Von Ingrid Gerstbach

Ich verwende in meinen Workshops oft Spiele bzw. kreative Methoden, die in erster Linie dazu beitragen, das Eis zu brechen und viel zu lachen (dazu habe ich eine eigene Podcast-Episode mit Beispielen aufgenommen). Das ist nicht immer einfach. Viele der Anwesenden fragen nach dem Warum oder ob das denn überhaupt notwendig wäre. Wenn ich nachfrage, was sie denn davon abhalten würde, bekomme ich Antworten wie dass es nicht erwachsen oder peinlich wäre. Dabei ist Humor eine der wichtigsten Voraussetzungen für Kreativität, die wiederum der Schlüssel für Innovationen ist.

Das Kennzeichen eines wirklich gelungenen Workshops ist für mich eine Fülle an echtem und herzlichem Lachen. Es gibt einen guten Grund dafür: Lachen unterstützt dabei, Probleme zu lösen, die nach kreativen Lösungen verlangen, indem es dabei hilft, weiter zu denken und Ideen miteinander zu assoziieren. Menschen, die gerade in einer "humorigen" Stimmung sind, erleben nachweislich mehr Inspirationen und Aha-Momente.

Einer Studie der Northwestern University nach beeinflusst die Stimmung der Probanden die Wahrscheinlichkeit eines solchen Aha-Moments maßgeblich. Dabei wurde die Fähigkeit gemessen, ein Wortassoziation-Puzzle - der Standardtest für kreative Problemlösungen - zu meistern. Diejenigen, die im Vorfeld eine Komödie gesehen haben, konnten die Aufgabe messbar besser und schneller lösen als diejenigen, die zuvor einen Horrorfilm vorgesetzt bekommen haben. Am schlechtesten schnitten allerdings die Teilnehmer ab, die zuvor einen Vortrag über Quantenelektronik lauschen mussten.
Mittels MRT-Untersuchungen entdeckten die Forscher, dass kreative Momente stark mit der erhöhten Aktivität des anterioren cingulären cortex (ACC) kurz vor der Lösung eines Problems korrelieren. Dieser Bereich ist vor allem bei der Regulierung der Aufmerksamkeit und bei der Problemlösung beteiligt. Menschen, die mit einer positiven Stimmung Aufgaben lösen, haben in der Regel mehr ACC-Aktivität, die ihnen scheinbar dabei hilft, neue Wege zu finden. Die Teilnehmer, denen zuvor Horrorfilme vorgespielt wurden, die Angst erzeugen, hatten deutlich weniger Aktivität im ACC und brachten auch weniger Kreativität bei der Lösung von Rätseln auf.

In einer andere Studie über Brainstorming wurden TeilnehmerInnen mit einem speziellen Background untersucht: Sie gehörten entweder der Gruppe der Studenten, professionelle Designern oder Improvisationskünstlern an. Das Ergebnis: Nicht nur erzielten die Improvisationskünstler 20% mehr Ideen als die professionellen Designer, auch waren die Bewertungen der Ideen im Anschluss um bis zu 25% kreativer und brauchbarer.
In derselben Studie kamen die Wissenschaftler außerdem zu dem Schluss, dass viele der Spiele und Techniken aus dem Improvisationsbereich adaptiert für den Produktdesign-Bereich die Ideengenerierung um bis zu 37% erhöhen würde. Grund dafür ist, dass diese Techniken vor allem unser assoziatives Denken anregen.

Setzen Sie aber bitte kreative Kapazitäten nicht mit intellektuellen Kompetenzen gleich!  Dass diese Fähigkeiten unterschiedlich sind, zeigt u.a. die Studie des Neuropsychologen Rex Jung. Die Möglichkeit, Tatsachen und Beobachtungen zu erfassen und zu verarbeiten, ist neuronal gesehen grundlegend anders als diese auch auf innovative Weise zusammenzusetzen. Bei der geistigen Lösung von Aufgaben agieren die neuronalen Netze direkt und linear. Wenn wir jedoch versuchen, kreativ zu denken scheint es, dass die Nervenbahnen in verschlungeneren Pfaden wandern würden. Jung bezeichnet diese Unterscheidung als verminderte Hypofrontalität - eine schlechtere Durchblutung im Bereich des Frontalhirns. Dabei machen die üblichen neuronalen Prozesse wie Sehen und die generelle Verarbeitung der Welt eine Weile lang Platz für Kreativität.
Das generelle Fazit dieser Studie: Humor, Stimmung und mentaler Platz sind wichtige Faktoren, wenn es um Kreativität, Ideenfindung und Problemlösung geht.

Die Neurophysiologie des Lachens

Die Gelotologie, die Wissenschaft, die sich mit den psychologischen und physiologischen Wirkungen von Humor und Lachen auf das Gehirn und dem Immunsystem auseinandersetzt, beschreibt sowohl Humor als auch Lachen als sehr komplexe kognitive Funktionen.

EEG Aufnahmen zeigen nämlich sehr beeindruckend, was passiert, wenn uns jemanden einen Witz erzählt und wie dabei das gesamte Gehirn zusammenarbeitet: Zunächst beginnt die linke Hemisphäre damit, die Worte zu verarbeiten. Dann wird im Zentrum des Frontallappens die Emotionalität aktiviert, 120 Millisekunden später beginnt die rechte Hemisphäre mit der Verarbeitung der Muster und einpaar weitere Millisekunden später kann eine erhöhte Aktivität im Occipitallappen gezeigt werden. Delta-Wellen werden erhöht, sobald der Witz im Gehirn ankommt und der nucleus accumbens empfindet dieses Glück als Belohnung. Schließlich lachen wir.
Oder anders gesagt: Im Grunde setzt die linke Hemisphäre den Witz auf, während die rechte dem Gehirn dabei hilft, diesen Witz auch zu verstehen. Schäden an dem rechten Stirnlappen des Gehirns können die Fähigkeit, Humor zu schätzen oder in Reaktion auf einen Witz zu lächeln oder zu lachen, drastisch reduzieren.

