Von Ingrid Gerstbach

Ich sitze gerade an den letzten Überarbeitungen zu meinem neuen Buch. Neben der normalen Projektarbeit und den Workshops ist das gar nicht so einfach, auch wenn es mir prinzipiell unheimlich Spaß und ich für Design Thinking brenne. Nur ab und an gehen mir einfach die Ideen aus. Spätestens dann bediene ich mich einer dieser Tricks…

1. Müdigkeit fördert kreatives Denken

Viele von uns tendieren entweder dazu, Nachteulen oder Morgenlerchen zu sein. Zu dementsprechenden Stunden erreichen wir dann den Höhepunkt unserer Problemlösungskompetenz. Das gilt aber nicht für unser kreatives Denken. Kreative Erkenntnisse stellen sich vielmehr dann ein, wenn wir unseren Verstand herumwandern lassen und wir ihn scheinbar unzusammenhängenden Bereiche erforschen lassen.

Der Grund dafür liegt darin, dass ein müdes Hirn damit kämpfen muss, Nebensächlichkeiten erfolgreich herauszufiltern und sich wirklich nur auf eine Sache voll zu konzentrieren. Aber genau das ist es, was kreatives Denken tatsächlich braucht: Es profitiert von Ablenkungen und zufällige Gedanken.

2. Umgebungsgeräusche helfen der Kreativität auf die Sprünge

Wenn ich in Projekten oder in Jam Sessions die Lautsprecher auspacke, ernte ich in 8 von 10 Fällen schräge Blicke. Wir sind gewohnt, dass wir zum Denken Stille brauchen. Dabei sind Umgebungsgeräusche genau der richtige Sound, um wirklich kreativ zu sein.

Stille unterstützt uns tatsächlich dabei, den Fokus zu schärfen. Das ist nützlich, wenn wir uns intensiv mit einem Problem herumschlagen oder auf Details penibel achten müssen. Studien belegen, dass kreatives Denken, auf der anderen Seite, die Art von Umgebungsgeräuschen erfordert, die Sie beispielsweise in einem Café finden.

3. Nicht schwarz, sondern blau ist DIE Farbe der Kreativen…

Erleben Sie Ihr blaues Wunder! Ein kurzer Blick auf blau, grün oder rot führt zu kreativer Bestleistung. Es ist kein Wunder, dass sich ein eigener Zweig der Psychologie mit den Farben dieser Welt beschäftigt. Farben haben unterschiedliche Auswirkungen auf unsere kognitiven Leistungen: Während die Farbe rot uns bei detailorientierte Aufgaben auf die Sprünge hilft, verbessert blau die kreative Leistung.

4. Connecting the dots

Viele setzen Kreativität mit einer einzigartige Idee, die vorher noch niemand in seinen Träumen auch nur erdacht hat, gleich. Dabei ist Kreativität im Grunde nichts anderes ist, als neue Verbindungen zwischen bestehenden Ideen zu schaffen. Plötzlich wirkt Kreativität weniger beängstigend, oder?

Die Forschung erklärt sich das so, dass verschiedene Hirnregionen für Intelligenz im Allgemeinen zuständig ist. Dabei haben sich vor allem die Verbindungen zwischen diesen Regionen als wichtig und wertvoll herausgestellt. Erst wenn diese Verbindungen miteinander kommunizieren, können wir unser Wissen anzapfen.

5. Verreisen Sie unbedingt öfters!

Der alte Goethe sagte schon „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“
Viele Länder leben sehr unterschiedliche kulturelle Normen und Werte. Selbst innerhalb der einzelnen Länder stoßen wir oft auf krasse Unterschiede, was deren Sitten betrifft.

Wenn Sie nun raus aus Ihren eigenen vier Wänden und auf Reise gehen, erhöhen Sie Ihre Kreativität und Ihr Innovationsgeschick. Oft reicht auch schon die virtuelle Begegnung mit anderen Kulturen. Aber schöner ist es doch, neue Welten selbst zu bereisen...

6. Legen Sie öfters ein Nickerchen ein

Dass Schlaf wirklich wichtig für unsere gesamten Organismus ist, hat sich bereits weitläufig herumgesprochen. Aber gilt das auch für kurze Nickerchen?

