Von Ingrid Gerstbach

Die meisten von uns sind mindestens 5 Tage in der Woche an ihrem Arbeitsplatz. Dort treffen sie Menschen, mit denen sie mehr Zeit als mit der eigenen Familie verbringen. Manches Mal auch mehr Zeit als mit den eigenen Kindern. Der eigene Arbeitsplatz soll uns stolz machen, anregend sein und motivieren. Viel zu oft macht er aber krank und wir tauschen zwangsweise lediglich unsere Zeit gegen Geld ein. Was läuft verkehrt?

Der eigene Schreibtisch als Spiegel

Die wenigsten Arbeitsplätze sehen nach Orten der Kreativität und der Motivation aus. Vielmehr erzeugen sie den Anschein eines Miniatur-Bauteils des Betriebsganzen. Im besten Falle geprägt von Urlaubskarten oder einem Familienfoto an der Wand sind sie ansonsten fad und gleichförmig. Die meisten arbeiten auf den gleichen fahlen Teppichböden und schauen auf die gleichen Wände mit riesigen Papierstapeln und Flipcharts mit gleichen gelangweilten Blick.
Keinem Mensch kommt bei so einem Anblick der Gedanke, dass an diesem Ort Zukunft entsteht, Ideen sprießen und Mitarbeiter gerne kommunizieren. Dabei hat sich die Bedeutung des Arbeitsplatzes geändert - lediglich das Aussehen bleibt gleich.

Zeit für Veränderung

Das liegt einerseits an der mangelnden Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Dem Raum wird bei weitem nicht so viel Wichtigkeit zugeordnet, wie er tatsächlich hat. Andererseits ist es auch nicht einfach, Mauern zu durchbrechen und den Angestellten ein anregendes Umfeld zu bieten, wenn die eigenen Büroinsassen sich nicht selbst für eine bessere Atmosphäre einsetzen. Statt selbst für Farbe oder Bilder zu sorgen, ist es oftmals ein Wunder, wenn irgendwo an der Wand ein verlorenes Blatt Papier mit einem uralten, witzigen Cartoon gepinnt ist.

In Zeiten der Veränderungen und der schnellen Verständigungen sollte sich das schleunigst ändern und Schreibtische als Arbeitsinseln eingesetzt werden. Aber Inseln, auf denen man neben regem Austausch auch Ruhe findet, sich geschützt und wohlfühlt und vertraulich reden kann. Gar nicht so einfach.

Das bewegliche Büro: Desk-Sharing als Zukunft?

Die Zukunft hat in einigen Büros schon stattgefunden. Neue Konzepte weiten sich aus. Und das zu recht wie z.B. die Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation zeigt. Demnach arbeiten momentan ca. 39% aller Mitarbeiter an einem fixen Schreibtisch. 38% können ein Büro ihr eigen nennen, aber sie sind dennoch mehr als die Hälfte ihrer Zeit unterwegs. Die verbleibenden 22% arbeiten auf Reisen, zu Hause oder an wechselnden Arbeitsplätzen in der Firma. So lässt sich bis zu einem Drittel der Büroflächen einsparen. Das funktioniert aber nur, wenn bei der Einführung ein paar Dinge beachtet werden. Den eigenen Schreibtisch aufzugeben, ist nämlich nur in der Theorie einfach, in der Praxis aber kommen schnell Ängste und Zweifel auf.

Gewusst wie

Der Großteil unserer Arbeit findet heutzutage in der Kommunikation statt. Das muss sich auch beim Arbeitsplatz widerspiegeln. In der Praxis heißt das, dass der alte Besprechungsraum mehreren Kommunikationsräumen Platz macht, um den Mitarbeitern kreative Räume zu verschaffen. So kann ein Raum als Projektraum betitelt werden, während ein anderer Raum der richtige Ort für Brainstorming in Wohlfühlatmosphäre ist. Dabei ist es aber wichtig, dass das neue Konzept "top down" gelebt wird: Wenn der Chef nach wie vor sein eigenes Ressort hat, das nur ihm zugänglich ist, wird er die eigenen Mitarbeiter nur schwer von einem neuen Denken und Arbeiten überzeugen können. Auch die aufwendige Gestaltungen der Räumlichkeiten drücken vor allem eines aus: das Selbstbild des Unternehmens. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Mitarbeiter das Unternehmen prägen - nicht umgekehrt.

Das Wesentliche ist das Ziel

Statt Neonleuchten und klobigen Managertischen eignen sich Räume, die die Mitarbeiter nach ihren Bedarf gestalten können. Vielleicht entsteht so eine eigene Bibliothek oder eine Art Kaffeehaus mit Lounge. Höchstleistung wird nicht mittels diffusem Licht, weißer Wände und schalen Farben erreicht. Dazu braucht das Unternehmen nicht gleich Unsummen zu investieren. Es genügt schon nicht auf Einzelbüros oder offenere Strukturen zu setzen, sondern  eine Vielzahl an unterschiedlichsten Zonen anzubieten: Raum zum Nachdenken, zum Diskutieren, zum Träumen etc.

Die Frage sollte immer sein: Was ist das beste Umfeld für unsere Mitarbeiter? Das muss ein Unternehmen anbieten und umsetzen, damit das auch nach außenhin gelebt werden kann.