Von Ingrid Gerstbach

Wer länger nachdenkt, fällt bessere Entscheidungen? Stimmt nicht. Wer einfach mal loslegt, wird belohnt? Stimmt genau. Denn jeden Tag treffen wir eine Vielzahl an Entscheidungen - angeblich über 20.000 Entscheidungen alleine an einem Tag! Da lohnt es sich doch über das eigene Denken kurz mal zu reflektieren und die eigenen Handlungen zu hinterfragen.

Warum? Wieso? Weshalb?

Der Einfluss unseres Unterbewusstseins ist enorm. So führt bereits ein vermeintlich harmloser Denkfehler schnell zu katastrophalen Folgen, die wir später bitter bezahlen müssen. Oft sind falsche Annahmen dabei der Ausgangspunkt, aber auch unbeachtete Einflüsse können unser Handeln maßgeblich beeinflussen.

Stellen Sie sich bitte folgendes Szenario vor: Sie betreten nichtsahnend ihr Büro und wollen Ihre Sachen auf dem Tisch ablegen, als Sie sich plötzlich denken, dass Sie zunächst einmal wegräumen sollten. Bzw. zumindest einmal über den Tisch wischen. Das haben Sie schon viel zu lange nicht mehr getan. Glaubt man einer niederländischen Studie, dann schafft ein Zitronenduft im Raum alleine den Drang nach Ordnung und Sauberkeit. Im Hintergrund ein Bild einer Bibliothek andererseits, lässt Menschen sich harmonischer verhalten.

Unterbewusstsein sei Dank

Für all solche Handlungen sorgt unser Unterbewusstsein - wenn wir unser Denken und Handeln nicht hinterfragen. Fragen wie "Warum will ich das haben?" "Wieso ärgere ich mich momentan so?" "Weshalb habe ich das Bedürfnis laut loszuschreien?" helfen uns, uns unabhängiger von äußeren Einflüssen und sogar Manipulationsversuchen zu machen.

In dieser Reihe werde ich die wichtigsten Denkfehler behandeln - und wie man diese vermeidet.

Der Schwarz-Weiß bzw. der Entweder-Oder Denkfehler

Menschen lieben Kategorien und Schematas. Und ganz besonders Kritiker neigen zu Extremen. Richtig ODER falsch, Held ODER Memme, Erfolg ODER Glück…  Für wen das Wort „Mittelmaß“ in seinem Wortschatz nicht existiert, erlebt die ganzen Grautöne der Welt nicht und schränkt damit seinen Horizont selber ein. Streben nach Perfektion, unflexibles und intolerantes Verhalten sind nur ein paar der Folgen vom schwarz-weiß Denken.

Was sich dagegen tun lässt

Steigen Sie aus diesem Muster aus. Wechseln Sie immer wieder Ihre eigene Perspektive und geben Sie (auch sich selbst gegenüber) zu, dass auch Sie nicht unfehlbar sind.

Machen Sie sich klar, dass Gegensätze zusammengehören. Lassen Sie neben dem Entweder-Oder auch das Sowohl-als-auch existieren. Suchen Sie nach dem Guten im Schlechten und dem Schlechten im Guten.

Entwickeln Sie sich weiter und bleiben Sie nicht stehen. Spornen Sie sich selbst dazu an, mehr erfahren und Ihr Wissen ausweiten zu wollen. So sind Sie auch schneller in der Lage, die eigenen Denkfehler zu entlarven.

Halten Sie Ausschau nach den Grautönen und Alternativen. Oft, wenn nicht immer, existieren gegenteilige Sachverhalte gleichzeitig. Wer zum Beispiel mehr Output aus seiner Arbeit herausholen will ohne jemanden ins Boot holen zu wollen, der kann auch auf Partnerschaften und Kooperationen zurückgreifen. Möglichkeiten gibt es immer, Sie müssen nur nach Grautönen und Alternativen Ausschau halten.

Innovation und Kreativität suchen nach Widersprüchen, um aus ihnen heraus neue Impulse zu beziehen. Deswegen suchen Sie aktiv nach Grautönen.