Von Ingrid Gerstbach

Eines Tages saß H. Ford Dickie, Manager bei General Electric, vor der Aufgabe, seine Entscheidungen und Ideen bewerten zu müssen: Was sind die wichtigsten Prioriäten? Worauf müssen wir uns konzentrieren, um den anderen einen Schritt vorauszusein? Diese Fragen führten ihn dazu, 1951 zum ersten Mal über die ABC-Analyse zu schreiben. Damals gab es zwar auch schon die “80/20 Regel” bzw. das Paretoprinzip oder auch die Lorenz-Kurve, allerdings wurden diese Erkenntnisse bis zu jenem Artikel von Dickie noch nicht in der Theorie der Unternehmensführung angewandt.

Vor welcher Challenge stehen Sie?

Mit welcher Design Thinking Challenge sollen Sie starten? Sollen intern die Durchlaufszeiten optimiert werden? Oder sollte doch zunächst ein neuer Ansatz zur Kundenzufriedenheits-steigerung gesucht werden? Wenn ja, worauf sollen Sie sich dabei wiederum konzentrieren?
Wem nicht sofort klar ist, wo er die Prioritäten legen soll, dem sei die ABC-Analyse empfohlen. Diese Methode trennt relativ unkompliziert, das Wesentliche vom Unwesentlichen, hilft Rationalisierungsschwerpunkte zu setzen und steigert die Wirtschaftlichkeit, indem unwirtschaftliche Anstrengungen vermieden werden.

Der Aufbau

Auch der Aufbau ist nicht weiter schwierig: Zweidimensonalen Wertepaare werden kumuliert und in Klassen eingeordnet. Diese Einordnung bietet ein erstes grobes Bild der momentanen IST-Situation, woraus sich wiederum gut weitere Vorgehensweisen ableiten lassen.

Die ABC-Analyse hilft, Ideen oder andere Fragestellungen, nach ihrer Bedeutung hinsichtlich einem Gesamtergebnis oder für eine Zielerreichung in absteigender Reihenfolge anzuordnen und zu klassifizieren. Dazu eignen sich die unterschiedlichsten Untersuchungsgegenstände wie z.B. nicht optimal genutzte Strukturen, Maßnahmen, Lieferanten, Produkte, Produktgruppen, Kunden, Kundengruppen etc.

Die zunächst kommunizierten Untersuchungsgegenstände werden in drei verschiedene Klassen eingeordnet:

  • A: Hohe Priorität: Eine relativ geringe Anzahl von Untersuchungsgegenständen trägt zu einem hohen Anteil zur Erreichung der gesetzten Ziele bei.
  • B: Mittlere Priorität: Diese Gruppe trägt ungefähr proportional zum Gesamtergebnis bzw. zur Zielerreichung bei.
  • C: Geringe Priorität: Hierbei trägt eine relativ große Anzahl von Untersuchungs-gegenständen zu einem geringen Anteil zum Gesamtergebnis bzw. zur Zielerreichung bei.

Der Hintergedanke dieser Methode ist, dass die Aufmerksamkeit dadurch auf jene Ideen oder Untersuchungsgegenstände gelenkt werden kann, die eben maßgeblich zum Gesamtergebnis beitragen und die Erreichung der gesetzten Ziele stark beeinflussen. Dadurch ist eine Grundlage geschaffen, anhand derer Sie nun gezielt Maßnahmen planen und strategisch einsetzen können.

Mögliche Einsatzfelder

Die ABC-Analyse kann in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt werden, z.B.

  • Vertrieb: Hier dient die ABC-Analyse dazu herauszufinden, welche Kunden, Kundengruppen, Produkte, Produktgruppen oder Verkaufsgebiete am stärksten zum Erfolg Ihres Unternehmens beitragen.
  • Produktentwicklung: Identifizieren Sie mithilfe der ABC-Analyse die wichtigsten Produkte, auf deren Entwicklung bzw. Weiterentwicklung Sie sich konzentrieren sollte. Alle anderen sollten zumindest eine Zeit lang aus dem Programm eliminiert werden.
  • kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP): Finden Sie jene Verbesserungsmaßnahmen, die die stärksten Auswirkungen haben und konzentrieren Sie sich auf diese.
  • Logistik: zur Analyse der wichtigen Lieferanten (Lieferantenbewertung).
  • Produktion: Mithilfe der ABC-Analyse können Sie z.B. Anlagen mit den höchsten Ausfallzeiten oder mit den meisten Engpasssituationen identifizieren.

Die Vorgehensweise

Die ABC-Analyse lässt sich schnell und ohne Vorkenntnisse in vier Schritten durchführen:

  1. Bestimmen Sie zunächst, welche Faktoren oder Untersuchungsgegenstände Sie sich ansehen wollen.
  2. Legen Sie danach bestimmte Kriterien fest, die entscheiden, wie und in welcher Reihenfolge die Untersuchungsgegenstände geordnet werden sollen. So können z.B. Kunden nach ihrem Umsatz oder ihrer Bestellmenge, Produkte nach deren Wert oder der Entnahmehäufigkeit und Ideen nach der Umsetzbarkeit oder Verwertbarkeit eingeordnet werden.
  3. In einem nächsten Schritt legen Sie die Klassengrenzen fest, um die vorher bestimmten Untersuchungsobjekte auch eindeutig zuordnen können. 
  4. Schließlich ordnen Sie die Ideen/Untersuchungsgegenständen den drei Klassen (A, B, C) zu.

Vor- und Nachteile der ABC-Analyse

Die ABC-Analyse ist ein einfaches Instrument, das ohne besondere Vorkenntnisse angewendet werden kann und schnell eine übersichtliche, graphische Darstellung von Ergebnissen ermöglicht. Sie eignet sich durchaus auch für komplexe Problemstellungen, da sie sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert.

Allerdings ist die Klassifizierung oftmals sehr grob. Insofern eignet sich die ABC-Analyse manchmal nur zur Vorauswahl von Untersuchungsgegenständen, die dann in weiteren Schritten tiefer zu analysieren sind. Wichtig dabei ist, dass die entsprechenden Daten im Unternehmen erhoben werden und valide sind. Weitere Nachteile bestehen darin, dass eine einseitige Ausrichtung auf ein Kriterium erfolgt und keine qualitativen Faktoren berücksichtigt werden.