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Was ist Kreativität?

Hand aufs Herz: Glauben Sie wirklich, dass Sie kreativ sind? Wenn ja, dann zählen Sie zur Ausnahme, denn die wenigsten Menschen halten sich selbst für kreativ. Meiner Erfahrung nach ist ein Grund dafür das enge Verständnis des Begriffs "Kreativität".

Und auch wenn viele Menschen der Meinung sind, ist Kreativität einfach nicht dasselbe wie Innovation. Während Kreativität die menschliche Fähigkeit bezeichnet, phantasievoll bzw. in gestaltender Art und Weise zu denken und zu handeln, ist Innovation eine Bezeichnung für Neuerungen, die mit technischem, sozialem und/oder wirtschaftlichem Wandel verknüpft ist.

Um innovieren zu können, brauchen wir die Schlüsselfähigkeit Kreativität. Denn erst durch Kreativität werden Ideen entwickelt, die wir dann umsetzen, also innovieren.

Wo liegt Kreativität im Hirn?

Verschiedene Tests haben bestätigt, dass Kreativität nicht in einem einzelnen Areal in unserem Hirn setzt. Dazu haben Hirnforscher Probanden kreative Aufgaben gestellt und sie bei der Lösung mittels Hirnscans eingehend beobachtet. Das Resultat lautet: Der Mensch besitzt kein einzelnes Kreativitätsareal. Vielmehr sind bei kreativen Aktivitäten verschiedene Hirnregionen aktiv.

Was aber wohl eine wichtige Rolle spielt, ist die Geschwindigkeit, die das Hirn zur Verarbeitung von kreativen Aufgaben benötigt. Je kreativer Menschen sind, desto schneller wechseln sie zwischen einer niedrigen und einer hohen Geschwindigkeit hin und her. Ein Grund, warum kreative Prozesse meist aus mehrern, verschiedenen Phasen bestehen.

10 Eigenschaften kreativer Menschen

Der amerikanische Psychologe Mihaly Csiksgentmihalyi ist Meister und Spezialist zum Thema Kreativität. Seiner Forschung nach sind kreative Menschen nicht nur enorm vielseitig, sondern sie sind in ihrer speziellen Art vor allem widersprüchlich.

1. Voller Energie und Ruhe bedürftig

Aber genauso wie sie Euphorie und Energie brauchen und versprühen, genauso suchen kreative Menschen ihre Ruhe und brauchen enorm viel Schlaf. Dadurch können sie ihre Kräfte besser einteilen und tanken in der Pause/Schlaf leere Batterien wieder auf.

2. Smart und naiv

1921 zeigte Lewis Terman in einer Studie, dass Kinder mit einem überdurchschnittlich hohen IQ auch später gut zurecht kamen - das bedeutet allerdings nicht, dass sie auch erfolgreich(er) im späteren Leben waren. Nach Csikszentmihalyi ist ein höhere IQ wahrscheinlich notwendig, um gegenteilig bzw. widersprüchlich zu denken, was wiederum der Kreativität zu gute kommt. Allerdings ist der Umkehrschluss, höhere Intelligenz bedeutet automatisch kreativer zu sein, nicht zwangsläufig richtig.

3. Verspielt und ernst

So wie sich Kreative in eine Sache verbeißen und daran zerren können, stellen sie sich lieber die Frage, warum etwas nicht funktionieren sollte und fördern so ihr Denken.

4. Phantasievoll und realistisch

Innovation setzt Vorstellungskraft voraus. Fehlt aber der Blick für die Realität, bleibt die Vorstellung reine Fantasie und eine Umsetzung wird unmöglich. Kreative Menschen müssen also schnell erkennen, wann etwas realistisch ist und wann nur ein Traumgebilde.

5. Introvertiert und extravertiert

Der Kreative braucht Zeit mit anderen, um Ideen zu spinnen, sich inspirieren zu lassen, auszuprobieren. Aber genauso ist Rückzug wichtig, um die Gedanken zu sortieren und konzentriert zu arbeiten.

6. Von sich überzeugt und bescheiden

Auch wenn es verlockend nahe liegt, aber die Annahme, dass jemand, der bekannt oder erfolgreich ist, per se zur Arroganz und Hochmut neigt, stimmt so nicht. Kreative Menschen neigen dazu, den Zufall als Faktor miteinzurechnen und der Portion Glück Platz zu geben. Dennoch sind sie auf ihre Ideen und Erfindungen (zu recht) stolz und zeigen das auch gerne mal im Außen.

7. Männlich und weiblich

Studien zeigen, dass kreative Männer eher sensibler und weniger aggressiv als andere Gleichaltrige sind, während kreative Mädchen dominanter und taffer als andere sind. Der Grund dafür könnte darin liegen, dass kreative Menschen nicht nur die Stärken ihres eigenen Geschlechts, sondern auch die des anderen in sich vereinen.

8. Zerstörerisch und konservativ

Nur wer sich aus einer gegebenen Kultur, Normen und Sitten heraus entwickelt,  kann Innovationen erarbeiten und Bewegung schaffen. Traditionell zu leben und zu handeln, ohne Stilbruch, würde nicht funktionieren, denn nur aus dem Andersmachen entsteht Neues. Rebellion ohne Bezug zu etwas Gegebenem ergibt andererseits keinen Sinn. Menschen, die glauben, es reicht einfach nur anders zu sein, sind nicht kreativ, sondern wollen meist um jeden Preis auffallen. Der Wunsch nach Verbesserung als Impuls schafft den Boden für kreative Lösungen.

9. Leidenschaftlich und selbstkritisch

Stellt sich der Erfolg einer Sache nicht sofort ein, verliert der Kreative schnell die Lust daran und gibt auf. Der selbstkritische Blick auf das eigene Handeln verankert den Kreativen mit dem Boden.

10. Offen für Neues und sensibel für Vorhandenes

Denken Sie an bekannte Regisseure: Sie scheinen regelrecht körperliche Schmerzen zu leiden, wenn sie eine in ihren Augen schlechte Aufführung sehen. Andererseits sind sie neugierig, offen für neue Nuancen und hungern nach Impulsen.

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