Von Ingrid Gerstbach

Was meinen Sie: Warum trägt Barack Obama immer nur graue oder blaue Anzüge? Die Antwort folgt etwas später, aber so viel sei schon verraten: Es hat mit seiner Aufgabe, ständig wichtige Entscheidungen zu treffen, maßgeblich zu tun.

Aber nicht nur Barack Obama oder Steve Jobs gelten als absolute Gähngaranten in der Designer-Szene. Auch Mark Zuckerberg, CEO und Gründer von Facebook, dessen geschätztes Vermögen sich auf ca. 56 Milliarden Dollar beläuft, scheint kein Geld für Mode auszugeben. Vielmehr trägt er Tag für Tag das gleiche T-Shirt. Warum? Weil er manche Entscheidungen ein für allemal treffen will und so bewusst selbstgewählte Wahleinschränkungen vornimmt, oder anders gesagt: Mark Zuckerberg hat eine Routine gebildet. Die Energie, die er dabei einspart, will er (nach eigenen Angaben) für die Gesellschaft einsetzen.

An sich ein sehr kluger Ansatz. Vor allem bei Routinedingen, bei denen es im Grunde egal ist, ob der Anzug blau oder das T-Shirt grau ist. Dinge, die für einen selbst wenig von Belangen sind, können tatsächlich sinnvoll einmal entschieden und dann mit der Replay-Taste wiederholt werden. Diese Art der Routine erspart nämlich genau das Maß an Energie, das Sie für die wirklich wichtigen Wahloptionen aufheben sollten. Nämlich für all das Wesentliche und Wichtige in Ihrem Leben wie, ob Sie Ihr Leben so leben, wie Sie es wollen. Oder ob Sie glücklich und zufrieden sind.

Die Sache mit der Entscheidungsmüdigkeit

Entscheidungen kosten nämlich viel Energie in Form von Willenskraft, also die Fähigkeit, uns selbst zu beherrschen. Nun ist diese Willenskraft begrenzt. Ist diese ausgeschöpft, fällt der Mensch in den Zustand der Ego-Erschöpfung. Der Psychologe Roy Baumeister stellte nun in einem Experiment fest, dass durch das Treffen von Entscheidungen diese Ego-Erschöpfung ebenfalls beeinflusst wird.  Anders gesagt: Je mehr Entscheidungen wir im Laufe eines Tages treffen, desto erschöpfter sind wir. Wenn wir also an einem Tag viele wichtige Entscheidungen bei der Arbeit treffen, wird es uns schwer fallen, dem Eis am Nachmittag zu widerstehen, auch wenn wir gerade auf Diät sind.

Richter und Entscheidungen

In einer Studie von 2011 fanden Forscher Beweise für eine alarmierende Verbindung zwischen Entscheidungsfindung und Gerichtsurteilen. Dazu nahmen die Forscher 1.112 Gerichtsentscheidungen, die innerhalb von 10 Monaten gefällt wurden, genau unter die Lupe. Sie fragten sich, wie die Richter, die allesamt durchschnittlich 22,5 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hatten, Straftaten beurteilten. Dazu wurden die üblichen Variablen wie Tatbestand, Staatszugehörigkeit, Geschlecht etc. herangezogen, aber auch ungewöhnliche Faktoren wie die Tageszeit der Urteilsverkündung. Die Ergebnisse waren erstaunlich: So wurden zu Beginn des Tages die Urteile eher zugunsten des Straftäters getroffen. Je fortgeschrittener allerdings der Tag war, desto müder wurden auch die Richter und desto eher fiel die Entscheidung gegen den Straftäter. Nach der Pause, nachdem etwas gegessen wurde und sich die Richter ausgeruht hatten, stiegen die Chancen der Gefangenen wieder auf 65%.

Was sagt das nun über das Treffen von Entscheidungen aus?

Die beste Zeit, Entscheidungen zu treffen, ist morgens. Und: Bevor Sie wichtige Entscheidungen treffen, sollten Sie etwas essen.

  • Verschieben Sie Aufgaben, die mehr oder minder automatisiert ablaufen, auf den Nachmittag.
  • Entwickeln Sie morgendliche Routinen: Wenn Sie weniger über Dinge wie Essen oder Auswahl der Kleidung nachdenken, haben Sie mehr Energie für wichtige Entscheidungen, die Sie im Laufe des Tages treffen müssen. Ziehen Sie also jeden Tag entweder dasselbe an und essen Sie die gleichen Dinge oder planen Sie Ihren Morgen am Abend zuvor.
  • Eliminieren Sie Mini-Entscheidungen: Kleine, scheinbar unbedeutende Entscheidungen verursachen ebenfalls eine gewisse Müdigkeit. Schreiben Sie sich dazu einfach unwichtigere Themen auf und verschieben Sie die Entscheidung auf später. Oder entscheiden Sie nach dem Zufallsprinzip (ich selber habe einen Entscheidungswürfel für solche Dinge).
  • Essen Sie einen Happen vor großen Entscheidungen: Unser Selbstkontrollmechanismus wird durch unseren Blutzuckerspiegel beeinflusst. Schon ein Stück Obst kann zu besseren Entscheidungen beitragen. Einen Versuch ist es wert ;)

Wie können Sie diese Entscheidungen in Ihren Projekten umsetzen?

  1. Setzen Sie Ziele und Fristen für Meetings: Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht zu viele Ziele vornehmen und machen Sie diese am besten messbar.
     
  2. Erstellen Sie sich eine Liste der Dinge, die Sie erledigen wollen/müssen am Anfang der Woche (aber nicht am Morgen!).
     
  3. Planen Sie Meetings eher am Nachmittag ein: Meetings kosten wertvolle Arbeitszeit und beeinflussen unsere Entscheidungsfähigkeit. Beenden Sie also zuerst alle wichtigen Aufgaben, machen Sie eine kurze Pause und essen Sie eine Kleinigkeit.
     
  4. Lieber fertig als perfekt: Sie können nichts perfekt erledigen, sondern immer nur besser machen. Aber in Wirklichkeit ist es doch nur wichtig, dass die Dinge erledigt werden. Entscheiden Sie sich lieber im Voraus, was Ihr Ziel für eine Aufgabe ist, und dann gehen Sie es an.
     
  5. Kategorisieren Sie Ihre Mails: Verwenden Sie dazu am besten drei Ordner „Information“ (dient dazu, andere zu informieren); „zu bearbeiten“ (Mails, die Aufmerksamkeit erfordern und mit ja oder nein beantwortet werden müssen. Fügen Sie am besten dazu ein Datum ein, bis wann die Antwort fällig ist). und „zu diskutieren“ (Mails, die besprochen werden müssen).

Fazit

Entscheidungen zu treffen ist anstrengend. Aber mit ein paar Änderungen in Ihrer täglichen Routine, können Sie noch besser dabei werden, Entscheidungen zu treffen und auch durchzuziehen.