Von Ingrid Gerstbach

Letzte Woche wurde das Team von Gerstbach Business Analyse von einem großen Lebensmittelhersteller dazu eingeladen, eine Fragestellung rund um gesunde Ernährung für Kinder mittels der Design Thinking Methode zu bearbeiten. Ein spannendes und wirklich wichtiges Thema, wenn wir uns die alarmierenden Zahlen von wachsendem Übergewicht ansehen.

Die besten Ideen und Strategien daraus, möchte ich Ihnen in diesem Beitrag vorstellen.

Angesichts der Fülle, des Angebots und unserer eigenen Bequemlichkeit ist es kein Wunder, dass es Menschen Probleme haben, die notwendigen Nährstoffe zu bekommen geschweige denn ihren Appetit zu kontrollieren. Wieso sollten Kinder dann von sich aus den Teller mit dem Karfiol der Tüte Chips vorziehen? Die Erwachsenen dienen nicht als das beste Vorbild…

Sogenannte Food Designer arbeiten noch dazu mit allerlei Tricks, um Lebensmittel für die Konsumenten unwiderstehlich zu machen - sei es durch Optik, Aroma, Geschmack oder Mundgefühl. Die Verbraucher werden dazu verleitet, immer mehr zu wollen.

Es gibt aber keinen Grund, ähnliche Design-Strategien und Kniffe nicht auch dazu zu verwenden, Obst und Gemüse unwiderstehlich zu machen. Vier Strategien dazu:

1. Schaffen Sie Erlebnisse

Bei Food-Design geht es um viel mehr als nur um Lebensmittel: Es geht darum, eine wunderbare Erfahrung rund um das Thema Essen zu kreieren. Letztlich sind es nämlich vor allem Erfahrungen, die unsere Verhaltensweisen beeinflussen.

So haben die meisten Verbraucher ihre eigenen Rituale, wenn es um die Zubereitung ihrer Mahlzeiten geht. Eis wird z.B. nicht einfach so gegessen, sondern zunächst wird die Packung aus dem Tiefkühler geholt, das Eis in einer schönen Schüssel platziert und danach viel Schokosauce und vielleicht auch ein paar Smarties darüber gestreut. Oder Sie bereiten Ihr Sandwich auf eine spezielle Art und Weise: Zuerst ist eine Schicht Butter dran, darauf folgt genau 1 Salatblatt, danach folgt die Wurst, dann noch eine aufgeschnitte Tomaten hinein - voila! Die Reihenfolge oder die Produktkombination ist langwierig getestet und erprobt und darf nicht geändert werden. Genau solche Rituale sind es, die wunderbare Erfahrungen und Erinnerungen schaffen, die wiederum das Produkt selbst aufwerten und verbessern. Teil der Anziehungskraft und des Vergnügens des Essens ist der konzipierte Eingriff in den Prozess.

Wenden Sie genau solche Strategien auch auf Obst und Gemüse an! Anstatt ein Mehr an Zucker, Salz oder Fett hinzuzufügen, lohnt es sich, ein Ritual der Zubereitung zu entwickeln. Schaffen Sie neue angenehmene Assoziationen, die bereits beim Gedanken daran kleine Freudensprünge im Unterbewusstsein des Verbrauchers auslösen.

Ein kreatives Beispiel ist zu Stick geschnittene Karotten in einer Art Pommes-Schachtel zu präsentieren. Wenn Sie Wachspapier dazu verwenden, schaffen Sie dieses subtile Knittern, wenn ein Karottenstreifen aus der Verpackung genommen wird. Dazu noch eine Joghurtsauce, in die nach Lust und Laune der Stick getunkt werden kann - fertig ist die perfekte Interaktion des Genießers mit dem Lebensmittel.
Es geht darum, positive Assoziationen zu schaffen, die während des gesamten Essens wiederholt werden.

2. Zeigen, nicht quatschen

Visuelles Erzählen ist eines der mächtigsten Mittel, die wir einsetzen können. So schaffen wir erst eine gemeinsame Sprache. Und gerade Obst und Gemüse umfassen von Natur aus bereits ein herrliches Spektrum an Farben und Texturen, die es Designern einfach macht, vielfältige und optisch ansprechende Produkte zu entwickeln. Dabei müssen die Lebensmittel selbst überhaupt nicht verändert werden, sondern das gesunde Lebensmittel wird zu etwas Besonderem gemacht - es wird gefeiert und zelebriert.

Wie wäre es mit einem Bouquet an wunderbar aufgeschnittenen Früchten in sämtlichen Formen und Farben? Spezielle Schnitttechniken machen es zum Kinderspiel, aus dem Radieschen eine witzige Maus zu machen oder aus der Banane eine kleines Monster. Aus der Weintraube wird ein Pinguin etc. Farbenprächtiges Obst und Gemüse kann so einfach so genial präsentiert werden - ohne, dass Sie die Schönheit oder die Identität des Lebensmittels selbst umwandeln müssten. In Japan bereiten Eltern ihren Kindern Gemüse, Obst, Reis, Fisch und anderes in Bento-Boxen vor und nutzen so die Textur und Farbe. Das Essen wird dabei nicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt, sondern in einem passenden Rahmen perfekt zur Geltung gebracht und zelebriert.

3. Arbeiten Sie an dem Außenauftritt

Zusätzlich kann die Gestaltung der Verpackung die visuelle Präsentation der Speisen und die Erfahrung des Verbrauchers erhöhen. Denken Sie z.B. an eine Pralinenschachtel: Würden Sie die Schokolade einfach nur so auf den Tisch klatschen, wäre nichts anderes als braune Flecken zu sehen. Die verschiedenen Farben und Formen können Sie nur mehr erahnen. Sind die einzelnen Stücke allerdings in einzelne, strukturierte Fächer in glänzender Folie in einer schönen Box platziert, sieht die Sache wieder ganz anders aus. Die Erfahrung, die Box zu öffnen und das sorgfältige Auswickeln der Pralinen, schafft bereits eine so große Vorfreude, dass der eigentliche Verzehr nur mehr zur Nebensache wird.
Versuchen Sie das ganze doch mal mit einem Auswahl an verschiedenen Beeren und legen Sie diese in eine Pralinenschachtel. Dieses einfache Design reicht schon, um genussvoll und langsam jedes Stück einzeln auszukosten und zu genießen. Es ist vielleicht nicht der praktischste oder schnellste Weg, Obst zu essen, aber es hilft dabei, gesundes Naschen in einem neuen Licht zu betrachten.

4. Vermeiden Sie Monotonie

Wenn unser Essen eine Reihe an kontrastreichen, aber dennoch sich ergänzende Bestandteile enthält, essen wir mehr davon: Ketchup gehört zu Pommes, die Pommes wiederum zum Schnitzel. Die Kombination verschiedener gesunde Lebensmittel steht dabei Junk Food um nichts nach: So passt Brokkoli gut mit Käse zusammen oder Karotten zu einer leckeren Joghurtsauce. Wenn Sie es mit einem totalen Obst- und Gemüseverweigerer zu tun haben, hilft sicherlich eine kleine Menge Schokolade über das Obst geträufelt, um die Lust auf die Frucht zu erhöhen, die sonst noch nie berührt wurde.


Nutzen Sie doch mal eine dieser Strategien und Ideen, wenn Sie Ihre Ernährung umstellen wollen, Ihnen vielleicht aber noch der richtige Ansatz fehlt. Oder machen Sie Gemüse und Obst zu einer neuen, freudigen Erfahrung für andere. Mahlzeit :)