Ein gänzlich anderer Ablauf zeigt sich bei anderen, typisch emotionalen Reaktionen. Diese scheinen auf bestimmte Bereiche des Gehirns beschränkt zu sein, während Lachen scheinbar eine Art Schaltung erzeugt, die viele Bereiche unseres Gehirns betrifft. Diese Verbindungen sind auch bei der Kontrolle der wichtigsten Aktivitäten wie Freundschaft, Liebe und Zuneigung beteiligt. Die unfreiwillige Aktion des Lachens bildet eine direkte Kommunikationsverbindung zwischen den Menschen – quasi von einem limbischen Hirn zum anderen. Menschen, die die Gesellschaft anderer genießen, lachen viel schneller und häufiger; diejenigen, die eher einander misstrauen oder sich einfach nicht mögen, lachen kaum bis gar nicht. Deswegen fördert Lachen auch die Teambildung.

Forscher zählen noch weitere Vorteile des Lachens auf: Zum Beispiel werden dabei beide Seiten des Gehirns stimuliert, sodass Sie besser lernen können, indem das limbische System im Gehirn aktiviert wird und die rechte mit der linken Seiten verbindet. Auch löst Humor Verspannungen, was wiederum die Wahrnehmungsflexibilität erhöht, eine erforderliche Komponente der Kreativität.

Die geschichtlichen Wurzeln von Humor

Warum entwickeln Menschen überhaupt einen Sinn für Humor? Ethnologisch betrachtet liegen die Wurzeln des Gruppendenkens im Überlebensmechanismus des Kollektiven. Wenn das Essen allmählich spärlich wurde, sammelten sich die besten Jäger und Schamanen rund um das Feuer, um Strategien fürs Überleben zu diskutieren. Nicht viel anderes verhält es sich in unseren heutigen Meetings.

Die Anthropologie sieht im Lachen einen gegenseitigen Vertrauensaufbau. Menschen lachen dann, wenn sie sich offen und frei fühlen. Je mehr gelacht wird, desto stärker ist die Bindung innerhalb einer Gruppe. Das wiederum kann auch ein Grund dafür sein, warum Lachen manches Mal als ansteckend empfunden wird - es ist eine Geste der Erleichterung und hemmt die Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Denn wir zeigen Vertrauen in unser Gegenüber.

Der Wissenschaftler Fabio Sala kam in seiner Studie zu dem Schluss, dass Chefs oft mehr Humor als ihre Mitarbeiter zeigen. Seine Schlussfolgerung: Sie würden dadurch vor allem das emotionale Klima einer Gruppe kontrollieren, weil Gelächter auch eine Art der Machtausübung bewirkt. Je höher die Ebene, desto mehr findet Humor seinen Einsatz. Humor und Lachen sind wirksame Instrumente, um die menschliche Verbindung zu stärken und Gruppenverhalten zu steuern. Humor hilft uns dabei, uns an Vergangenes zu erinnern, mittels Kreativität Verbindungen herzustellen und die Bedeutung für unser Lebens zu erweitern.

Während Kinder am Tag ca. 400-mal lachen, lachen Erwachsene etwa 15-mal. Das wird mit zunehmenden Alter wieder besser, denn mit der Abnahme der Fähigkeit, intellektuelle Aufgaben zu lösen, werden die neuronalen Pfade in unserem Hirn wieder verschlungener, was wiederum zu mehr Kreativität und Humor führt. Trotzdem ist das kein guter Grund, mit dem Lachen zu warten bis man alt ist!

Deswegen möchte ich diesen Artikel zur Abwechslung mal mit einem Witz abschließen,

Heute schon gelacht?

Vor einem Schäfer mit einer riesigen Schafherde hält ein teurer Sportwagen. Ein junger Mann im Maßanzug steigt aus und macht dem Schäfer ein Angebot: „Wenn ich Ihnen sage, wie viele Schafe sie haben, darf ich mir dann ein Schaf nehmen?“ Der verdutzte Schäfer geht darauf ein.
Der junge Mann verbindet sein Notebook mit seinem Smartphone, klinkt sich in die NASA-Seite ein, scannt die Gegend mit Hilfe seines GPS-Navigationssystems und kommt nach längerem hin und her danke seiner Datenbank zu dem Ergebnis: „Sie haben 832 Schafe“.
„Richtig“, sagt der Schäfer. Doch als sich der junge Mann ein Tier greift, macht ihm der Schäfer ein Angebot: „Wenn ich auf Anhieb Ihren Beruf errate, bekomme ich dann das Tier zurück“.
Der junge Mann geht darauf ein. „Sie sind Unternehmensberater“, sagt der Schäfer prompt.
Der junge Mann ist verblüfft: „Wie haben Sie das erraten?“ „Ganz einfach“, erklärt der Schäfer: „Erstens: Sie sind gekommen, ohne dass ich Sie gerufen habe. Zweitens: Sie haben mir nichts gesagt, was ich nicht schon selber wusste. Drittens: Was Sie sich da gegriffen haben, ist kein Schaf, sondern mein Schäferhund.“

Wie lautet Ihr Lieblingswitz? Lassen Sie uns doch gemeinsam lachen :)