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Vor mehr als 60 Jahren - es wurde das Jahr 1948 geschrieben - veröffentlichte der Werber und Journalist Alex Osborn jenes Konzept, das bis heute unzählige Anhänger und Anwender findet. Um viele und vor allem kreative Ideen zu produzieren, predigte er darin, möge man sich in einer Gruppe zusammensetzen und einen Funken in den anwesenden Hirnen entzünden: Brainstorming war geboren.
Osborns wichtigste Regel lautete: „Keine Kritik!“. Er war der Meinung, dass das negative Feedback verhindern würde, dass "die scheue Blüte der Kreativität" sich entfaltet. Jeder in der Gruppe solle ohne Angst vor Spott und Hohn selbst den größten Unsinn verzapfen dürfen - solange es die Kreativität entfesselt.

Die Methode Brainstorming setzte sich durch und fand als Kreativtechnik viele Anhänger und Anwender - bis heute. Etwa 80 Prozent der Menschen glauben daran, dass sie in Gruppen mehr und auch kreativere Ideen produzieren, als wenn sie alleine arbeiten. Dabei gibt es bereits viele Studien, die den Unterschied beweisen. Der entscheidende Grund für die vergleichsweise schlechten Ergebnisse von Brainstorming-Gruppen ist banal: Meist blockieren sich die Gruppenmitglieder einfach gegenseitig. Spricht z.B. gerade jemand, sind die anderen Teilnehmer des Brainstormings darauf konzentriert zuzuhören und dabei ihre eigene Idee nicht zu vergessen. Und während sie sitzen und auf eine geeignete Gesprächspause warten, die sie zum Zug kommen lässt, nehmen sie wenig von dem auf, was die anderen beitragen.

Ein weiterer Grund liegt in der Persönlichkeit der Anwesenden. Nicht jeder mag es gerne laut oder arbeitet am liebsten im Team, manch einer wirkt vielleicht ungelenk im Smalltalk und schätzt das Reden im allgemeinen nicht sehr.

Introversion

Das Schöne an Design Thinking ist für mich, die unterschiedlichen Menschen und die Vielzahl und Buntheit der Erfahrungen und Persönlichkeiten. Kein Mensch ist wie der andere und jeder von ihnen ist etwas ganz besonderes. Alle haben auch ihre eigenen Vorlieben und Arbeitsweisen: Während der eine gerne laut ist und polarisiert, gibt es andere, die vielleicht stiller und in sich gekehrt wirken. Manch einer freut sich auf Gruppendiskussionen, während der andere alleine beim Gedanken daran erschaudert.

1921 schrieb der Psychologe C.G. Jung erstmals über die „Introversion“. Er erklärte sie als eine Art Hinwendung psychischer Energie nach innen - weg aus der Außenwelt. Introvertierte Menschen werden zumeist als zurückhaltend, ruhig und in sich gekehrt wahrgenommen. Die extrovertierte Person scheint dagegen gesellig, laut, abenteuerlustig, risikofreudig zu sein. Beide Temperamente gelten bis heute als wichtigste Aspekte der Persönlichkeitspsychologie.

Bei introvertierten Personen funktioniert meiner Erfahrung nach Kreativität dann am besten, wenn sie Zeit haben für sich alleine etwas zu denken, zu verarbeiten und zu sammeln - bevor sie diese Ideen in einer Gruppe teilen.

Introvertierte sind die besten Zuhörer, die es gibt. Sie hören auch Dinge zwischen den Zeilen und konzentrieren sich voll auf ihr Gegenüber. Aber dann schreien sie ihre Ideen nicht heraus, sondern nehmen sich lieber einen Moment Zeit, das Gehörte zu verarbeiten, bevor sie sprechen. Mit der Zeit sind sie dann bereit, eine Idee einzubringen, um dann wieder zuzuhören und zu erspüren, was der Rest der Gruppe davon hält.

Nun ist in der Welt der Lauten Brainstorming wie es die meisten verstehen, nämlich als lautes Herausrufen unreflektierter Ideen - nicht nur ein Problem für Introvertierte, sondern kann sich auch nachteilig auf das gesamtes Unternehmen auswirken. Wenn Unternehmen nicht bald lernen, wie sie Introvertierte mehr einbeziehen können, gehen viele brillante Ideen verloren.

