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Ein jeder von uns war sicher schon mal in einem dieser Brainstormings, wo man eine Stecknadel fallen hören könnte und die weiße Tafel der "großen Ideen" leer bleibt. Das ist peinlich für die Teilnehmer und geradezu unerträglich für den Moderator. Nichts ist frustrierender, als eine Gruppe zusammenkommen zu lassen, die große Ideen generieren möchte und dann in einem Raum voller Menschen zu kommen, die auf ihre Schuhe starren.

Wie definieren Sie das Problem?

Ideen zu generieren bedeutet im Grunde, Aussagen über ein Problem zu definieren, das am Ende uns an Dinge erinnert, von denen wir glauben, dass diese dabei helfen, das Problem zu lösen. Um das zu erreichen, ist es wichtig, dass wir uns einige Dinge vorab überlegen:

  • Die Problemstellung darf nicht zu allgemein sein. Man könnte sagen: "Wir müssen einen Weg finden, Brainstorming effizienter zu machen.“ Ohne vorab zu identifizieren, was beim Brainstorming falsch läuft, wird es unmöglich sein, kreative Lösungen zu finden.
  • Oft fehlt auch eine Übereinstimmung darüber, was das eigentliche Problem ist. Auf einer allgemeinen Ebene sind sich die Menschen vielleicht einig, aber das bedeutet nicht, dass sie es auch dann noch sind, wenn es darum, warum ein Problem in erster Linie vorhanden ist.

Das bedeutet, dass Sie - noch bevor Sie selbst Ideen zu generieren beginnen - sicherstellen müssen, dass Sie einerseits eine gut definierte Problemstellung haben, und andererseits, dass eine allgemeine Übereinstimmung darüber herrscht, was das Problem ist, das Sie gemeinsam lösen wollen.

Mangel an Umsetzung

Ein weiteres Problem beim Brainstorming ist, dass es leicht ist, Ideen für die Lösung zu erzeugen. Die beste Idee dann aber auch umzusetzen, braucht Energie und Ressourcen. In vielen Situationen verbringt eine Gruppe Zeit damit, Ideen zu generieren - und dann werden diese Ideen nicht umgesetzt. Wenn das öfters passiert, hört die Gruppe auf, viel Energie in neue kreative Lösungen zu setzen, weil sie wissen, dass diese Ideen letztlich doch nie das Licht der Welt erblicken werden. Und das frustriert.

Wenn die kreativen Ideen, die Sie erzeugen, auch umgesetzt werden sollen, ist es wichtig, Brainstorming-Sitzungen mit einer klaren Zuordnung von Verantwortlichkeiten und Ressourcen zu beenden, um sicherzustellen, dass die Ideen letztlich auch umgesetzt werden.

Menschen haben Angst vor Kritik

Einer der Gründe, warum es schwierig ist, neue Ideen zu generieren, ist, dass es ein allgemeines Misstrauen gegenüber allem Neuem gibt. Wir bevorzugen den bekannten Teufel dem unbekannten. An einem gewissen Punkt ist es deswegen einfach wichtig, mögliche kreative Lösungen sorgfältig zu erkunden, um sicherzustellen, dass sie von einem bestimmten Wert sind. Wenn aber die Kritik an neuen Ideen zu früh beginnt, werden die Menschen schüchtern. Wenn in der Vergangenheit bei Brainstorming-Sitzungen jede neue Idee gleich von Vornherein in der Luft zerrissen worden ist, geben den Menschen irgendwann auf.
Wenn Ihre Gruppe dazu neigt, überkritisch zu sein (oder, wenn ein paar Menschen dazu neigen, jede neue Idee zu kritisieren), ist es wichtig, alle daran zu erinnern, zuerst über neue Ideen nachzudenken und zu entwickeln, bevor sie sie zerreißen.

Mangel an Lob

Ein weiteres Problem in Gruppen ist, dass die Ideen vom jeweiligen Gruppenleiter nach außen getragen werden. Dieser Gruppenleiter bekommt dann oft den größten Teil des Lobes für diese Idee, auch wenn es eine Gruppenleistung war. Wenn Menschen merken, dass sie in der Vergangenheit für ihre Ideen nicht gelobt wurden, sondern jemand anderer die Lorbeeren einheimst, dann werden sie sie wohl in Zukunft nicht gerne teilen. Deswegen ist es so wichtig, Lob gerecht und ehrlich zu teilen.

Generelles zur Ideenfindung

Die typische Methode „Brainstorming“ ist eigentlich ein denkbar schlechter Weg, um Ideen zu entwickeln. Der Begriff "Brainstorming" wurde von Alex Osborn in den 1940er Jahren geprägt und bezieht sich auf einen Satz von Regeln, die Menschen in Gruppen einhalten sollen, um so möglichst viele Ideen in kurzer Zeit zu finden (keine Einschränkungen oder Kritik, gegenseitig auf die Ideen aufbauen etc.). Forschungen aber haben darauf hingewiesen, dass Ideen, die in Brainstorminsitzungen entwickelt werden, meistens weniger und auch noch schlechter sind, als solche, die Personen für sich alleine entwickelt haben.

Um zu verstehen, warum das der Fall ist, ist es zunächst wichtig, die beiden Phasen der kreativen Ideengenerierung zu beschreiben. Erstens gibt es eine divergente Phase, in der Sie versuchen, mit so viele verschiedene Ansätze für ein Problem wie möglich zu kommen. Dann gibt es eine konvergente Phase, in der Sie versuchen, auf eine (oder eine kleine) Zahl von Lösungen zu kommen, die Sie verfolgen wollen. Bei einer guten Ideensitzung wechselns sich viele divergenten mit konvergenten Phasen ab.

Das Problem beim Brainstorming ist, dass, wenn Gruppen zusammenarbeiten, sie dazu neigen, konvergentes Denken zu fördern. Die erste Person in der Gruppe, die etwas sagt, verseucht die Erinnerungen der anderen im Raum. Alles, was danach kommt, ähnelt dem einen, ersten Vorschlag (Trittbrettfahrerhypothese).

Das bedeutet, dass, wann immer Sie divergentes Denken fördern wollen, müssen Sie die Leute in der Gruppe dazu bekommen, allein zu arbeiten. Dabei wird zunächst ein breiteres Spektrum von Ideen erzeugt, als bei der Gruppenarbeit. Sollen die Ideen erweitert und bewertet werden, lassen Sie die Gruppe zusammenarbeiten.

Eine einfache Möglichkeit, eine solche Sitzung zu strukturieren ist, Gruppenarbeiten zu fördern, in denen ein Teil auf individuelles Problemlösen basiert und dann eine Gruppenarbeit, bei der sie sich einigen, was das Problem wirklich ist. Dann sollte jeder für sich allein Ideen generieren und kommen die Menschen wieder zusammen, um über die Ideen zu sprechen. Schließlich endet die Sitzung damit, dass ein Plan erstellt wird, wer wofür verantwortlich ist, um sicherzustellen, dass die Idee auch umgesetzt wird.

Weiterführende Infos

Gerstbach, I. (2016): Design Thinking im Unternehmen. GABAL, Offenbach.
Brainstorming Vor- und Nachteile bei Wikipedia
Stroebe W. (2004): Warum Brainstorming in Gruppen Kreativität vermindert: eine kognitive Theorie der Leistungsverluste. Psychologische Rundschau 2004 S. 2ff.