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Im Design Thinking arbeiten wir ganz viel mit Interviews, aber eben auch mit Beobachtungen. Das Erzählte alleine gibt zwar einen guten ersten Einblick, reicht aber oft einfach nicht aus. Warum? Weil der Mensch dazu neigt, sich und andere zu belügen.

Es gibt keinen Menschen, der nicht lügt. Denn alleine das Spektrum an Unwahrheiten reicht von Ausreden, Notlügen über Prahlerei, Heuchelei bis hin zur faustdicken Lüge. Angeblich nehmen es laut einer Studie vor allem Extrovertierte mit der Wahrheit nicht genau. Und auch Kindermund tut nicht immer Wahrheit kund - ab vier Jahren beginnt das bewusste Schummeln.

Warum lügen Menschen?

So machen manche Tiere, wie der Brüllaffe aus dem Regenwald, zwar Geräusche wie eine Horde an wilden Hunnen, alleine er selbst ist nur 9 kg schwer. Und trotzdem „lügt“ der Brüllaffe zum eigenen Schutz.

Die Frage ist doch schon mal philosophischer Natur: Was bedeutet eigentlich lügen?  

Laut einer Studie lügt der Mensch etwa alle acht Minuten, während einer 10 min. Konversation wird bis zu 3mal gelogen. Und das ganze geschieht auch noch unbewusst, weil den meisten ist es gar nicht bewusst, dass sie lügen. So hat eine weitere Studie gezeigt, dass 2/3 aller Lügen bewusst passieren und diese wiederum aufgrund vier Grundmotive:

41 Prozent lügen, um sich Ärger zu ersparen    
13 Prozent schummeln, um sich das Leben bequemer zu machen
7 Prozent manipulieren, um geliebt zu werden
5 Prozent schwindeln aus Faulheit

Und auch im Internet ist Lüge eine Art sozialer Kit wie die Studie weiter zeigt:
1. Selbstdarsteller: posten überwiegend Neuigkeiten aus ihrem Alltag, Meinungen, Bilder, die sie gut aussehen lassen.
2. Interaktive: posten weniger Eigenes, kommunizieren und bewerten dafür lieber über Kommentare.
3. Mitteilende: postet Privates und tauscht sich mit anderen darüber aus.

Das ist jetzt nicht das wirklich neue, sondern, dass die ersten beiden Gruppen vorwiegend lügen, um Eindruck zu schinden, die letztere Gruppe aber vor allem ihre sozialen Kontakte pflegen möchte. Dann wird schon mal die Meinung angepasst und Gemeinsamkeiten vorgetäuscht, die nicht existieren: Hauptsache dazugehören.

Die gute Nachricht: Lügen macht kreativ

Tatsächlich hilft das Lügen dabei, kreativer zu denken. Ein Studienleiter bat Studenten, zunächst eine wahre Geschichte und danach eine erlogene Geschichte zu erzählen. Nur bei der letzten Geschichte fand sich ein wahres Gewitter an Neuronen, wie der Forscher sagt.

Dabei ist es nicht wirklich klug zu lügen, vor allem im Innovationsbereich. Denn die Wahrheit ist Voraussetzung für Klarheit und Konstanz. Wir verstricken uns sonst nicht nur in Unwahrheiten, sondern wir riskieren auch, dass die falschen Ideen nachverfolgt werden.

Kurioses über das Lügen

1. Wer ehrlich zugibt, häufig zu lügen, tut es auch: So komisch es ist: Lügner sagen die Wahrheit, wenn sie sagen, dass sie lügen. Das fand eine Studie aus den Niederlanden heraus, bei der mehr als 500 Psychologiestudenten darüber Auskunft darüber geben sollten, wie oft sie in den vergangenen 24 Stunden gelogen hatten. Resultat: Durchschnitt von 2,04 Unwahrheiten pro Tag. Allerdings hatte die Sache einen Haken: Der Wert beruhte auf Selbstauskünften - und kein Mensch weiß, wer dabei wirklich die Wahrheit sagte.
So fiel den Forschern auch prompt auf, dass 41 Prozent damit prahlten, nie zu lügen. Andere wiederum outeten sich als wahre Lügenbarone. Daher folgte Experiment zwei: Diesmal luden die Forscher 51 Probanden der Wahrsager und der notorischen Lügner ein, um mit ihnen spiele, die zum Schummeln einladen, zu spielen. Das interessante dabei: Jene, die sich zuvor als Lügner bezeichnet hatten, hatten damit ausnahmsweise die Wahrheit gesagt und mogelten am meisten.

