Von Ingrid Gerstbach

Eine positive Unternehmenskultur fördert die Kreativität, Motivation und Freude der Mitarbeiter und schafft Raum für Ideen. Kritik wird auf konstruktive Weise besprochen und Führungskräfte anerkennen und loben offen die Leistungen ihrer Mitarbeiter.
Viele Krankenständen und hohe Fluktuationen zeugen hingegen von einer vergifteten Unternehmenskultur. In aller Regel fühlen sich die Mitarbeiter dort nicht wohl und haben Angst, ihre Meinung zu äußern - das Engagement bleibt auf der Strecke. Die Folge sind ideenlose und ausgelaugte Manager und Mitarbeiter, die nur mit viel Mühe halbwegs gute Ergebnisse erzielen.

Die Unternehmenskultur werden Sie nicht auf der Firmenwebseite oder in teuren Hochglanzprospekten finden. Sie lässt sich nicht greifen, aber spüren. Sie spiegelt die Werte und Ziele wider und ist Basis für die Identifikation und Loyalität der Mitarbeiter. Die Unternehmenskultur ist die DNA eines jeden Unternehmens. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen etwas so tiefgreifendes wie das Denken verändern möchten, müssen Sie sich gezwungenermaßen zuerst mit den kulturellen Fragen auseinandersetzen.

Wirkliche Veränderung gelingt nur dort, wo ein Kulturwandel vorangegangen ist.

Das ist gar nicht so einfach, denn mit der Unternehmenskultur verhält es sich wie mit einem Eisberg: Der größte Teil liegt versteckt unter der Wasseroberfläche. Wie ein Unternehmen wirklich tickt, welche Spielregeln herrschen und wo die Stolpersteine liegen, zeigt sich im Informellen. Die geheimen Regeln eröffnen sich erst dem, der viel Einfühlungsvermögen, Sensibilität und Verständnis beweist. Bevor eine Änderung eingeschlagen werden kann, muss die bestehende Kultur anerkannt und wertgeschätzt werden.

Nach mehr als einem Jahrzehnten der Beratung, Einführung und Aufbau von Innovationskulturen habe ich für mich Merkmale identifiziert, die meiner Meinung nach wichtig für die dauerhafte Institutionalisierung der Unternehmenskultur sind. Es gibt sicher noch viele weitere Eigenschaften, die mindestens genauso wichtig sind, aber hier sind meine persönlichen Top 6:

Schaffen Sie eine erfolgreiche Unternehmenskultur

1. Definieren Sie eine gemeinsame Sprache, Werte und Normen: Menschen, die täglich miteinander arbeiten, müssen einander auch tatsächlich verstehen. Sie brauchen gemeinsame Ziele und Standards für ihren Erfolg. Wenn Sie zum Beispiel Mentoring als einen erklärten Wert haben, dann müssen Sie zunächst definieren, was Sie genau darunter verstehen, was dessen Aufgabe und Ziel sein soll und wie Sie die Erreichung dessen letztlich messen können. Bedeutet es, dass all Ihre Mitarbeiter in gewisser Weise gefördert werden? Oder dass Sie intern vor allem diejenigen in ihrer Entwicklung unterstützen, die andere wiederum positiv beeinflussen? Nur eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Werte und gemeinsame Standards schaffen eine gemeinsame Kultur.

2. Start with why: Alle erfolgreichen Unternehmen haben eine große Mission, ein "Warum". Warum Ihr Unternehmen existiert sollte kein leeres Marketinggeschwätz sein, das einfach auf der Homepage steht und mit jedem beliebigen Motto ausgetauscht werden kann. Vielmehr geht es um Werte, die von innen nach außen gelebt werden. Welche Mission treibt Ihr Unternehmen an? Die Antwort ist dann richtig, wenn sie sich authentisch, inspirierend und begeisternd anfühlt. Ob es darum geht, besseres Essen zu servieren, Design intuitiver zu machen - suchen Sie nach der Ursache, die hinter dem Unternehmensdasein steckt und leben Sie danach.

3. Identifizieren Sie die internen Unternehmenshelden: Jedes Unternehmen, mit dem ich bis dato zusammengearbeitet habe, hat einen oder mehrere Mitarbeiter, für den das Unternehmen Heimat ist und der sich vollkommen damit identifiziert. Diese Personen sind die besten kulturellen Cheerleader, die Sie sich wünschen können. Wenn sie Freunden und Familie von ihrem Job berichten, sprechen sie nicht über einen beliebigen Arbeitsplatz, sondern erzählen Geschichten, die aus vollem Herzen kommen. Wissen Sie, wer dieser Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen ist? Bedanken Sie sich regelmäßig bei ihnen? In unserem Zeitalter, in dem die Arbeit am und mit dem Kunden über Erfolg entscheidet, bekommt auch die Rolle des Unternehmensevangelisten mehr Bedeutung und führt zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

4. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Führungskräfte müssen die Werte und Normen des Unternehmens tagtäglich selber leben. Um die stärkste Darstellung der Unternehmenskultur zu sein, reicht es aber nicht, wenn Sie nur das geschriebene Leitbild auswendig kennen. Sie müssen die Mission und Vision vielmehr internalisieren und beispielhaft vorangehen.

5. Suchen Sie, sprechen Sie und handeln Sie aus dem Herzen heraus: Selbstbewusstsein, Loyalität und Integrität sind für Unternehmen wichtige Werte. Es geht darum, das Richtige zu tun - auch wenn scheinbar niemand zusieht - und sich selber gegenüber ehrlich die eigenen Stärken und Schwächen zuzugestehen. In einer authentischen und starken Kultur gilt dies nicht nur für das Führungsteam, sondern für jeden einzelnen Mitarbeiter.

6. Am Ende zählt der Mensch: Wann immer Sie Mitarbeiter rekrutieren, nehmen Sie sich genügend Zeit, um deren Charakter vor allem auf Kompatibilität zu testen. Die meisten Fähigkeiten lassen sich im Laufe der Zeit erlernen. Viel schwieriger ist es aber, Haltung und Charakter zu kultivieren. Die Kultur eines Unternehmens ist letztlich ein Nebenprodukt der einzelnen Menschen. Egal, ob Sie auf Kompetenz oder Charakter setzen: Vergessen Sie nicht, dass gleichgetaktete Menschen sich gegenseitig anziehen. Es lohnt sich also, die zentralen Stellen mit Menschen zu besetzen, die nicht nur gut, sondern die besten sind. Letztlich ist das, was Menschen wirklich treibt, nicht Geld oder Status. Es ist der Sinn in ihrem Tun, den sie suchen.

Fazit

Im Alltag sticht das "Was" des Unternehmens oftmals das "Warum". Dabei formt letzteres Seele und Charakter der Wirtschaft. Die Kultur eines Unternehmens zu ändern ist ein Prozess, der auf allen Ebenen stattfindet. Nicht eine einzelne Person oder Abteilung allein gestaltet sie. Führungskräfte müssen wissen, weshalb es wert ist, die neue Kultur mitzugestalten und mitzutragen. Nur so kann sich die Unternehmenskultur in den Köpfen aller Mitarbeiter verankern und letztlich in Taten münden.