Von Ingrid Gerstbach

Im Design Thinking dreht sich alles um Empathie. Es geht darum, die realen Bedürfnisse des Nutzers/Kunden zu verstehen, zu begreifen, worin die tatsächliche Herausforderung für sie oder ihn liegt, wie er oder sie wirklich tickt, wie seine oder ihre persönliche Welt aussieht. Um aber einen offenen Dialog überhaupt erst führen zu können, ist das Gefühl, dem anderen vertrauen zu können, das Nonplusultra. Ist das Vertrauen aber einmal abhanden gekommen oder fehlt es ganz, steht die Beziehung unter keinem guten Stern. Doch wie kann Vertrauen aufgebaut und gestärkt werden?

Schau mir in die Augen

Wetten, dass Sie nach 20 Sekunden bereits intuitiv wissen, wem Sie vertrauen können? Das zeigt zumindest eine Studie der Universität Berkeley. Zum Start des Experiments wurden 24 Paare Proben ihrer DNA genommen. Die Aufgabe für die Paare bestand danach darin, sich lediglich miteinander zu unterhalten. Dabei wurde der Zuhörer gefilmt. Einer zweiten Gruppe wurden die rund 20sek. langen Einspielungen mit Ausschnitten des Zuhörers gezeigt. Danach sollte die Gruppe - lediglich aufgrund seiner Körpersprache, Mimik und Gestik - bewerten, welcher der Zuhörer am vertrauenswürdigsten auf sie wirkte.
Der anschließenden Vergleich mit den vorher entnommenen DNA-Proben bewies: Jene Zuhörer, die von der zweiten Gruppe als besonders vertrauensvoll eingestuft wurden, besaßen einen besonderen Oxytocin Rezeptor. Menschen mit diesem Rezeptor nicken und lächeln häufiger, halten auch mehr Augenkontakt zu ihrem Gegenüber und besitzen generell eine offenere Körpersprache. Die Probanden, die dieses Gen nicht besaßen, waren weniger in der Lage, sich in den anderen einzufühlen und wurden entsprechend als weniger vertrauenswürdig eingestuft.

Vertrauen als Erfahrungsschatz

Vertrauen ist mehr oder weniger ein erlerntes Verhalten, das bis in die Kindheit zurückreicht: Je nachdem, wie groß unser Zutrauen in unsere eigenen Fähigkeiten, aber auch das Fremdvertrauen in andere Menschen war. Beides haben wir aufgrund unserer Erfahrung gelernt. Wer früh als Kind bereits erfahren hat, dass Erfolgsmomente aufgrund des eigenen Wissens und Könnens wiederholbar sind und dass Vertrauen belohnt wird, bleibt  meist auch in späteren Jahren vertrauensvoll.
Wer jemanden oder etwas vertraut, geht letztlich davon aus, dass sich etwas so entwickelt, wie versprochen oder erhofft. Ob dem tatsächlich so ist, ist wiederum eine andere Geschichte.

Vertrauen ist Balsam für die Seele - der Pygmalion Effekt

Bereits 1968 entdeckte ein Team um den Psychologen Robert Rosenthal den sogenannten Pygmalion - Effekt. In einem Experiment sagten die Wissenschaftler den Lehrern, dass sie ausgewählt wurden, im kommenden Schuljahr eine Klasse mit den intelligentesten und besten Schülern übernehmen zu dürfen. Und siehe da: Nach Ablauf des Schuljahres hatten diese Klassen deutlich bessere Noten und selbst einen höheren IQ als der Durchschnitt. Es wäre allerdings nur halb so spannend, wenn die Psychologen den Lehrern von Anbeginn an die ganze Wahrheit gesagt hätten: So wurde die Klasse gar nicht aus den intelligstensten Schülern zusammengesetzt, sondern es wurde eine reine Zufallsauswahl getroffen.
Da die Lehrer den Schülern aber deutlich mehr als anderen zutrauten und selbst die Schüler glaubten, zu den Besten zu gehören, stieg ihre Leistungs- und Lernkurve phänomenal an.

Wie können Sie selbst Vertrauen aufbauen?

Vertrauen ist also wichtig und auch Sie wollen sicherlich mit niemanden zusammenarbeiten oder -leben, dem Sie ständig misstrauen und kontrollieren müssen, oder? Deswegen hier ein paar Tipps:

Kommunizieren Sie offen und viel, aber produzieren Sie keine heiße Luft!
Nichts schafft Vertrauen so sehr wie regelmäßiger und offener Austausch miteinander.
Bleiben Sie authentisch
Seien Sie ehrlich, indem was Sie meinen, glauben, fühlen und tun. Aber Achtung: Das heißt natürlich nicht, dass Sie alles sofort und unreflektiert wiedergeben sollten.
Behalten Sie Geheimnisse für sich
Auch wenn es manchmal noch so verlockend sein kann: Behalten Sie gewisse Interna für sich. Bevor Sie aber lügen müssen, schweigen Sie lieber oder sagen Sie: „Darüber kann ich noch nicht sprechen."
Stehen Sie zu Ihren Fehlern
Fehler zu machen, ist keine Schande! Blöd ist es nur dann, wenn nichts daraus gelernt wird. Auch wenn es im ersten Moment schmerzen mag, stehen Sie dazu.
Lassen Sie sich Zeit
Auch Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. Alles braucht seine Zeit und letztlich auch eine Bewährungsprobe, um das Vertrauen zu festigen.

Genießen Sie das Gefühl, Menschen Vertrauen zu schenken und auch im Gegenzug Vertrauen zu erhalten! Sie werden sehen, wie sehr das Leben dadurch bereichert wird!