2. Wer sich in die Augen sieht, lügt seltener: Sieh mir in die Augen, Kleines… Wenn Menschen ich ins Gesicht blicken, fällt ihnen das Lügen schwerer wie eine Studie zeigt. Allerdings lügen Menschen umso lieber via Mail und Telefon, wenn sie sich dabei nicht ins Auge sehen müssen.    

3. Unsere Instinkte erkennen Lügner besser: Vertrauen Sie ruhig Ihren Instinkten, wenn es darum geht, Lügner zu entlarven. Unser Unterbewusstsein funktioniert besser als der beste Lügendetektoren wie eine Untersuchung von der Uni in Berkeley zeigt. Mittels klassischer Methoden zur Entlarvung eines Lügners erzielte der Detektor nur eine Erfolgsquote von 43 Prozent, der Instinkt lag allerdings bei 48 Prozent richtig.

Tipps zum Entlarven

Achten Sie auf die Gesamtsituation und stellen Sie nicht jeden unter Generalverdacht. Vielleicht ist Ihr Gegenüber nur nervös, weil er unter Stress steht. Anzeichen für Lügen sind:

Häufige Blinzellei
Je häufiger jemand blinzelt oder je schneller nacheinander, desto eher ist das ein Anzeichen, dass er oder sie es nicht so genau mit der Wahrheit nimmt.

Rote Wangen
Der Klassiker: Wer rot ist, schämt sich gerade, wobei das Erröten nicht immer sehr stark ausgeprägt sein muss. Und das Erröten lässt sich nicht zurückhalten, wie vielleicht andere Gesten schon.

Augen und Mund erzählen nicht das Gleiche
Worte lassen sich schnell verbiegen, schwierig ist es jedoch, die Augen zu beeinflussen. Besonders deutlich ist das beim Lachen, dass zwar in der unteren Gesichtshälfte sehr herzlich erscheinen kann - solange die Augen aber nicht mitlachen, ist es nicht ehrlich, sondern lediglich vorgespielt.

Die Hand wird vor das Gesicht gehalten
Verdeckt Ihr Gegenüber den Mund oder Teile des Gesichts mit der Hand, ist das oft ein unbewusster Versuch, sich selbst zu schützen. Die gute Nachricht dabei: Wer sich bei einer Lüge selbst so unwohl fühlt, dass er sich verstecken möchte, hat in Wahrheit einen guten Charakter.

Der Lügner bewegt sich übermäßig viel
Je größer die Lüge, desto höher die Nervosität. Das zeigt sich wiederum gerne in den Bewegungen des ganzen Körpers. Fällt Ihnen ein Gezappel oder unruhiges Verhalten bei Ihrem Gegenüber auf, fühlt dieser sich wohl gerade in seiner Haut nicht wohl, was für eine Lüge sprechen kann. Besonders auffällig ist auch ein schnelles Umherblicken der Augen, fast so, als würde man sich von irgendwo her Hilfe erhoffen.

Vergrößerung der Augen
Weit aufgerissene Augen werden mit Panik und Angst, aber auch mit Überraschung assoziiert. Weiten sich die Augen Ihres Gesprächspartners nach einer Ihrer Fragen, spricht einiges dafür, dass er diese lieber nicht beantworten möchte und sich vielleicht bereits krampfhaft eine passende Antwort zurecht legt - die vermutlich mit der unangenehmen Wahrheit, die er Ihnen vorenthalten möchte, nicht viel zu tun hat.

Abschluss

Im Design Thinking geht es nicht darum ,„Lügen“ zu erkennen, sondern wahre Bedürfnisse zu erkennen. Dabei kann das Gesagte in diesem Podcast helfen…

Weiterführende Links

Lügen ist Schwerstarbeit fürs Gehirn
Lügen macht erfinderisch
Wenn die Augenbewegungen etwas anderes erzählen

Nasher, J. (2012): Durchschaut: Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven. München: Heyne Verlag.