Von Ingrid Gerstbach

Bevor Sie laufen gehen, machen Sie sicherlich ein paar Stretching-Übungen, oder? Was für das Laufen gang und gäbe ist, gilt auch für die Ideensammlung. Dank einer kurzen Aufwärmphase fließen die kreativen Säfte wie Honig und die Chancen auf fruchtbare Ideen steigen enorm.

Ich und kreativ? Niemals!

Warum das so ist? Menschen sind oft rund um die Uhr mit allen möglichen Dingen beschäftigt - bei gleichzeitigem Zeitdruck. Ich habe oft mit Menschen innerhalb von Unternehmen zu tun, die noch nie oder nur selten zusammengearbeitet haben. Das baut regelrechte Barrikaden und Unsicherheiten auf, die es zunächst zu überwinden gilt.
Für viele ist Brainstorming auch ein Begriff, den sie theoretisch aus dem Buch, nicht aber aus der Praxis kennen.
Auch neigen wir Menschen aus Erfahrung dazu, in eine Art taktische Denkweise zu springen, wenn es um die Realisation von Ideen geht,  die logisch, praktisch und naheliegend sind, anstatt anders oder kreativ zu überlegen.
Am schlimmsten ist aber der weitverbreitete Glaube, dass Menschen davon überzeugt sind, selber nicht kreativ zu sein.

All diese Herausforderungen gilt es vor einer Brainstorming-Runde  zu überwinden. In solchen Fällen sind Aufwärmübungen hilfreiche Starthilfe für die kreative Energie.

Zwei Aufwärmübungen als Auftakt für die Ideensammelphase

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle zwei warm-ups vorstellen, die mir vor allem in herausforderenden Situationen als Eisbrecher gute Dienste erweisen. Im ersten Moment wirken sie sehr spielerisch, manche empfinden sie gar als kindisch, aber sie helfen, das Gehirnschmalz von Menschen zu aktivieren und das kreative Denken anzukurbeln. Trauen Sie sich. Einen Versuch ist es wert.

Unsere Besucher vom Mars sind endlich da!

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie werfen einen Blick aus Ihrem Büro und sehen, dass Ihre lang erwarteten Gäste pünktlich angekommen sind. Es ist eine Gruppe an Marsmännchen, die gerade auf Ihrem Firmenparkplatz einparken. Zu Ihren Aufgaben zählt es, dass Sie die Gäste willkommen heißen. Der Haken dabei: Diese besonderen Gäste sprechen keine Edensprache, verstehen allerdings Symbole. Dabei sind sie so neugierig auf Sie und Ihr Unternehmen…

  • Teilen Sie zunächst die große Gruppe in einzelne, kleine Gruppen auf.
  • Jede Gruppe bereitet auf einem Flipchart eine kurze Rede vor. Diese besteht nur aus grafischen Symbolen und soll die Marsmenschen willkommen heißen.
  • Bevor die Rede veröffentlicht wird, sollten alle Teilnehmer überprüfen, ob sie damit einverstanden sind und ob sie auch die Besucher verstehen können.
  • Nun müssen die anderen Gruppenmitglieder die Rede der anderen auf deren Verständlichkeit überprüfen.
  • Gewonnen hat die Gruppe, die am kreativsten und verständlichsten nonverbal die Gäste vom Mars willkommen geheißen hat.

30 Kreise

Für diese Übung braucht jeder Teilnehmer ein Schreibgerät, ein Stück Papier, auf dem 30 Kreise aufgezeichnet sind, und 3 Minuten Zeit.
Die Aufgabe besteht nun darin, Innerhalb der vorgegebenen Zeit die Kreise auf dem Papier in etwas Erkennbares wie einen Volleyball, ein Gesicht oder einen Planeten zu verwandeln. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, Sie dürfen auch außerhalb der Kreise zeichnen!
Das Ziel besteht darin, innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Kreise umzuwandeln.

Die meisten Menschen neigen dazu viel zu lange zu denken und zu überlegen, was sie aus den Kreisen machen können. Kinder gehen sehr viel spontaner an die Zeichnungen ran. Sehr kreative Menschen werden nicht nur die verschiedenen Kreise mit Zeichnungen befüllen, sondern mit ihnen spielen - manches Mal entstehen daraus ganze Bilder.

Fazit

Gedanken auf originelle Art und Weise zu verbinden, ist der Schlüssel zur Kreativität. Gehen Sie diese Warm-ups ohne viel zögern oder Selbstzweifel an und entfalten Sie so Ihr kreatives Denken. Sie werden überrascht sein, wie lustig diese Übungen sind und wie viele neue und spannende Ideen danach auf Sie warten.