Von Ingrid Gerstbach

Stellen Sie sich vor, Sie müssten eine wichtige Aufgabe für einen wichtigen Kunden erledigen. Sowohl der Kunde selbst als auch Ihr Chef setzen volles Vertrauen in Sie und erwarten eine Top-Leistung. Wie reagieren Sie? Vermutlich empfinden Sie Stolz, dass gerade Sie ausgewählt wurden. Dem folgt bald ein mulmiges Gefühl, nämlich sobald Ihnen dämmert, was genau von Ihnen verlangt wird. Also stürzen Sie sich voller Enthusiasmus in die Arbeit. Stunde um Stunde, Tag für Tag ackern Sie, jeder Gedanke dreht sich nur noch um das eine Thema und an Freizeit ist auch nicht mehr zu denken.

Klar, so lässt sich die Aufgabe auch erledigen. Aber ob das wirklich der beste Weg ist, wage ich zu bezweifeln. Angst ist in manchen Fällen ein guter Ratgeber, aber in diesem Fall wohl eher nicht. Wenn Sie mit einigen einfachen Tipps und Tricks Ihre Kreativität und Produktivität steigern, liefern Sie am Ende ein besseres Ergebnis ab und haben darüber hinaus deutlich weniger Stress…

Diese neun Tipps und Tricks verleihen mehr Kreativität und Produktivität

1. Bauen Sie eine psychische Distanz auf

Bei der Lösung unserer Probleme steht uns häufig Eines im Weg: Die direkte und unmittelbare Nähe. Sicherlich kennen Sie folgende Situation: Ein Freund bittet Sie um Rat in einer für ihn oder sie wichtigen Sache. Sie hören sich alles genau an - und verstehen das Problem nicht, denn die Lösung ist doch mehr als offensichtlich und kommt als einzige logische Möglichkeit in Betracht. Trotzdem ist Ihr Freund nicht von selbst drauf gekommen. Genau das ist mit sogenannter psychologischer Distanz gemeint: Stehen wir einem Problem - oder auch einer Aufgabe - zu nah, weil es uns wichtig ist oder weil wir zu tief mit der Materie beispielsweise vertraut sind, fällt es schwer, klare Gedanken zu fassen und kreative Lösungen zu erarbeiten. Stellen Sie hingegen eine psychische Distanz her, denken und entscheiden Sie objektiver.

2. Tagträume: Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen

Vorgesetzte haben das Gefühl, ihre Mitarbeiter würden untätig herumsitzen und Löcher in die Luft starren. Dabei sind Tagträume unglaublich wichtige Phasen, gerade für Ihre Kreativität. Zwar sind Sie mit Ihren Gedanken ganz woanders, doch Ihr Gehirn arbeitet weiter an Problemen, Lösungsvorschlägen und Alternativen. Es ist kein Zufall, dass die besten Ideen meist dann kommen, wenn Sie es nicht erwarten. Tagträume geben Ihrem Gehirn die Möglichkeit, abzuschweifen und Verbindungen herzustellen, die Ihnen bewusst möglicherweise nicht einfallen. Anstatt sich schlecht zu fühlen, sollten Sie daher bewusst Ihre Gedanken schweifen lassen und so Ihre Kreativität steigern.

3. Hintergrundmusik macht produktiver

Musik und Geräusche können großen Einfluss auf Sie nehmen. Sie beeinflussen sowohl wie Sie sich fühlen, als auch wie motiviert und leistungsfähig Sie sind. Diese Faktoren werden bei der täglichen Arbeit jedoch nur sehr selten berücksichtigt. Oft läuft zwar irgendwo im Hintergrund ein Radio, doch durch die bewusste Auswahl der Musik kann sowohl die Kreativität als auch die Produktivität gesteigert werden. Wenn Sie beispielsweise eintönige Aufgaben zu erledigen haben, können schnelle Klänge und Bässe den Arbeitsrhythmus steigern. Ist größere Konzentration erforderlich, empfehlen sich hingegen Instrumentals und klassische Musik.

4. Unordnung: Ein wenig Chaos macht kreativ

Im Büro und zu Hause wünschen sich die meisten Menschen Ordnung. Ein vollkommen chaotischer Schreibtisch oder eine unaufgeräumte Wohnung machen einfach keinen guten Eindruck, wenn der Chef im Büro vorbeischaut oder sich kurzfristig ein Gast angemeldet hat. Doch der Ordnungswahn kann der Kreativität im Weg stehen. So zeigen Studien, dass Chaos durchaus kreativ machen kann. Entscheidend ist jedoch das Maß. Es bringt Sie nicht weiter, alles zuzufüllen und Ihren Arbeitsplatz zu hinterlassen, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wenn Sie aber kreativ sein wollen, können Sie einige Unterlagen etwas länger liegen lassen, als nötig.

