Von Ingrid Gerstbach

Eine häufige Herausforderung, der ich selbst immer wieder begegne, besteht darin, dass Menschen in Führungspositionen zwar die Notwendigkeit von Innovation erkennen, sie aber trotzdem Angst davor haben, etwas zu ändern. Vielleicht, weil sie glauben, dass es ihre Macht und ihren Einfluss schmälern könnte. Egal, wie gut Sie dann argumentieren oder wie überzeugend Sie sein mögen - es wird fast unmöglich, solche Personen von neuen Dingen zu überzeugen.

Ein jeder von uns ist von Natur aus so veranlagt, dass wir gerne an Traditionen und altem Bekanntem festhalten. Je früher wir etwas gelernt haben, desto mehr sind diese Dinge in Fleisch und Blut übergegangen und desto schwieriger wird es, das Gelernte ab und an zu hinterfragen.
Trotzdem besuchen viele gerne Workshops oder lassen sich von Büchern inspirieren. Das Neue, das sie dort gelernt haben, ist dann aber nur schwer in die Realität überführbar.

In sieben Schritten zum Erfolg

Trotzdem gibt es ein paar Tricks, die Ihnen dabei helfen können, andere zu überzeugen, dass es an der Zeit ist, Neues auszuprobieren. Die kurze Anleitung dazu, finden Sie hier:

Schritt 1: Achten Sie auf Ihren Ruf: Der beste Hebel, an dem Sie ansetzen können, ist der Ihrer Reputation. Je mehr Ihrer Leistung ein ausgezeichneter Ruf vorauseilt, desto einfacher wird die Sache. Überlegen Sie doch mal für sich: Wen trauen Sie mehr? Jemanden, der einen hervorragenen Ruf genießt, oder doch eher Personen, die womöglich als „faul“ oder „eigensinnig“ verschrien sind?
Bevor Sie also mit Ihrer großen Revolutionen starten, hören Sie sich um, welchen Ruf Sie genießen. Seien Sie geduldig und passen Sie die Größe Ihres Vorschlags Ihrer eigenen Reputation an.

Schritt 2: Welche Probleme beschäftigen momentan andere? Gerade im Design Thinking geht es darum, die Welt aus den Augen Ihres Gegenübers, der Zielgruppe, zu betrachten. Achten Sie also darauf, welche Ziele Ihre Kollegen oder Ihr Chef zur Zeit verfolgen. Was müssen diese Personen tun, damit sie als erfolgreich gelten? Welche Leistungen müssen sie vollbringen? Wenn Sie dazu Antworten finden, wissen Sie, was diese Personen am ehesten unterstützen werden, weil es ihnen letztlich selber nützt.

Schritt 3: Holen Sie sich Unterstützung von beliebten Kollegen: Ist Ihre Idee nun auch für andere von Vorteil und interessant, wird es nicht schwer sein, den einen oder anderen Kollegen davon zu überzeugen Ihre Idee auszuprobieren. Vorausgesetzt, die zu überzeugenden Personen respektieren die Meinungen Ihrer neuen Mitstreiter und deren Argumente unterstützen das Erreichen Ihres Zieles. In einigen Fällen kann es sogar noch besser sein, wenn jemand anderer als Sie selbst Ihre Idee Kollegen oder dem Chef übermittelt.

Schritt 4: Suchen Sie Studien oder andere Unternehmen, die zum Vorzeigen taugen: Es gibt sicherlich bereits einige Unternehmen, die viel Erfolg mit dem haben, was Sie ausprobieren wollen. Zum Beispiel Design Thinking. Wenn Bücher und Worte nicht reichen, verweisen Sie auf solche Unternehmen und Best practices Stories. Das hat gleich zwei Vorteile: Je mehr Unternehmen Sie sich selbst ansehen, die bereits mit der Methode oder dem Stil arbeiten, desto feingeschliffener und präziser wird Ihre eigene Vorstellung davon werden. Wenn dann ein Kollege noch Fragen dazu hat, gelten Sie sofort als Experte in diesem Fachgebiet. Auch können Sie mit dem Wissen brillieren, was bereits in der Praxis bei anderen funktioniert hat und welche Methoden oder Techniken Sie vielleicht besser lassen sollten.

Schritt 5: Starten Sie einen Testballon: Minimieren Sie das Gefühl eines Risikos, indem Sie in kleinen Schritten und auf Versuchsbasis das neu Erlernte einführen. Sie können einfach mal eine Design Thinking Jam Session starten oder Ihre Meetings ein wenig anders als sonst gestalten. Beginnen Sie klein, überfordern Sie niemanden. Sie können auch eine Liste an möglichen Ideen vorbereiten, die Sie ausprobieren wollen. Wie wäre es, wenn Sie statt dem ewigen Gequatsche mal ein Planning Poker ausprobieren oder das Meeting im Stehen statt im Sitzen abhalten? Oder wenn Sie ein Whiteboard in die Mitte der Büroräume anbringen und schauen, wie die Menschen darauf miteinander kommunizieren?
Nachdem diese Testphase beendet ist, machen Sie eine Auswertung, die für alle transparent ist. Dadurch bauen Sie Vertrauen für das nächste Mal, wenn Sie etwas ausprobieren möchten, auf. Wählen Sie ein sicheres und kleines Projekt, das die wenigsten Risiken birgt, oder nur von mäßiger Bedeutung ist.

Schritt 6: Bereiten Sie das Spielfeld vor: Denken Sie daran, dass jeder Mensch von Fall zu Fall anders reagiert. Suchen Sie deswegen bewusst nach Situationen und Chancen, in denen Sie am besten Ihre Idee einbringen können. Achten Sie darauf, wann Ihr Chef auf Vorschläge besonders offen reagiert (E-Mail? In Diskussionen? Beim Kaffee?). Besprechen Sie dann zusammen das Problem aus Sicht Ihres Chefs und bieten Sie eine passende Lösung an. Vereinbaren Sie eine Art Testversion und verweisen Sie auf andere Unternehmen, die bereits Erfahrung mit Ihrer Methode haben.

Schritt 7: Arbeiten Sie hart an einer wirklich guten und funktionierenden Testversion: Vergessen Sie nicht, Ihr Ruf steht auf dem Spiel! Wenn die Testversion gut läuft und alle begeistert sind, werden Sie automatisch im Stellenwert der anderen wachsen und Ihre nächste Idee wird viel wahrscheinlicher und einfacher umgesetzt werden. Wenn Sie scheitern, wird es schwieriger werden, das Vertrauen beim nächsten Mal erneut aufzubauen. Machen Sie alles, was in Ihrer Macht steht, um sicherzustellen, dass alles funktioniert.
Bereiten Sie sich aber auch darauf vor, dass etwas schief gehen kann. Legen Sie sich Argumente parat und halten Sie Studien in petto, die zeigen, dass Scheitern in Ordnung und sogar nützlich ist, wenn alle etwas daraus lernen konnten.

Und dann?

Sind alle sieben Schritte durchlaufen, sollte es am Ende nicht mehr allzu schwer sein, einen intelligenten, klugen, progressiven Chef oder Ihr Team davon zu überzeugen, neue Dinge wie Design Thinking auszuprobieren.

Wenn Sie merken, dass trotz allem niemand mitmachen will, wäre der nächste Schritt zu überlegen, ob Sie nicht einen neuen Arbeitsplatz für Ihre Ideen und Ihre Vorstellungen suchen sollten...