Von Ingrid Gerstbach

Haben Sie schon jemals einer Jam Session beigewohnt? Ich habe den Durchlauf eines gesamten Design-Thinking-Prozesses nicht ohne Absicht „Design Thinking Jam Sessions“ genannt: Jazz und die Moderation von Innovationsworkshops haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten: Nicht nur, dass Sie mit beiden neue Ideen fördern und das Lernen beschleunigen. Indem während einer Jam Session aktiv experimentiert, der eigenen Ahnung Folge geleistet und auf den Ideen anderer aufgebaut wird, entstehen die genialsten Ideen und coolsten Sounds. Jam Sessions sind offen für jung und alt, erfahren und unerfahren, für jedes Musikinstrument, für jeden, der gerne Musik hört oder macht. Einzigartige, kollaborative Umgebungen plus die Band, die eine Sammlung von verschiedenen Spezialisten mit unterschiedlichen Instrumenten, Hintergründen, Stilrichtungen und Schwierigkeitsstufen kombiniert, bauen im Grunde auf dieselben Säulen wie es erfolgreiche Unternehmen tun.

Der große Saxophonist Charlie Parker wurde liebevoll „Bird“ genannt, weil er es verstand, mit der Leichtigkeit eines Vogels die Akkorde zu überfliegen. Seine Experimente verändert die gesamte Geschichte des Jazz. In Jam Sessions experimentierte Bird in unerwartete Richtungen und experimentieren mit seinen Solis.

Dank Jam Sessions die Welt neu entdecken

Genau diese Einstellung aus dem Jazz ist es, die kreative Höchstleistungen möglich machen. Das einzelne Genie ist ein Mythos - was Unternehmen aber wirklich brauchen sind Menschen, die kollaborativ miteinander schwingen.
Edison hatte beispielsweise eine solche "Jazz Einstellung": Die Erfindungen, die ihm als einzigartiges Genie zugeschrieben wurden, waren das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen einer Gruppe verschiedener Spezialisten in New Jersey. Sie arbeiteten zusammen auf engstem Raum, stellten laufend Experimente an und lernten daraus. Edison war im Grunde Initiator einer Reihe an Jam Sessions.

Steve Jobs war ebenfalls ein hervorragender Jam Session Spieler. Er verstand es wie kein anderer Interaktionen zu nutzen, um Gedanken auf die Sprünge zu helfen: Pixar, zum Beispiel, das berühmte Animationsfilm-Studio, das u.a. verantwortlich für Toy Story ist, suchte eines Tages ein neues Zuhause. John Lasseter, der damalige Direktor von Pixar Studios, träumte von einem Bürogebäude, ähnlich den großen Hollywood-Studios. In seiner Vision sollte es verschiedene Abteilungen mit unterschiedlichen Funktionen in getrennten Bereichen geben. Aber Jobs spürte, dass diese traditionelle Denkweise zu Isolierung und damit den Untergang von Pixar einläuten würde. Er sah förmlich vor sich die Ingenieure, die fasziniert von ihren Gedanken sich in ihren Büros verschanzten und dort alleine an ihren eigenen Prototypen bastelten. Das Ergebnis können wir uns vorstellen: Perfekte Ausarbeitungen von Ideen, die von Ingenieuren für Ingenieure gedacht sind. Aber sonst niemanden erreichen können. Damit diese Vision nicht wahr werden würde, bestand Jobs darauf, Pixar in einen einzigen, großen, offenen Raum zu übersiedeln. Dadurch standen zufällige Fur-Begegnungen und damit Gespräche über Abteilungen und Einschränkungen hinweg an der Tagesordnung. So wie beim Jazz: Jobs wusste, dass Kreativität den spontanen Austausch zwischen verschiedenen Experten braucht, um zu leben.

Fazit: Swing when you are winning

Sowohl im Jazz als auch in Unternehmen sind Improvisation und Kreativität soziale Leistungen. Dabei werden Verbindungen zwischen Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart hergestellt. Gekrönt wird das wiederum mit der Süße der Intuition und der Kraft der Neugier, Neues auszuprobieren. Und das alle ohne Sicherheitsnetz oder dem Wissen, wohin die Reise gehen wird.

Aber Achtung: „Mitschwingenpassiert nicht einfach. Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen Sie der Kreativität und Innovation auch Platz zum Leben und Entfalten geben. Versuchen Sie nicht, irgendetwas zu erzwingen, sondern schaffen Sie den Raum, damit Veränderung passieren kann.

Music is your own experience, your own thoughts, your wisdom. If you don’t live it, it won’t come out of your horn. They teach you there’s a boundary line to music. But, man, there’s no boundary line to art.
— Charlie Parker