5. Mehr Teamgeist

Von morgens bis abends alleine in einem Büro zu arbeiten? Schon der Gedanke macht depressiv. Dennoch ist dies nicht selten der Fall. Einige Menschen sind der Ansicht, alleine einfach am besten arbeiten zu können. Doch die soziale Isolation birgt auch viele Gefahren. Sie greift die Psyche an, vernichtet jede Kreativität und sorgt auch dafür, dass weniger effizient gearbeitet wird. Suchen Sie lieber den direkten Austausch mit Ihren Kollegen. Gutes Teamwork am Arbeitsplatz steigert die Leistungen aller Beteiligten, erhöht die Zufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld und macht durch die Interaktion auch kreativer.

6. Sinnvolle Deadlines

Kennen Sie den Spruch: Ich leide solange an Motivationsmangel, bis der Zeitmangel kommt? Schüler und Studenten bringen damit gerne zum Ausdruck, warum sie erst auf den letzten Drücker für Ihre Klausuren und Prüfungen lernen. Doch am Ende scheint es immer gut zu gehen. Entscheidend hierfür ist die Deadline, weshalb auch Sie genaue Fristen festsetzen sollten. Wenn Sie vor Augen haben, wann eine Aufgabe erledigt sein muss, kommen die Motivation und die passenden Ideen oft von ganz allein. Sie sollten jedoch darauf achten, eine realistische Deadline zu wählen, die Sie auch tatsächlich einhalten können. Ansonsten dreht sich der Effekt ins negative, Sie geraten in Panik und verfallen in eine Art Schockstarre, in der es Ihnen schwer fällt, überhaupt noch etwas zu leisten.

7. Gönnen Sie sich eine Belohnung für Erfolge

Jeder liebt es, gelobt und belohnt für gute Arbeit zu werden. Arbeitnehmer denken dabei gerne an Ihr Gehalt, doch eigentlich handelt es sich dabei nicht um eine Belohnung im engeren Sinne, sondern um eine Gegenleistung für ihre Arbeit. Echte Belohnungen, die Sie sich selbst machen können, sind beispielsweise der Besuch in Ihrem Lieblingsrestaurant, ein neues Outfit oder auch nur ein entspanntes Bad, für das in letzter Zeit zu wenig Zeit war. Führen Sie solch kleine Belohnungen regelmäßig durch, werden Sie auch bei zukünftigen Aufgaben eine größere Motivation verspüren, die Dinge schneller anpacken und produktiver arbeiten, um ein Projekt fertig zu stellen.

8. Gehen Sie öfter nach draußen

Produktivität wird gerne mit ununterbrochenem Arbeiten gleichgesetzt. Getreu dem Motto: Wer die ganze Zeit arbeitet, schafft auch viel. Doch genau das funktioniert oft nicht. Die Konzentration bricht nach einer gewissen Zeit ein, die Arbeit wird immer langsamer und die Wahrscheinlichkeit für Fehler steigt. Wer sich zwingt, immer weiter zu arbeiten, schafft am Ende tatsächlich weniger. Das Gehirn und der Körper brauchen Pausen, um wieder leistungsfähig zu sein. Diese sollten Sie am besten draußen verbringen - an der frischen Luft und in natürlichem Licht. Wer über längere Zeit nur künstlichem Licht ausgesetzt ist, fühlt sich gestresst und wenig motiviert. Gönnen Sie sich die Pausen, die Sie brauchen und verbringen Sie diese vor der Tür.

9. Setzen Sie Ihre Ziele richtig

Ziele sind unerlässlich, um etwas zu erreichen. Nur wenn Sie sich etwas vornehmen, können Sie auch die entsprechenden Schritte einleiten, die nötig sind, um an Ihr Ziel zu kommen. Werden Ziele jedoch falsch gesetzt, führen sie zu großer Unzufriedenheit. Besonders wichtig ist es deshalb, dass Sie sich konkrete Ziele setzen. Vage formulierte Wünsche bleiben meist unerfüllt, doch auf einen konkreten Punkt, den Sie erreichen wollen, können Sie hinarbeiten. In diesem Fall steigt die Motivation und gleichzeitig auch die Produktivität. Nehmen Sie sich deshalb nicht vor, eine Aufgabe abzuschließen. Bleiben Sie konkret: Welche Teilaufgaben müssen bis wann und in welcher Reihenfolge erledigt werden, um Ihr Ziel zu erreichen?