Von Ingrid Gerstbach

Ich unterstütze Unternehmen u.a. darin, ihre internen Innovationsabteilungen aufzubauen und die dazugehörigen Mitarbeiter auszuwählen bzw. zu schulen. Dabei stoße ich nicht selten auf gutgemeinte Stellenbeschreibungen wie „Wir suchen kreative Köpfe für unser junges, dynamisches Team“. Ein gutgemeinter Ansatz, aber wer glaubt, dass ein einzelner ideenreicher, kreativer Querdenker ein Unternehmen alleine durch seine Anwesenheit zu Innovationen oder mehr Kreativität verhilft, der irrt.

Die Kunden von heute machen es Unternehmen wirklich nicht einfach. Die Fähigkeit, Innovationen zu erzeugen, und kreativ zu denken sind zu "must haves" von Untenehmen geworden. Um diese Eigenschaften zu erfüllen, fördern moderne Unternehmen gezielt die Kreativität ihrer Mitarbeiter. Aus der Not heraus wird dazu oft ein aktueller Ratgeber aus dem Buchregal geholt und die Mitarbeiter zusammengetrommelt. In sogenannten "Kreativ-Meetings" arbeiten sie dann mit den darin beschriebenen Techniken und Methoden. Wenn am Ende trotz viel Engagements kein Ergebnis dabei herausschaut, wird wie auf Knopfdruck und leicht verzweifelt verlangt: Seid doch kreativ - bitte! Jetzt!

Sie meinen, dass klingt absurd? So ist es: Denn Kreativität lässt sich nicht auf Knopfdruck erzwingen. Ein Unternehmen kann Kreativität durchaus fördern, in dem es den Rahmen dazu zur Verfügung stellt. Aber Kreativität ist nichts, was sich einfach so erarbeiten lässt. Viel wichtiger ist es, zu wissen, wie und unter welchen Bedingungen Kreativität in Unternehmen entstehen kann.

Welche Faktoren sind förderlich für Kreativität?

Kreativität in einem Team bzw. in einem bestehenden System ist - vereinfacht gesagt - für mich die Fähigkeit, vorhandene Muster zu durchbrechen. Oder anders: Altes in neuer Weise zu denken. Unternehmen, die ihre Meetings immer auf dieselbe Weise durchführen, werden in auch immer zu denselben Ergebnissen kommen.

Normalerweise sieht das so aus: Ein Moderator, der zu dem Meeting eingeladen, schickt im Idealfall vorab eine Agenda aus. Die wird besprochen, indem dieselben Leute, die es eben so betrifft, eingeladen werden und die, hinter ihrem Notebook sitzend und Mails beantwortend, immer wieder dieselben Lösungen vorschlagen. Meistens solche, die bereits zigfach in zwei oder drei Varianten besprochen und abgelehnt wurden.
Unternehmen aber, die Prozessmuster wechseln können, arbeiten mit internen Spannungsverhältnissen. Warum? Weil instabile Phasen für Chaos sorgen und damit einen neuen Übergang zu neuen Mustern fördern.

Unternehmen, die intern kreative Systeme schaffen wollen, müssen selten nach Kreativen fernab der eigenen vier Mauern suchen. Ordnungsmuster entstehen nicht aus Harmonie heraus, sondern aus Widerspruch. Und dieser Widerspruch sorgt wiederum für neues Denken. Wenn Sie Kreativität fördern wollen, achten Sie vor allem auf die Unterschiedlichkeit im System. Bauen Sie Netzwerke mit verschiedenen Personen, Querdenker und durchaus mal mit Störenfrieden auf, die stabil gewordene Zustände zerstören. Achten Sie auf unterschiedliche Charaktere, bringen Sie jung mit alt, Kopfmenschen mit Bauchdenkern, Introvertierte mit Extrovertierten zusammen, verändern Sie die Teams, sorgen Sie für andere Atmosphäre.

Sie müssen nicht neue Mitarbeiter suchen, um Kreativität zu fördern! Kreativität entsteht nämlich ganz automatisch dort, wo Sie Menschen unterschiedlicher Natur und Erfahrungen zusammenbringen. Genau darauf setzt Design Thinking.