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Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.
— Galileo Galilei

Wissen ist Macht. Nichtwissen macht aber insofern etwas mit uns, als dass es unsere Neugierde weckt. Unter Neugierde verstehe ich einen gewissen Hunger nach Wissen und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen, offen für Neues zu sein, zu hinterfragen und zu lernen.

Neugierde ist der Beginn jeder großen Entdeckung. Ohne Neugierde gäbe es keine Innovationen oder Fortschritt. Die Menschen würden sich im Kreis drehen und stehen bleiben.
Neugierde hat allerdings eine weitere Seite: Denn etwas nicht zu wissen, kann Menschen enorm verunsichern. Diese Unsicherheit führt wiederum zu Angst, die für sich wiederum Neugier blockiert und so weiter und so fort. Was tun?

Wie funktioniert Neugier?

Offen für Neues, Anderes sein, die Welt von Grund auf in seiner Einzigartigkeit entdecken wollen, den Status Quo hinterfragen. Neugierde ist eine der wichtigsten Eigenschaften, wenn es darum geht, Design Thinking zu leben. Wenn aber jemand versucht, einen anderen neugierig zu machen, indem er oder sie denjenigen überzeugen will, dass er/sie an etwas dran ist, dass auch für den anderen von Interesse sein könnte, wird das nur kurzfristig funktionieren. Denn ob eine andere Person wirklich neugierig ist oder wird, liegt letztlich an der Person selber.

Neugierig zu sein kann man lernen

Weiters findet Neugierde nicht nur zu einem bestimmten Moment statt, sondern es ist eine Eigenschaft, die ebenso verlernt wie wiederum neu erlernt werden kann. Sie glauben mir nicht? Dann beobachten Sie doch einmal, wie Ihre Gedanken und Emotionen zusammenspielen, wenn Sie einem neuen Reiz, etwas Ungewohntem ausgesetzt sind. Wie reagieren Sie? Beginnt es in Ihrem Körper zu kitzeln oder bekommen Sie es doch ein wenig mit der Angst zu tun und lehnen sich vorsichtshalber mal zurück? Wenn Sie sich selbst beobachten, dann erfahren Sie viel über sich selbst: Welche Erfahrung bereits da sind, aber auch, warum Sie gerade blockiert sind und eben gar nicht so neugierig, wie Sie es vorher vielleicht selbst erwartet hätten.

Blockierte Neugier: Ein Beispiel

Neugierde findet zwar im Hier und Jetzt statt, aber Erfahrungen und Erwartungen aus der Vergangenheit und der Zukunft beeinflussen unsere Neugierde dabei sehr stark. Machen Sie sich deswegen bewusst, was Sie momentan alles beschäftigt: Angenommen Sie leiten gerade ein Projekt. Eigentlich läuft alles nach Plan und Sie sind guter Dinge. Plötzlich bekommen Sie von Ihrem Auftraggeber eine Mail, in der steht, dass er ganz dringend etwas besprechen muss. Nur steht nicht dort, warum er das will. Tausend Gedanken schwirren sofort durch Ihren Kopf. Ob Sie nun guten Mutes das Telefon abheben und zu wählen beginnen oder ob der Schweiß Ihnen auf der Stirn steht, hängt im Wesentlichen von 2 Faktoren ab:
1. Erfahrung: Wenn Sie z.B. bereits früher schon mal zum Chef kommandiert wurden und der Sie vollkommen unfair behandelt hat, ist diese Erinnerung eingebrannt.
2. Erwartung: Urplötzlich fallen Ihnen wieder die ganzen Gerüchte ein, wie dass das Projekt aufgrund von Ressourcen gestoppt werden soll. Oder dass der Neue die Stelle als Projektleiter übernehmen und Sie damit austauschen soll... Natürlich sind das alles bloße Vermutungen. Aber all das schießt in einem Sekundenbruchteil durch unser Gehirn, sobald wir mit etwas Unerwartetem konfrontiert sind.

Gewähren Sie solchen Gedanken auch nur kurz Einlass, schwindet sowohl Offenheit als auch Neugier in einer unglaublichen Schnelligkeit und Angst als auch Stress übernehmen das Steuer. Denn lieber das Schlimmste annehmen und positiv überrascht werden als umgekehrt.

Neugierde genügt nicht: Warum sie manche unterdrücken

Kinder sind von Natur aus neugierig und schaffen es so, schnell den gestandensten Erwachsenen ins Wanken zu bringen: Warum hat der Hund ein Fell? Wieso kann der bellen und wir nicht? Wie heißt das da? Und das? Was passiert, wenn man...

Kinder lernen aus Fragen und werden von einer unbändigen Neugierde getrieben. Sie wollen die Dinge verstehen, begreifen, erfassen.

Der Mensch entwickelt sich nur dann weiter, wenn er neue Reize erhält. Dementsprechend ist unser Gehirn darauf programmiert, immer Neues lernen zu wollen. Im Laufe der Zeit werden wir aber immer weniger neugierig, weil wir der Meinung sind, eh schon alles zu wissen und/oder erlebt zu haben. Dabei ist die Neugierde einer der natürlichsten Eigenschaften des Menschen. Die Gefahr dabei ist allerdings, dass der Mensch sich ohne Neugierde nicht mehr weiterentwickelt.

