Von Ingrid Gerstbach

In unserer Beratung habe ich es mit allerlei Vorurteilen und fast schon magischen Gedanken in Bezug auf Brainstorming zu tun. Das Skurrilste war, dass ich einmal von einem Geschäftsführer gehört habe, er würde darauf schwören, dass die Mitarbeiter in der Früh mit ihrer nicht-dominanten Hand täglich eine Seite schreiben sollen. Das ist sicherlich eine gute Idee, um generell das Gehirn anzukurbeln, aber inwiefern das die Chancen auf mehr oder bessere Ideen beim Brainstorming erhöht, vor allem, wenn das ganze auf Druck basiert, lass ich mal dahingestellt.

Auf der Jagd nach dem Heureka-Moment

Joel Chan und Christian Schunn von der Pittsburgh Universität haben in einem Versuch gezeigt, dass die Suche nach dem Aha-Moment durchaus umsonst sein kann. Dabei untersuchten sie, ob Gedanke A zu B und der wiederum zu Gedanken C führt, bis der große Durchbruch kommt.

Dazu analysierten sie Transkripte aus den Brainstorming-Sitzungen eines professionellen Design-Team, das u.a. mit dem Entwurf eines Druckers beauftragt war. Die Transkripte zeigten deutlich, dass neue Ideen nicht aufgrund eines Anstoß einer anderen Ideen entstehen. Stattdessen ist Kreativität nichts anderes als eine Reihe an kleinen Fortschritten: Idee A spornt einen neuen, aber eng mit dem eigentlich verbundenen Gedanken an. Daraus entstehen viele, kleine mentale Fortschritte, die im besten Fall in einer innovativen Idee enden.

Nichts hilft der Kreativität so sehr wie Analogien

Vor allem Analogien helfen dabei, dass es zu weiteren Ideen kommt. Eine Analogie basiert auf einer ähnlichen Struktur wie der eigentliche Gedanke. Zum Beispiel: Gesundheit zu Krankheit = Tag zu Nacht. Auch wenn beide Begriffe (Gesundheit und Tag) auf dem ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und ganz andere Dinge sind. Eine Analogie basiert auf einer Assoziation - entweder von einander lautmalerisch entsprechenden Wörtern oder einander entsprechenden Wortgruppen, die dann angepasst werden.

Analogien sind für uns Menschen selbstverständlich. Unser Gehirn zieht ständig unbewusst analoge Vergleiche, um der Welt um uns herum einen Sinn zu geben. Analogien dienen als eine Art Brennstoff für unser Denken und sind eine tolle Hilfestellung, um beim Brainstorming vorwärts zu kommen.

Unser Kopf ist nämlich mit einer Menge an Lösungen gefüllt, die Sie in der Vergangenheit gesehen haben. Neue Ideen basieren aufgrund von Erfahrungen und Dingen, die wir bereits in der Vergangenheit erlebt haben. Ideen werden verschoben und verändert und verwandelt. Brainstorming muss also nicht direkt zu einer bahnbrechende Innovation führen, aber durch die Verwendung von Ähnlichkeiten, werden Ideen sinnvoll miteinander verknüpft.

Brainstorming alleine funktioniert aber auch nur dann, wenn Sie es in dem gesamten Design Thinking Prozess als einen Schritt sehen, der nicht getrennt von den anderen Schritten existieren kann.

4 Tipps für erfolgreiches Brainstorming

  1. Filtern Sie nicht: Wenn Sie ein Meeting beginnen, starten Sie nicht mit einer Aufforderung a la „Wir müssen am Ende des Meetings eine wirklich gute Lösung gefunden haben!" Mit solchen Aussagen setzen Sie alle Beteiligten unter einen enormen Druck und das Gefühl der Exploration kann erst gar nicht entstehen.
     
  2. Geizen Sie mit Beispielslösungen: Bringen Sie keine Lösungen, die bereits in der Vergangenheit funktioniert haben. Anstatt, dass Sie dann neue Lösungen denken, bekommen Sie maximal Ihre alte Lösung im neuen Gewand präsentiert.
     
  3. Denken Sie in Analogien: Ermöglichen Sie zwischen den Welten, die scheinbar getrennt voneinander existieren, zu denken. Suchen Sie nach ähnlichen Strukturen, um neue Ideen zu finden, die vielleicht auf den ersten Blick disruptiv sind. Bauen Sie dann auf diesen Ideen weiter auf.
     
  4. Verzichten Sie auf Anreize: Wenn Sie Menschen mit Anreize wie Geld für Ideen locken, bekommen Sie viele, sehr ähnliche Ideen. Aber selten eine, die auch wirklich kreativ ist.

Fazit

Brainstorming ist als Methode im Design Thinking Prozess nicht mehr wegdenkbar. Es ist eine sehr einfache und effektive Möglichkeit, neue Ideen zu entwickeln. Vor allem dann, wenn Sie in Analogien denken und das Team sich nicht unter Druck gesetzt fühlt.