5 Tipps, um Introvertierte bei der Ideengenerierung zu fördern

1. Teilen Sie vorab eine detaillierte Agenda aus
Wenn jeder Beteiligte die Hintergrundgeschichte kennt, reichen Stichwörter vollkommen aus. Aber wenn Sie neue Elemente einführen, brauchen die Menschen auch mehr Details. D.h. anstatt einen Punkt „Vertriebskanal besprechen“ zu nennen, versuchen Sie mal den Punkt „Vertriebskanal besprechen: Wir möchten Ideen für Werbegeschenke und Aufmerksamkeit gedanklich lösen. Wir wollen überlegen, wie wir unsere Stammkunden belohnen können - fernab von Feiertagen. Bitte bringt gleich ein paar Ideen mit.“
Indem Sie eine detailliertere Beschreibung von dem, was Sie vorhaben, über was Sie sprechen wollen, mitgeben, bekommen Introvertierte eine Chance, ihre Kreativität nach ihren Vorlieben einzusetzen und ihrer Ideen gezielt und in Ruhe vor dem Meeting zu entwickeln.

2. Halten Sie ein „Briefing“ Meeting vor dem großen Brainstorming ab
Wenn Ihr Tagesordnungspunkt zu komplex ist, als dass er nur durch einen hinzugefügten Satz die Dinge genau erklärt, halten Sie ein „Briefing“ Meeting ab, bei dem Sie das Problem oder Teile des Problems besprechen. Dann lassen Sie jeden für sich in die Erforschung und Bearbeitung seiner/ihrer Ideen gehen, bevor Sie sie wieder zu der Ideengenerierungsphase zusammentrommeln. Ihr Team wird tatsächlich besser informiert sein und großartige Lösungen werden einfach nur so wimmeln.

3. Fragen Sie jeden Teilnehmer direkt
Denken Sie daran, dass es für Introvertierte wirklich schwierig ist, wenn sie ihre Idee schreiend herausposaunen sollen. Stattdessen können Sie ruhig durch den Raum schreiten und jeden einzelnen auffordern, dass er oder sie etwas hinzufügt oder eigene Ideen vorbringt. Ermutigen Sie dazu, der Reihe nach zu sprechen und wenn jemand aufgefordert wird. Will jemand etwas gleich hinzufügen, kann er oder sie ja die Hand heben oder macht sich Notizen dazu, um das Thema nachher nochmals anzusprechen.

4. Verordnen Sie eine „Gedankenpause“
Wenn Sie alle Ideen gesammelt haben, geben Sie eine 15-minütige „Gedankenpause“ und lassen Sie Introvertierten mehr Zeit, um für sich die gehörten Ideen und Gedanken zu verarbeiten. Das bedeutet nicht, dass die TeilnehmerInnen Zeit bekommen, ihre Mails zu checken oder mit dem Nachbarn zu plaudern, sondern sie sollen sich ruhig hinsetzen und kurz nachdenken. Bitten Sie sie, ein paar Gedanken aufzuschreiben und diese dann in der Gruppe zu diskutieren.

5. Verwenden Sie „Brainwriting“
Anstatt auf einem gemeinsamen Whiteboard soll zunächst jeder seine Ideen auf ein separates Blatt Papier schreiben. Die TeilnehmerInnen können dann still ihre eigenen Ideen hinzufügen und die anderen Ideen, die bereits auf dem Papier stehen, ergänzen. Erst nachher werden die Ideen in der Gruppe besprochen, diskutiert, analysiert und selektiert.

Fazit

Wir leben in einer Welt, in der die Lauten auffallen und die Stillen untergehen. Das ist schade und kostet viele gute Ideen und Ansätze. Deswegen: Geben Sie Introvertierten die Chance und lassen Sie ihnen genügend Denkzeit, um ihren eigenen kreativen Prozess zu folgen. Auch wenn das vielleicht ein wenig mehr Zeit beansprucht, werden Sie eine Vielzahl neuer Ideen dafür bekommen. Ideen, die dann in der Gruppe vorgestellt und verbessert werden können.

Und an Introvertierte:
Denken Sie daran, dass Ihre Gedanken und Ihre Kreativität wichtig und hilfreich sind! Unternehmen brauchen Ihren Input - ohne Ihr Wissen geht viel Potenzial verloren! Verstecken Sie sie deswegen nicht, sondern treten Sie mutig raus und teilen Sie Ihr Wissen mit anderen.

Weiterführende Hinweise

Osborn, Alex (2008): Your Creative Power. Charles Scribner's Sons Ltd; London.
DT07: Die Disney Methode
Cain, Susann (2013): Still: Die Kraft der Introvertierten. Goldmann Verlag; München.

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