Warum eigentlich? Einerseits ist Schubladendenken nun mal einfacher. Andererseits verbinden viele Menschen Neugierde mit Naivität und Unsicherheit. Und das sind nicht die beliebtesten Eigenschaften, mit denen man sich gerne brüstet. In den meisten Berufen ist Fachwissen wichtiger als Offenheit für Neues.

Der Mensch hat aber auch neben dem Bedürfnis nach Abwechslung ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, Gewohnheit und Vertrautem. Auch lieben wir Menschen die Sicherheit. Wer in der Kindheit oft für seine Neugierde getadelt wurde, wird im Laufe der Zeit vorsichtiger beim Nachfragen werden. Zunächst muss die neue Info gefiltert, sortiert, analysiert und geprüft werden, bevor weiter gehandelt wird. Sicher ist sicher. Jeder Mensch hat aber beide Bedürfnisse in sich. Wir unterscheiden uns darin, wie viel Sicherheit und Abwechslung wir im Moment brauchen.

Was ist der Vorteil, wenn wir neugierig bleiben?

Menschen, die neugierig...

  • können mitreden und Diskussionen nachvollziehen.
  • trainieren die Lern- und Konzentrationsfähigkeit.
  • wirken authentisch und interessant.
  • wirken präsent, sympathisch und aufgeschlossen.
  • sind tolerant und finden schnell neue Freunde.
  • sind selbstsicherer und schneller inspiriert.
  • erleben Fortschritte.

Neugier und Wissen sind Zwillinge. Sie können nicht neugierig sein und nichts dazulernen. Das wiederum macht erfolgreich. Denn je erfolgreicher Sie sind, desto mehr wissen Sie, wie wichtig Lernen ist. Und ohne Neugierde ist Lernen schwierig: Warum ist das so und nicht so? Wie wurde das Problem das letzte Mal gelöst?
Das Interesse von erfolgreichen Menschen ist meistens fachübergreifend. Sie sind nicht neugierig in nur einem Fach (Sport, Politik, Beruf), sondern in vielen unterschiedlichen Sachen.

Alltagstipps

1. Bleiben Sie aufgeschlossen
Dies ist wichtig, wenn Sie offen für Neues bleiben wollen. Einige Dinge, die Sie glauben zu wissen, könnten falsch sein. Seien Sie darauf vorbereitet und ändern Sie, wenn nötig, Ihre Meinung.

2. Sehen Sie die Dinge nicht als selbstverständlich an
Wenn Sie die Welt so akzeptieren, wie sie ist, ohne tiefer zu bohren, werden Sie früher oder später Ihre Neugierde verlieren. Sehen Sie nichts als selbstverständlich. Versuchen Sie immer tiefer zu graben und unter die Oberfläche dessen, was um Sie herum passiert.

3. Stellen Sie unnachgiebig Fragen
Ein sicherer Weg, tiefer unter die Oberfläche zu kommen, ist, Fragen zu stellen: Was ist das? Warum machen Sie das auf diese Weise? Wann wurde es gemacht? Wer hat es erfunden? Woher kommt das? Wie funktioniert das? Was, warum, wann, wer, wo und wie sind die besten Freunde der Neugierigen.

4. Bezeichnen Sie nie etwas als langweilig
Wenn Sie etwas als langweilig bezeichnen, schließen Sie eine weitere Tür von Möglichkeiten. Neugierige Menschen entdecken immer neue Türen zu aufregenden neuen Welten. Auch wenn sie noch keine Zeit hatten, es zu erkunden, werden sie die Tür offen lassen, um ein weiteres Mal die neue Welt zu besuchen.

5. Sehen Sie Lernen als etwas, das Spaß macht
Wenn Sie Lernen als Belastung sehen, gibt es keinen Grund, mehr erfahren zu wollen. Das wird nur die Last schwerer machen. Aber wenn Sie denken, dass so etwas wie Lernen Spaß macht, wollen Sie auch mehr erfahren. Also schauen Sie auf das Leben durch die Spaß Brille und genießen Sie den Lernprozess!

6. Probieren Sie ständig neue Dinge aus
Lesen Sie Berichte aus Bereichen, die Ihnen vollkommen fremd sind. Nehmen Sie einen neuen Weg zur Arbeit. Versuchen Sie ein neues Lokal mit einer neuen Speisekultur aus.

Fazit

Wenn wir uns von Neuen abschotten und nur noch nach Sicherheit streben, verlieren wir Flexibilität und Offenheit. Wir müssen unser Hirn trainieren, damit wir nicht nachlassen. Dazu geben wir ihm am besten neue Informationen. Wenn wir neugierig bleiben, dann öffnen sich neue Wege und Chancen, uns zu ändern und zu wachsen. Hören wir damit auf, dann entsteht Langeweile und das Gefühl, dass etwas fehlt. Leben heißt Neues lernen und in Bewegung zu bleiben. Wenn Sie mit dem Lernen aufhören, hören Sie mit dem Leben auf.

Weiterführende Links

DT08: Die Warum Methode
Leslie, Ian (2014): The Desire to Know and Why your future depends on it. London: Quercus Verlag.