor in sich, der nicht nur bei existierenden, sondern auch bei potentiellen Möglichkeiten anschlägt. Durch Identifikation und Artikulation schaffen sie erste Schritte, um solchen Potentialen Lebensenergie einzuhauchen. Wie? In dem sie Antworten auf Fragen finden, die noch nicht einmal gestellt worden sind. Indem sie erkennen, wo und wann eine Veränderung notwendig ist oder wie weit sie gehen muss. Durch Hinterfragen des Selbstverständlichen wird das Bestehende umgedacht und Neues geschaffen. Erfolgreiche Unternehmen kennen und leben diesen Ansatz: Wachstum durch Veränderung.

Veränderung: Chance und langer Weg

Veränderung ist allerdings ein schwieriger und langwieriger Prozess. Als Design Thinker können Sie den Anfang initiieren, indem Sie systematisch Veränderung herbeiführen, Widerstände begleiten und mit den richtigen Fragen helfen, Möglichkeiten und Potentiale zu erkennen. Veränderung lebt von entstandenen Ideen! Und das ist es, was Design Thinking so wertvoll macht: Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden und das Potential der Veränderung darin zu erkennen!

Allerdings dauert es lange Zeit bis es von einem erkannten Bedarf hin zur endgültigen Umsetzung von Ergebnissen kommt. Vor allem bei der detaillierten Umsetzung von Lösungen erfordert es Geduld, die oftmals fehlt. Zu leicht verfällt der der Methode verfallene Geist dem Lockruf vom Neuen, Anderen.

Grenze zwischen Möglich und Nötig

Der Design Thinker sieht Mögliches, Chancen, findet Argumente für und wider der Entscheidung und hilft auch bei der Priorisierung dieser. Der Prototyp ist in seinem Standardrepertoire angesiedelt. Doch, was nötig ist, um diesen in eine anwendbare Lösung umzusetzen, steht wiederum auf einem anderen Blatt Papier. Die Welt der Umsetzung obliegt anderen Regeln und Gesetzen, der Freigeist verspürt Zwang bei Disziplin und räumt das Feld für andere: Business Analysten, Organisationsexperten oder Change Managern.

Eine weitere Hürde begegnet Design Thinking in der geforderten Offenheit: Für viele Menschen schwer fassbar und zu wenig Sicherheit offerierend, bedarf es Mut, sich auf diese Methode einzulassen.

Aber ohne Mut keine Veränderung, keine Innovation. Design Thinking ist der erste Schritt in diese (richtige) Richtung.