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Jeden Tag treffen wir angeblich mehr als 20.000 Entscheidungen. Manch eine Methode soll uns dabei unterstützen, bessere Entscheidungen zu treffen. Doch die beste Technik nützt nichts, wenn das Unterbewusstsein nicht mitspielt. Eine falsch interpretierte Information oder eine falsche Annahme kann schon der Ausgangspunkt für verheerende Fehler sein.

Studien

Wie sehr uns manche Dinge wirklich beeinflussen können, zeigt eine Studie aus den Niederlanden:Dabei wurde herausgefunden, dass Menschen auch ihr Verhalten ändern, wenn sie optischen Reizen ausgesetzt sind. Dazu haben die Professoren eine lederne Brieftasche auf dem Schreibtisch im Büro hingelegt. Fazit: Die Probanden konkurrierten in diesem Fall sofort mehr untereinander, als wenn z.B. ein Bild einer Bibliothek im Hintergrund zu sehen war. Ebenso hielten Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz sauberer, wenn ein leichter Geruch von Reinigungsmitteln in der Luft lag.

Bei einem anderen Experiment ging es um das Lösen eines Puzzles. Zuvor wurde den TeilnehmerInnen über Monitore ein paar Wörter gezeigt, die in Verbindung mit dem Rätsel standen. Ein Teil der Gruppe bekam zwischendurch auf dem Bildschirm allerdings auch Wörter zu sehen, die mit positiven Assoziationen behaftet waren – zum Beispiel Strand, Freund, Zuhause. Diese Einblendungen waren so kurz, dass sie für das Bewusstsein nicht wahrnehmbar waren. Registriert wurden sie aber durchaus, denn als die Teilnehmer später die Puzzles erhielten, zeigte sich die Gruppe, die zuvor unbewusst beeinflusst worden war, motivierter und arbeitete härter und länger an der Aufgabe.

8 typische Denkfehler

Diese Denkfehler sind besonders typisch und manch einem sicherlich aus dem Alltag bekannt:

1. Schwarzsehen

Natürlich sollte man möglichst alle seine Entscheidungen gründlich überdenken. Aber wie bei allem gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Auch mit dem Analysieren, Bedenken und Problematisieren kann man es übertreiben. So wird dann beispielsweise aus der Frage, ob man seine Zähne künftig manuell oder elektrisch putzt, eine lebenswichtige Philosophiewahl, deren Ausgang womöglich 500 Hektar Regenwald gefährdet. Manche suchen gar Fehler, wo gar keine sind. In dem Fall haben die Betroffenen ihren Verstand bereits auf die Suche nach Fehlern konditioniert - typisch für chronische Schwarzseher. Nicht selten steckt hinter dem kritischen Überdenken auch eine versteckte Prokrastinations-Taktik, um sich vor der eigentlichen Entscheidung und damit auch Verantwortung zu drücken.

Was gegen den Denkfehler hilft: Einmal: sich Deadlines setzen und diese einhalten. Vor allem aber sich auf die wesentlichen Fragen fokussieren und ebenso realistisch wie pragmatisch bleiben: Von einer Entscheidung geht die Welt nicht unter. Und selbst wenn die sich hernach als falsch herausstellt, ist es meist besser sich überhaupt weiterbewegt zu haben. Meist ist es besser, sich überhaupt zu entscheiden und Fehler in Kauf zu nehmen (aus denen sich auch lernen lässt).

2. Schwarz-Weiß-Denken

Tatsächlich neigen viele Menschen - insbesondere beim Diskutieren - dazu, in absoluten Entweder-Oder-Kategorien zu denken und zu argumentieren. Erfolg ODER Glück, richtig ODER falsch... Eine solche Haltung führt aber nur zu Extremismus und Fundamentalismus und übersieht, dass die Welt mehrheitlich in vielen Grautönen schimmert. Wer so denkt, schränkt seinen Horizont selber ein und wird geistig immer unflexibler.

Was dagegen hilft: Immer wieder seine Perspektive wechseln und zugestehen, dass es zwar (aus der eigenen Sicht) falsche Meinungen geben kann, dass damit aber eben der andere leben und glücklich werden muss und vielleicht sogar kann. Und natürlich steckt in dieser Denkfalle auch eine gehörige Portion Narzissmus und Perfektionismus. Ein Ausweg ist, zu akzeptieren, nicht immer der Cleverste sein und der Welt nichts beweisen zu müssen. Neben der Entweder-Oder-Haltung gibt eben häufig ein Sowohl-als-auch.

3. Werteverrat

Es mag der Punkt kommen, an dem man merkt: Mir läuft die Zeit davon, ich hinke meinem eigenen Plan hinterher. Schlimmer: Ich erreiche mein Ziel womöglich nicht mehr. Nicht wenige tappen dann in die nächste Denkfalle: Sie helfen dem vermeintlichen Glück mit unlauteren Mitteln nach und verraten dabei ihre persönlichen Werte. Egal, was man damit auch erreicht (wenn es überhaupt gut geht), es fühlt sich danach nie gut an. Man kann andere vielleicht so hinters Licht führen, aber sich selbst bemogelt keiner. Der Erfolg ist nie echt, es bleiben ein bitterer Beigeschmack und womöglich ein paar Leichen im Keller, von denen man ewig fürchten muss, dass sie einer entdeckt.

Was gegen den Denkfehler hilft: Sich selbst und den eigenen Werten treu bleiben. Es wird im Leben ganz sicher vorkommen, dass man einige seiner Ziele nie erreicht und der Erfolg hier und da ausbleibt. Dann ehrlich sagen zu können: "Ich hab es wenigstens versucht", ist allemal befriedigender als zu wissen: Mein Erfolg und Lebenswerk beruhen darauf, mich selbst (und andere) verraten zu haben. Erfolg kostet: Kraft, Fleiß, Disziplin - aber bitte nie die eigenen Werte. Die sind unbezahlbar.

4. Generalisieren

Was für einen selbst gut und richtig ist, muss es für andere noch lange nicht sein. Als Berater, wissen wir, wovon wir sprechen: Ja, wir geben oft und gerne eine eindeutige und auch allgemeine Empfehlung ab, was wir für hilfreich halten. Alles andere wäre auch nicht glaubwürdig (wer empfiehlt schon, woran er selbst nicht glaubt?). Aber auch wenn wir dies im Brustton der Überzeugung schreiben, ist dies nur ein Angebot. Die klare Tendenz soll eine Art Orientierungshilfe geben, die man annehmen kann, aber nicht muss. Jedenfalls bilden wir uns nicht ein, dass wer diese Ratschläge nicht befolgt, automatisch scheitern wird. Wir glauben lediglich das Gegenteil: dass sich damit die Chancen auf Erfolg steigern lassen. Das schließt zahlreiche individuell abweichende Wege mit ein.

Was gegen den Denkfehler hilft: So banal es klingt: nicht generalisieren. Problematisch wird es immer dann, wenn eine bestimmte Ansicht zum Diktat oder Dogma verallgemeinert wird. Dabei werden viele blind dafür, die meisten eigenen Erfahrungen und Erfolge auf vielen Variablen beruhten, die es so kein zweites Mal gibt. Lassen Sie die Vergangenheit in ihrer Zeit. Und hören Sie auf, andere generell zu beurteilen, obwohl sie nur einen Ausschnitt sehen. Oft ist dies nur ein Echo Ihrer selbst. Oder wie es so schön heißt: Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul.