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Was meinen Sie: Treffen Sie gute Entscheidungen? Gar nicht so einfach zu beantworten, denn die Bewertung ist sehr subjektiver Natur. Während sich der eine über eine getroffene Entscheidung freut, kann ein anderer mit derselben Wahl zu Tode unglücklich sein. Unser Hirn macht es uns auch nicht unbedingt einfacher bei der Bewertung: Manchmal trickst es uns aus und verkauft uns eine schlechte oder dumme Entscheidung als eine grandiose.
Gut, dass es Entscheidungstechniken gibt, die uns dabei helfen, langfristig besser zu entscheiden und einigen Fallstricken gekonnt auszuweichen.

Don’t talk, do. Geht es um Entscheidungen, ist der häufigste Rate, dass man nicht zu viel grübeln, sondern erst mal machen soll. In vielen Bereichen ist das auch absolut zutreffend.

Warum Sie mehr machen und weniger denken sollten

  • Sie sind schneller: Es ist unmöglich, jede einzelne Entscheidung des Tages zu durchdenken. Dafür bleibt einfach keine Zeit. Gerade die unzähligen kleinen Entscheidungen werden deshalb unbewusst, spontan und schnell getroffen.
     
  • Sie haben weniger Angst: Die Angst vor den Folgen und Konsequenzen einer Entscheidung ist ein großer Hindernis. Je länger über die möglichen Auswirkungen und potenziellen Misserfolge nachgedacht wird, desto größer wird die Angst, sich falsch zu entscheiden.

Es gibt aber eben auch die großen Entscheidungen, die enormen Einfluss auf die Zukunft haben und nicht zwischen Tür und Angel getroffen werden sollten. Zwar kann auch hier das erste Gefühl das richtige sein, doch wer will sich schon darauf verlassen, wenn es beispielsweise darum geht, dem Auftraggeber eine Empfehlung abzugeben oder Investitionen zu tätigen.

Keine dieser Entscheidungen würden Sie wohl leichtfertig treffen und genau an dieser Stelle kommen Entscheidungstechniken ins Spiel. Sie können dabei helfen, sich eben nicht dem Risiko einer schlechten Entscheidung auszusetzen, die im Nachhinein bereut wird.

Entscheidungshilfen

1. Suchen Sie noch mehr Informationen

Wie sollen Sie eine gute Entscheidung treffen, wenn Sie wichtige Faktoren nicht kennen? Lassen Sie sich nicht zu einer Entscheidung drängen - weder von sich selbst, noch von anderen - bevor Sie dieses Informationsdefizit nicht ausgeglichen haben. Stellen Sie sich vor, Sie beginnen ein neues Projekt. Um zu planen, brauchen Sie alle relevanten Informationen. Vermutungen und Wünsche reichen nicht aus, um hier gute Entscheidungen wie das passende Team oder das Festlegen eines Zeitplans zu treffen. So ist es auch bei allen anderen Entscheidungen. Wenn Sie Dinge nicht wissen, fangen Sie an zu raten und spätestens hier kann nicht mehr von einer rationalen Entscheidung gesprochen werden, sondern allenfalls von Glücksspiel.

2. Fragen Sie die richtigen Leute

Wie kommen Sie nun an die Informationen? Richtig, entweder Sie recherchieren auf eigene Faust - oder Sie fragen einfach. Hierbei kommt es allerdings darauf an, wen Sie fragen. Wenden Sie sich an jemanden, der sich in dem Bereich auskennt und auch die Informationen bereitstellen kann, nach denen Sie suchen. Um zu unserem Beispiel zurückzukehren: Es wird Sie nicht weiterbringen, wenn Sie einen guten Freund fragen, der sich nicht in Ihrer Branche auskennt. Sprechen Sie stattdessen mit einem Stakeholder, der direkt betroffen ist oder der auch an dem Projekt arbeitet. Nur so erhalten Sie wirklich wertvolle Ratschläge, die nicht nur gut gemeint, sondern auch mit Fakten untermauert sind.

3. Beziehen Sie einen anderen Standpunkt

Haben Sie schon einmal vom Confirmation Bias gehört? Dabei handelt es sich um einen Wahrnehmungsfehler, den Sie bei Ihren Entscheidungen unbedingt berücksichtigen sollten. Er besagt, dass wir nach Informationen suchen, die unsere Meinungen bestätigen. Auch bei Entscheidungen haben Sie eine bereits eine Tendenz, zum Beispiel dass Sie Ihren Job kündigen oder sich ein schönes Haus im Grünen kaufen wollen. Die Gefahr besteht darin, nur Informationen auszuwählen, die diese Gedanken bestätigen. Beugen Sie vor, indem Sie bewusst auch einen anderen Standpunkt einnehmen und nach Argumenten suchen, die gegen Ihre ursprüngliche Idee sprechen.

4. Enttarnen Sie Optionen, die nur ablenken sollen

Verschiedene Optionen sind grundsätzlich nicht schlecht, werden aber gerne - besonders von Verkäufern - genutzt, um eine bestimmte Entscheidung zu provozieren. Bekannt ist dieses Phänomen unter dem Namen Decoy-Effekt. Die zusätzliche Auswahlmöglichkeit soll Ihnen nicht gefallen, sondern Sie davon überzeugen, dass Sie auf jeden Fall eine der anderen Optionen wählen. So zeigen Autoverkäufer gerne einen sehr teuren Wagen, der älter ist und keine Sonderausstattung mitbringt, um den Kunden von einem anderen Wagen zu überzeugen, selbst wenn dieser über den Budget liegt. Getreu dem Motto: Sehen Sie nicht, was für ein tolles Angebot das ist? Wenn Sie diese Köder enttarnen, können Sie ohne schlechtes Gewissen das Angebot ausschlagen und sich nach einer anderen Option umsehen, die wirklich Ihren Vorstellungen entspricht.

5. Bedenken Sie, auf was Sie verzichten müssen

Wenn Ihnen ein Angebot gefällt, ist es leicht, sich darin zu verlieren und alles andere auszublenden. Plötzlich ist es egal, dass Sie für das Auto 5.000 Euro mehr bezahlen müssen, weil Sie nur noch an die Extras denken können. Aber sind Sie sicher, dass Sie auch in ein paar Jahren noch so darüber denken? Um dies zu beantworten, sollten Sie sich vor Augen führen, worauf Sie dafür alles verzichten müssen. Die 5.000 Euro könnten Sie beispielsweise auch nutzen, um über Monate Ihre Miete zu bezahlen, mit der gesamten Familie für mehrere Wochen zu verreisen oder einen großen Teil eines laufenden Kredits zurückzuzahlen. Ist die Option aus dieser Perspektive immer noch so unwiderstehlich?

Weiterführende Links

Podcast DT05: Informationen sammeln mit den vier Phasen im Design Thinking Prozess
Customer Journey Map (DT21) und Persona (DT14) als Entscheidungshilfen
Gigerenzen, Gerd (2014): Risiko: Wie man richtige Entscheidungen trifft. München: btb Verlag
Klein, Gery (2003): Natürliche Entscheidungsprozesse. Über die "Quellen" der Macht, die unsere Entscheidungen lenken. Paderborn: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung.
Ariely, Dan (2015): Denken hilft zwar, nützt aber nichts: Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen. München: Droemer Knaur.