Von Ingrid Gerstbach

Kennen Sie die Kreativtechnik SCAMPER? Wenn nein - schade, denn dann haben Sie etwas verpasst. Denn die besten Ideen werden fernab vom Schreibtisch geboren. Vielmehr arbeitet unser menschlicher Verstand am liebsten dann kreativ, wenn er entspannt ist. Druck oder Monotonie wirken wie Gift auf unsere Inspiration.

Sei kreativ. Jetzt!

Geistiges Martyrium führt leider in den seltensten Fällen zum Erfolg. Die zündende Idee, die so sehnsüchtig erwartet wird, lässt sich nicht bitten und nicht zwingen. Sie kommt dann, wenn wir uns mit anderen Personen in einer angenehmen Atmosphäre austauschen. Kreativität findet nämlich selten im eigenen Kopf statt, sondern entsteht erst durch den gedanklich Austausch mit anderen.

Was aber ist, wenn just in diesem Moment kein Kollege/Freund/Nachbar greifbar ist? Dann helfen zur Not sieben simple Fragen, um ein Problem auf kreative Art und Weise zu lösen.

Bob Eberles SCAMPER-Methode

Die SCAMPER-Technik arbeitet mit einer Checkliste zusammengestellt aus sieben Fragen, die Assoziationen auslösen und damit für neue Perspektiven sorgen.

Der Begriff selbst ist ein Akronym, das sich aus den englischen Begriffen zusammensetzt:

  • Substitute (Ersetzen) - Welche Komponenten, Teile, Materialien, Zubehör oder auch Personen lassen sich ersetzen?
  • Combine (Kombinieren) - Welche Dienstleistungen, Funktionen, Ideen überschneiden sich oder lassen sich kombinieren?
  • Adapt (Anpassen) - Welche zusätzlichen Elemente können sinnvoll ergänzt werden?
  • Modify (Abändern) - Lassen sich Farben, Größe, Materialien, Menüpunkte verändern/vergrößern/verkleinern? Welche Attribute (Farbe, Haptik, Akustik, …) können abgeändert werden?
  • Put to other purposes (Finde weiteren Nutzen) - Wie kann Vorhandenes noch genutzt werden?
  • Eliminate (Löschen) - Welche Elemente/Komponenten lassen sich vereinfachen oder gleich ganz eliminieren?
  • Reverse (Umkehren) - Lässt sich bei den vorhandenen Elementen die Reihenfolge ändern? Gibt es eine entgegengesetzte Nutzungsmöglichkeit?

    Die Ergebnisse aus den Fragen sind vielleicht nicht alle tatsächlich praktikabel, dienen aber durchaus als Anfangspunkt für weitere Ideen.

Ein Beispiel gefällig?

Die Scamper-Methode können Sie auf alle möglichen Problemstellungen anwenden: Auf private genauso wie auf ökonomische Fragen.
Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, dass Sie Ihre Webseite kundenfreundlicher gestalten wollen. Dank SCAMPER könnten sich dazu Ideen ergeben wie:

  • Was lässt sich ersetzen?
    Statt einer unübersichtlichen Navigation könnten Sie eine übersichtliche Startseite mit den wichtigsten Punkten gestalten.
  • Welche Funktionen sind sinnvoll kombinierbar?
    Sie könnten auf bereits vorhandene Blogbeiträge verlinken, um so Case Studies zu Ihrem Produkt anzuzeigen.
    Symbolfotos machen gleich das Angebot visualisierter.
  • Welche Elemente können ergänzt werden?
    Wie wäre es mit einem Startvideo, in dem Sie sich und Ihr Angebot mit Ton und Bild präsentieren?
    Oder ein Blog mit Gastbeiträgen.
  • Was lässt sich ändern?
    Bringen Sie mehr Struktur in Ihre Texte. Gestalten Sie Ihre Beiträge einheitlich und mit weniger Farbe, um die Besucheraugen nicht überzustrapazieren.
  • Wie kann Vorhandenes noch genutzt werden?
    Verweisen Sie in Gastkommentaren von Ihnen auf Ihre Texte. Nutzen Sie Textbausteine, die sich in der Vergangenheit als zielführend erwiesen haben.
  • Was kann ganz entfernt werden?
    Auf welchem Stand ist Ihr Angebot? Existiert das vorhandene Team noch?
  • Wo lässt sich die Reihenfolge ändern?
    Nach welcher Reihenfolge werden die einzelnen Menüpunkte besucht?
    Was interessiert die Leser am meisten, was müssen Sie unbedingt mitnehmen? Ist es besser einen Texter an die Seite zu lassen oder doch lieber selber texten?

Sie sehen, die Möglichkeiten sind schier unendlich. Auf jeden Fall ist SCAMPER aber eine Methode, die in unseren Design Thinking Workshops immer wieder für neuen Input sorgt.