Von Ingrid Gerstbach

Ich liebe meine Arbeit. Im Grunde berate ich Menschen, wie sie ihre Kreativität neu entdecken - und das macht mir wirklich Spaß. In meinen ganzen Projekten und Innovations-Workshops, die ich seit Jahren für große und kleine Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen durchführe, habe ich fünf Gründe herausdestilliert, warum Design Thinking wichtig für ausnahmslos jedes Unternehmen ist.

Grund Nr. 1: Die Arbeit mit Händen trainiert Ihr Gehirn.

Als Kind entwickelten die meisten von uns dauernd irgendwelche Sachen. So malten wir bunte Bilder, bauten riesige Burgen und Schlösser und konstruierten fantastische Raumschiffe. Irgendwann aber kam die Zeit, in der Geld eine wichtige Rolle zu spielen begann. Andere Dinge nahmen einen immer größeren Stellenwert ein und der Aufbau unserer beruflichen Karriere übernahm die Führung.
Design Thinking fordert das kreative Ich in uns heraus. Das mit Leichtigkeit die Dinge angeht, dass ein Macher und kein sorgenschwerer Denker ist. Wenn Sie wie ich fast täglich eine Reihe von sonst ernst dreinschauenden Erwachsenen zu sehen bekommen, die lachen, wenn sie ihre Ideen mit diversem Krimskrams als Prototyp umsetzen sollen, erinnern Sie sich wieder, wie wichtig dieser Teil des Lebens nach wie vor ist.
Bei jeder Arbeit - egal wie geisteswissenschaftlich sie auch sein mag - brauchen Sie Ihre Hände - damit sie dem Hirn zeigen, was eigentlich zu tun ist.

Grund Nr. 2: Nur Risiko führt zu transformierender Innovation.

Risiko ist essentiell für Wachstum. Vor kurzem hatte ich ein interessantes Gespräch: Eine Mitarbeiterin erzählte mir, wie sehr sie eigentlich dieses furchtbare komisch kribbelnde Gefühl in ihrer Bauchgegend mag, das immer dann auftaucht, wenn sie nicht weiß, was sie eigentlich machen soll und wie es weitergeht. Manches Mal begleitet mit einem Mini-Schweißausbruch kombiniert mit einem flauen Magengefühl. Wissen Sie, welches Gefühl ich meine? Kennen Sie es auch?
Ich bin davon überzeugt, dass genau solche Gefühle uns dazu anleiten, all unsere verfügbaren Ressourcen aufzufahren. Zu oft intellektualisieren wir unsere Vorstellungen von Risiko mit Hilfe einer Kosten- / Nutzen-Analyse, und ignorieren dieses Bauchgefühl, das uns bei Unsicherheit begegnet. Aber echte Innovation fordert echtes Risiko. Und Design Thinking drängt uns dazu, die Risiken zu übernehmen, die uns zu transformativer Innovation anstatt zu schlechten Kopien führen.

Grund Nr. 3: Rhythmus und Timing ist alles.

Hektik und Stress bei Problemlösungen sind verführerisch. Sie laden ein, rasch Fahrt aufzunehmen, um die Lösung zu erreichen. Wir sind dann mitten im Geschehen, voll konzentriert und stolz auf unsere Produktivität. Design Thinking fordert aber ein kurzes Time-out. Wir müssen zunächst sicherstellen, dass wir das richtige Problem lösen. Es verlangt, dass wir in der Mehrdeutigkeit verweilen. Wir verbringen dann bewusst viel Zeit mit Beobachtungen und Interviews, um die Menschen und deren unausgesprochene Bedürfnisse aufzudecken. Benutzerethnographische Forschung fühlt sich oft chaotisch an und der Gedanke, einfach zu fragen, was Kunden wollen - ohne die langwierige Prozedur des Verstehenwollens - ist verführerisch. Es könnte dann alles schneller und leichter sein. Aber die Orte, die Sie in dieser Einfühlphase besuchen werden, sind so großartig! Sie müssen nur bereit sein, sich in ein wenig Geduld zu üben und die wunderbarsten Erfahrungen sind Ihnen sicher.

Grund Nr. 4: Wirkliche Zusammenarbeit erfordert ein Know-how-Umdenken.

Haben Sie schon mal in einer Runde offen zugeben, dass Sie etwas versuchen werden, Sie aber keine Ahnung haben, ob es auch funktionieren wird? Dann kennen Sie bestimmt den Blick der Menschen, die Sie verwundert ansehen.
Als ich mit der Uni begann, dachte ich, dass ich mit dem Abschluss in der Hand auch gleichzeitig sicherstellen würde, dass ich Experte bin. Erst im Laufe der Zeit bin ich drauf gekommen, dass es immer viel zu viel geben würde, dass ich noch lernen muss und dass ich nie alles wissen kann. Irgendwie hat mich dieses Wissen aber auch erleichtert.
Die Last, alles wissen zu müssen, schafft unrealistische Erwartungen und baut einen Riesendruck in uns auf. Wenn Sie sich wirklich auf Design Thinking einlassen, werden Sie erkennen, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist. Bei dieser Art der Zusammenarbeit ist es vollkommen egal, wessen Idee es war. Denn Sie werden immer so oder so nur Dinge entdecken, die Sie allein nie erreicht hätten.

Grund Nr. 5: Empathie zählt immer.

Empathie ist der wichtigste Teil im Design Thinking. Wenn Sie sich selbst in jemand anderes Schuhe hineinversetzen - einen Kunden, einen Kollege, einen Freund - dann verändert diese Sicht alles. Dann passiert eine einzigartige Verschiebung Ihres Blickfelds. Sie wissen bereits, wie Sie sich selbst fühlen - das ist oft die treibende Kraft dafür, wie Sie Entscheidungen treffen. Aber wenn Sie irrsinnig neugierig sind zu erfahren, was jemand anderes wirklich denkt und wenn Sie bereit sind, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, dann ändert Sie das als Mensch in grundlegender Weise. Sie werden dann auch erkennen, dass wenn Sie sich in jemand anderes hineinversetzen, Sie sich auch wieder wohler in Ihren eigenen Schuhe fühlen werden. Und wenn ein ganzes Unternehmen mit Menschen gefüllt ist, die ständig in anderer Leute Schuhe gehen, gibt es nichts, das sie nicht erreichen werden können.