In einer Studie mussten sich die Teilnehmer illustrierte Karten merken, um ihre Merkfähigkeit zu testen. Nachdem sie eine Reihe von Karten sich merkten, wurde eine 40-minütige Pause veranschlagt. Während die eine Gruppe sich hinlegte, blieb die andere wach. Nach der Pause wurden die Merkfähigkeit der beiden Gruppen getestet: Zur Überraschung der Forscher war die Nickerchen-Gruppe signifikant besser. Sie konnten im Durchschnitt 85 Prozent der Muster richtig wieder geben, während die wache Gruppe sich lediglich 60 Prozent merkte.
Neue Sachverhalte landen zunächst im Hippocampus. Dort werden sie leicht vergessen, vor allem, wenn das Gehirn sich gleich mehrere Dinge auf einmal merken soll. Ein kurzes Nickerchen hilft dabei, Erinnerungen zum Neocortex zu schieben, wo die Sachen „dauerhaft“ abgespeichert werden und ein Überschreiben verhindert wird.

7. Übung macht den Meister

Diese Erkenntnis ist alles andere als neu: Mehrfach haben Studien belegt, dass Übung auch in Sachen Kreativität nützlich ist. Forscher haben dazu zwei Gruppen untersucht: Die eine Gruppe hat lediglich ein Video mit Aerobic-Übungen gesehen, während die andere die Übungen gleich mitmachten. Die Gruppe, die aktiv mitmachte, hatte im Endeffekt viel mehr Lösungsvorschläge als die andere Gruppe.

Der Grund: Kreatives Denken funktioniert wie ein Muskel. Es muss trainiert werden, weil es sonst einrostet. Durch Übungen können wir viel einfacher auf Wissen zurückgreifen, dass tief in uns vergraben liegt.

8. Setzen Sie sich Grenzen

Wenn Sie jemals einen Artikel schreiben mussten und mit der berüchtigten leeren Seite konfrontiert waren, wissen Sie, was ich meine: Nicht Freiheit ist die Mutter der kreativen Ideen, sondern die Grenze. Vorgaben steigern unseren kreativen Output. Wenn Sie also kreativ briliieren wollen, setzen Sie sich am besten Grenzen in Sachen Raum und Zeit.

9. Gedämpftes Licht macht uns frei

Empfinden Sie dunkle Räume als frustrierend und ziehen natürliches Licht dem künstlichen in Ihrem Arbeitsbereich vor? Dann wird es Sie vermutlich überraschen: Forschungen zeigen, dass schwache Beleuchtung nachweislich unsere kreative Leistung verbessert. Sogar, wenn die Beleuchtung für unser Auge sichtbar dunkler ist, führt das bereits zu einem Unterschied und kurbelte die Kreativität der Teilnehmer an.

Warum? Dunkelheit scheint ein Gefühl der Freiheit auszulösen und löst einen risikofreudigeren, explorativen Verarbeitungsprozess aus.

10. Unordnung am Schreibtisch führt zu höherer Kreativität im Hirn

An sich bin ich wirklich kein Fan von Schreibtischen, bei denen sich die Zettel stapeln und das Essen vor ein paar Tagen sich durch einen Eigengeruch unter einem Haufen Dinge bemerkbar macht. Eine weitere Studie zeigt nun, dass schmutzige Umgebungen unser kreatives Denken anregt. Je unordentlicher ein Tisch, desto mehr waren die Teilnehmer offen für Neues.

Dieselbe Studie fand auch heraus, dass Teilnehmer großzügiger sind und sich gesünder ernähren, wenn sie an einem ordentlichen und sauberen Arbeitsplatz arbeiteten.
Vielleicht wäre die Lösung, einfach zwei Schreibtische zu haben. Der eine, an dem die analytische Arbeit stattfindet, während der andere Heimat für kreatives Denken ist?

Lassen Sie sich öfters mal inspirieren

Es gibt eine Menge an Methoden, um unser kreatives Problemlösungspotential wach zu kitzeln. Sie müssen auch nicht jedes umsetzen, aber vielleicht hilft Ihnen ein Blick auf diese Liste, wenn gerade mal nichts weitergehen will, aber muss...