Von Ingrid Gerstbach

Jedes Unternehmen bekommt die Ergebnisse, die es verdient: Schlechte Leistung ist das Endprodukt von schlecht organisierten Unternehmen. Hervorragende Leistung entsteht dort, wo Strategien, Geschäftsmodelle, Strukturen, Prozesse, Technologien und Menschen ihre Kräfte bündeln und aneinander ausrichten.

Gewiefte Führungskräfte wissen, dass sie die Unternehmenskultur erst prägen müssen, um Innovationen voranzutreiben. Sie wissen, dass es die Kultur ist - die Werte, Normen, unbewussten Botschaften und Verhaltensweisen von Mitarbeitern - die oft die Leistung einschränkt. Diese unsichtbaren Kräfte sind dafür verantwortlich, dass 70% aller Change Ansätze misslingen.
Das muss aber nicht sein! Gestalten Sie bewusst das Zusammenspiel von Unternehmensstrategie mit dem Umgang der Menschen im Unternehmen untereinander bzw. mit dem Unternehmen selbst.

1. Seien Sie sich bewusst, innovativ sein zu wollen

Die meisten Unternehmensvisionen und Strategien klingen alarmierend: „Wir sind Marktführer im Bereich von … (beliebig einsetzbar)". Dieses generische, breit angelegte Ziel wird möglicher Weise Ihren Vertrieb anheizen, aber Sie werden kaum damit den Einfallsreichtum Ihrer Mitarbeiter entfachen. Das Schlimmste, was ein Unternehmen überhaupt tun kann, ist den Befehl „Innovation! Marsch!“ zu geben, ohne eine Führung an die Spitze zu stellen. Dann geht der Fokus verloren und ihr Team dreht sich im Kreis.

Der Ausweg: Geben Sie dem Unternehmen einen neuen Rahmen und setzen Sie den Kunden in die Mitte. Ein Beispiel: Mcdonalds will „Menschen, wo auch immer sie sich versammeln, Essen zur Verfügung stellen“. Klingt doch gleich ganz anders als „Marktführer von Hamburgern“ zu sein, oder?

2. Geben Sie unstrukturierten Zeiten Struktur

Innovation braucht Zeit, um sich entwickeln zu können. Gleichzeitig hat aber niemand Zeit, um jemanden oder etwas Zeit zu geben. Die meisten von uns spielen permanent Feuerwehr, löschen brennende Dächer oder jagen kurzfristige Zielen nach, sodass die Zukunft nicht mal gedanklich in die Nähe kommen kann.

Der Verzicht zu steuern, wenn der Druck am größten ist, ist das ultimative Innovationsparadoxon.
Dem Mythos nach schenken manche Firmen ihren Mitarbeitern Zeit als Belohnung, weil sie der Überzeugung sind, dass sie so ihre Mitarbeiter am meisten motivieren und sie zu echten Botschaftern ihres Unternehmens machen.

Den Mitarbeitern freie Zeit für neue Technologien oder dem Erfinden von neuen Produkten zu geben, ist eines, aber viele Unternehmen übertreiben es und versuchen Innovationsprozesse mit Gewalt einzuführen. Eine bessere Option ist, gerade genug Struktur wie nötig zu geben und sie mit geführten, kreativen Prozessen durch Unsicherheiten und Zweifel zu führen, ohne sie gleich mit Regeln, Vorschriften und Wenn-Danns zu ersticken.

3. Messen Sie nur das, was auch wirklich sinnvoll ist

Management-Guru Peter Drucker soll einmal gesagt haben: „Was du nicht messen kannst, kannst du nicht lenken.“ Anders ausgedrückt: Sie bekommen immer das, was Sie auch messen, weil Sie dann darauf den Fokus legen. Für viele Unternehmen ist das Problem nicht die fehlenden Ideen. Sondern die Herausforderung besteht darin, diese in Reales umzuwandeln. Aber welche Messwerte sollen Sie nun verwenden, um sich zu vergewissern, dass Sie Ihr Ziel auch erreicht haben?

Zunächst müssen Sie herausfinden, was Sie eigentlich messen wollen. Die meisten Unternehmen untersuchen, wie oft Kunden ihre Seite anklicken oder ein Produkt kaufen. Nur, was sagt das aus? Viel wichtiger und aussagekräftiger sind kundenorientierte Zahlen. Ein Beispiel: OpeTable, ein Service, um in Restaurants einen Tisch zu bestellen, untersucht genau zwei Kennzahlen: 1. Steigt die Anzahl der Restaurants im Netzwerk? und 2. Steigt die Anzahl der Kunden, die über ihren Service Tische reservieren?

Auch andere Indikatoren können interne Innovationen in den Fokus stellen: Der Anteil des Umsatzes von Produkten oder Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum; der Anteil an Zeit, die in die Prototyping Phase gesteckt wird im Verhältnis zu den gewinnbringenden neuen Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen. Etc. pp.

4. Belohnen Sie „wertlos“

Viele wissen, dass es absolut notwendig ist, Erfolg anzuerkennen. Leider stoppen die meisten Unternehmen genau an dieser Stelle. Ein jährlicher Preis für die beste Unternehmensinnovation ist einfach nicht genug, um eine Innovationskultur zu fördern - geschweige denn, um sie am Leben zu erhalten. Natürlich helfen Belohnungen solcher Art, aber immer nur kurzfristig. Letzten Endes werden Sie Menschen damit nicht begeistern können.

Die leistungsfähigste und wirklich funktionierende Art der Anerkennung ist von anderer Natur. Es gibt Unternehmen, die die Feedbacks zufriedener Kunden in den Fluren sichtbar für alle Mitarbeiter aufhängen oder an alle Mitarbeiter weiterleiten. Solche informelle Bestätigungen ermutigen sowohl den kollektiven Geist aber helfen auch, den freien Fluss von Ideen zu fördern.

5. Erzählen Sie in Bildern

Symbole stellen die zugrunde liegenden Werte eines Unternehmens in vielen Formen dar: Aussagen über die eignen Werte, Auszeichnungen, Erfolgsgeschichten, Bilder in den Fluren oder auch Slogans. Solch bewusst eingesetzten Symbole bestimmen die interne Innovationskultur. Das können extra eingerichtete Meetingräume sein, die mal nicht nach Ländern benannt werden, sondern als Motto die z.B. die Produkte, die den meisten Erfolg gebracht haben, hernehmen und dementsprechend einrichten.

Es müssen aber nicht immer nur physische Symbole sein. Versuchen Sie es einmal mit Geschichten. Geschichten geschickt erzählt beeinflussen nicht nur unbewusst das Verhalten, sondern können auch explizit Innovationen entfalten. Mit dem Glauben, zum Beispiel, dass „Qualität ganz oben - Preis ganz unten“ bei Lebensmittel stehen soll, bauten die beiden Aldi-Brüder aus einem Tante-Emma Laden ein ganzes Imperium auf. Wenn das nicht Mut auf mehr macht und zeigt, dass es sich lohnt, ausgetrampelte Pfade zu verlassen :)

Kein Patentrezept

Jeden Unternehmenskultur ist von Natur aus anders. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen eine Innovationskultur etablieren wollen, ist es wichtig, dass Sie sich bewusst sind, dass Sie damit immer ein einzigartiges System schaffen. Gehen Sie also möglichst bewusst und mit dem nötigen Respekt vor.

Was auch immer Sie letzten Endes tun: Richten Sie es an den Unternehmenswerten und -zielen aus. In jedem Fall aber achten Sie darauf, dass Sie es einfach und lohnend für die Menschen machen, deren Rollen und Dynamiken schließlich die Innovationskultur beeinflussen.