Von Ingrid Gerstbach

Es gibt so viele unterschiedliche Wege, um Führungskräfte zu unterstützen, Probleme zu lösen, Veränderungen zu managen und zu innovieren und zu wachsen. Design Thinking ist einer davon, der vor allem das analytische mit dem kreativen Denken vereint.

Seit ein paar Wochen schon bin ich vertieft in die Recherchen für mein neues Buch. Während ich mich im ersten vor allem rund um die Einführung von Design Thinking beschäftigt habe (erscheint am 30.09.2016), fokussiere ich mich in meinem neuen Buch vor allem auf die Methoden und Tools, die nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch funktionieren.

Um nicht nur meine eigene Praxis zu beleuchten, sondern diese vielmehr zu hinterfragen, bin ich zur Zeit in vielen anderen Unternehmen unterwegs und hole mir Inspirationen und Einblicke, wie dort Innovation tatsächlich gelebt wird, welche Elemente in anderen Unternehmen funktionieren und welche nicht. Und wie die Hypothesen dazu lauten.

Nichts als leere Phrasen?

So unterschiedlich die Branche, die Größe, die Kultur, der Fokus -  je innovativer diese Unternehmen scheinbar agieren, desto mehr stellen sie die Bedeutung und Wichtigkeit der Menschen innerhalb und außerhalb des Unternehmens in den Vordergrund. Nichts ist ihnen so wichtig wie sie. Vor allem, wenn der Schwerpunkt bei der Innovation auf Design Thinking liegt.

Ich gebe zu, dass ich selber beim „Mensch im Mittelpunkt des Unternehmens“ zunächst skeptisch reagiere und hinterfrage, inwiefern diese Aussage in erster Linie ein marketingtechnischer Schachzug ist. Deswegen wollte ich genauer wissen, wie die einzelnen Teams intern aufgebaut sind und was erfolgreiche von weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheidet. Noch bin ich mitten in meinen Untersuchungen, aber es lassen sich schon einige eindeutige Tendenzen erkennen.

Was wird gemeinhin unter Design Thinking verstanden?

Starten wir zunächst einmal mit einer gemeinsamen Definition, was denn Design Thinking überhaupt ist und inwiefern sich dieser Ansatz von anderen innovativen Problemlösungsmethoden unterscheidet:

  • Design ist mehr als die ästhetisches Verkleidung einer bestimmten Idee: Es geht um das Verfahren zur Lösung schwieriger, chaotischer und komplexer Probleme.
     
  • Es gibt bestimmte Fähigkeiten von Design Thinkern, die teilweise auch entwickelt werden können:
    • Kreativität und Intuition
    • Klärung, Erstellung und Kommunikation der Ideen anhand von Modellen, Skizzen und Geschichten
    • Sich auf die Lösung konzentrieren bedeutet bei Designern, den Problemraum zu verstehen, Vorschläge zu generieren und in diesem Rahmen Lösungen auszuprobieren
    • Konzentration auf das, wie es sein sollte statt auf das, wie die Dinge gerade sind
    • Nichtlineares (Laterales) Denken
       
  • Design Thinking ist ein Problemlösungsverfahren auf Basis kognitiver Prozesse, das vor allem von Designern auch angewendet wird. Nach meinem 4x4 Design Thinking® Modell (siehe auch meine Podcastfolgen DT05 und DT06) sind die wichtigsten Merkmale von Designer Thinkern: Empathie, systemisches Denken, Optimismus, Experimentierfreudigkeit und Zusammenarbeit.

Die DNA eines Design Thinkers

In einem weiteren Schritt untersuchte ich die Gemeinsamkeiten der Menschen, die sich selbst als Design Thinker bezeichnen. Dabei kamen diese 7 Eigenschaften heraus:

  1. Sie erleben die Welt in Bezug auf Probleme und Produkte, u.a. Informationen, Artefakte, Aktivitäten, Dienstleistungen, Systeme und Umgebungen. Alle diese Faktoren können aber auch spezielle Probleme lösen.
     
  2. Sie sehen sich selbst als Produkt, wenn es um ihre eigene Einstellung, ihr Verhalten und ihre Sichtweise geht. Design Thinker iterieren die verschiedenen Versionen ihres Selbst, indem sie unaufhörlich selbst reflektieren und ihre Wahrnehmung hinterfragen. Das führt zu außergewöhnliche Teamleistungen.
     
  3. Sie legen den größten Wert auf Empathie und Optimismus. Im Design Thinking dreht sich dabei alles um das systemische Denken, Experimentierfreudigkeit und die interdisziplinäre Zusammenarbeit.
     
  4. Sie haben zutiefst den Prozess der kreativen Problemlösung verinnerlicht und wissen, wie man als Katalysator für Kreativität in einem kreativen Prozess handelt - indem sie mal provozieren, mal motivieren und mal anleiten.
     
  5. Sie arbeiten und kommunizieren außerhalb von Powerpoint. Design Thinker denken in neuen Wegen und probieren gerne und oft neue Wege aus.
     
  6. Sie suchen nach Mehrdeutigkeiten und nutzen die Gelegenheiten, Modelle zu schaffen, in denen Chaos in Ordnung umgewandelt wird. Sie finden neue Konzepte, indem sie zeichnen, modellieren und Geschichten erzählen, um so die Dinge in Zusammenhang zu bringen und zu ordnen.
     
  7. Sie entwickeln Prototypen und sammeln Feedback über die künftigen Visionen, nicht nur über zukünftige Produkte. Prototypen werden in der Regel dazu verwendet, um neue Produkte in verschiedenen Stadien zu testen, um so wiederum aussagekräftige Rückmeldungen zu erhalten und die wiederum einzubauen. Design Thinker suchen aber nach Wegen, um Prototypen und unterschiedliche Visionen ihrer Organisation zu testen. Ein solcher Prototyp kann ein Rollenspiel sein oder ein Artikel über den zukünftigen Erfolg des Unternehmens. Sie finden immer eine Möglichkeit, um eine wünschenswerte Zukunft in einen Prototyp zu verwandeln.

Und die Moral von der Geschicht?

Meine Reise ist noch lange nicht zu Ende, aber eines ist bereits jetzt schon deutlich: Design Thinking wird immer mehr zu einem wichtigen Thema in unseren Unternehmen. Die Welt wird in nächster Zeit bestimmt nicht weniger chaotisch, weniger komplex oder langsamer werden. Deswegen brauchen Unternehmen verstärkt neue Ansätze, um mit all diesen Änderungen umzugehen und auf Erfolgskurs zu kommen und dort zu bleiben. Diese erste Orientierung der Qualitäten von Design Thinkern unterstützt Sie hoffentlich genau dabei.