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Barrieren für erfolgreiches Zuhören

Vielleicht kennen Sie das auch: Während Sie noch reden, antwortet oder grunzt jemand anderer schon in das Gesagte hinein. Das ist üblich, zeigt meistens aber, dass die Person nicht wirklich zuhört.

Selbst gute Zuhörer sind oft kritisches Nachfragen schuldig und antworten, noch bevor sie die Nachricht des Gesprächspartners wirklich verstanden haben. Das Ergebnis ist, dass Annahmen und Rückschlüsse auf ungenaue Bedeutung des Gesagten getroffen werden. Dieses ineffektive Zuhören führt vor allem zu einem: Missverständnissen und einem Zusammenbruch der Kommunikation.

Auch wenn wir nicht bereits im Geiste eine mögliche Antwort formulieren, denken wir doch schon während jemand noch spricht an viele andere Dinge, wenn auch unbewusst. Wie oft tauchen Gedanken während eines Gesprächs auf wie "Was soll ich heute fürs Abendesse kochen?“ oder „Ich muss noch den Bericht fertigstellen..." oder „Ich hoffe, ich bin noch nicht zu spät!“ In solchen Zeiten sind wir abgelenkt und können unserem Gegenüber nicht unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Mit anderen Worten: Wir hören nicht aktiv zu.

Aktives Zuhören ist aber eine wichtige Voraussetzung, um effektiv Probleme zu lösen. Dadurch können wir viel lernen und so die Qualität unseres beruflichen und persönlichen Lebens deutlich verbessern.

Hindernisse

Es gibt ein paar Dinge, die uns hinderlich in der aktiven Kommunikation sind, von denen viele schlechte Gewohnheiten sind, die uns davon abhalten, effektiver zuzuhören. Dazu gehören:

  • Der Versuch, mehr als einem Gespräch zu einem Zeitpunkt zu zuhören. Das schließt den Fernseher oder das Radio mit ein, dem wir lauschen, während jemand spricht. Oder wenn jemand telefoniert und wir gleichzeitig mit einer anderen Person im Raum reden. Wir werden oft von Hintergrundgeräuschen in der unmittelbaren Umgebung abgelenkt.
     
  • Sie finden den Kommunikator attraktiv / unattraktiv: Die Aufmerksamkeit fließt mehr dorthin, wie der Kommunikator wahrgenommen wird - auf die körperliche Erscheinung beispielsweise - als auf das, was er oder sie sagt. Oder das Gegenüber ist nicht sympathisch und so werden bereits im Kopf Argumente und Kritikpunkte zurechtgelegt.
     
  • Das Thema / Problem, das diskutiert wird, ist nicht interessant.
     
  • Die Konzentration fehlt und man ist leicht ablenkbar. Wenn wir mit den Haaren, Finger, Stiften spielen oder aus dem Fenster schauen, fließt die Konzentration automatisch auf andere Gegenstände als den Sprecher.
     
  • Wenn man sich unwohl, müde, hungrig, durstig fühlt oder auf die Toilette muss.
     
  • Wenn man zwar versteht, was man hört, aber sich dennoch nicht einfühlen kann. Die meisten von uns führen viele, innere Dialoge und haben dadurch Zeit, um die eigenen Gedanken und Gefühle zu sortieren. Wenn uns das fehlt, dann wird es schwierig, den Fokus von dem Ich auf jemand anderen zu wechseln. Aktives Zuhören setzt aber voraus, den eigenen Geist für die Ansichten anderer zu öffnen und versuchen, sich einfühlsam einzufühlen.
     
  • Sympathisieren statt einfühlen - Sympathie ist nicht das gleiche wie Empathie. Wir empfinden Sympathie, wenn wir mit anderen mitleiden. Empathie bedeutet, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen.
     
  • Vorgefasste Ideen oder Annahmen: Aktives Zuhören beinhaltet, den Ideen und Meinungen anderer aufgeschlossen zu sein. Das bedeutet nicht, dass Sie allem zustimmen müssen, aber dass man dem Gegenüber zumindest die Chance gibt, ihn verstehen zu wollen. Eigene Ansichten und ein verschlossener Verstand. Wir haben alle Ideale und Werte, die wir für richtig halten. Wenn jemand anderer Ansicht ist, kann es schwierig sein, zuzuhören. Der Schlüssel zum aktiven Zuhören und zwischenmenschlichen Fähigkeiten liegt darin, einen wirklich offenen Geist zu haben - zu verstehen, warum andere genauso über die Dinge denken und die gesagten Informationen nutzen, um ein besseres Verständnis über den Sprecher zu gewinnen.
     
  • Bisherige Erfahrungen: Wir sind alle von früheren Erfahrungen im Leben beeinflusst. Wir reagieren auf Menschen automatisch bereits bei der Einführungen oder Begrüßungen und / oder früheren Begegnungen. Wenn wir eine Person stereotypieren, sind wir weniger objektiv und daher weniger in der Lage, aktiv zu zuhören.
     
  • Vertieft sein: Wenn wir viel in unseren Köpfen haben, können wir hören, was wirklich gesagt wird. Es fällt dann schwer, sich zu konzentrieren, sondern wir sind abgelenkt mit dem, was wir denken. Dies gilt insbesondere, wenn wir über Fragen grübeln und uns gestresst oder besorgt fühlen.

Was gute Zuhörer machen

1. Sie reden nicht selbst, sondern hören zu: Wenn jemand anders spricht, unterbrechen Sie nicht oder beenden die Sätze für den Sprecher. Hören Sie stattdessen einfach nur zu. Wenn die andere Person das Gesagte beendet hat, können Sie sicherstellen, ob Sie das Gesagte auch wirklich verstanden und die Botschaft genau erhalten haben.

2. Konzentrieren Sie sich auf den Sprecher: Eliminieren Sie andere Dinge aus dem Kopf. Der menschliche Geist wird schnell durch andere Gedanken abgelenkt. Versuchen Sie, sich auf die Nachrichten zu konzentrieren, die kommuniziert werden.

3. Helfen Sie dem Sprecher: Nicken Sie oder verwenden Sie andere Gesten oder Worte, um den Sprecher zu ermutigen, weiterzusprechen. Halten Sie Augenkontakt, aber starren Sie nicht, sondern zeigen Sie, dass Sie zuhören und verstehen, was gesagt wird.

4. Auf das Gesagte fokussieren: Nicht kritzeln, aus dem Fenster oder auf die Fingernägel schauen. Vermeiden Sie unnötige Unterbrechungen. Diese Verhaltensweisen stören den Zuhörprozesses und senden die Nachricht, dass Sie sich langweilen oder abgelenkt sind.

5. Versuchen Sie den anderen zu verstehen: Betrachten Sie die Fragen aus Ihrer Perspektive. Lassen Sie vorgefasste Ideen fallen und versuchen Sie, sich vollständig in den anderen einzufühlen. Wenn der Sprecher etwas sagt, mit dem Sie nicht einverstanden sind, warten Sie ab und formulieren Sie kein Gegenargument. Sondern bleiben Sie offen gegenüber der anderen Meinung und Sichtweise.

Weiterführende Links

Watzlawick, P. (2011): Menschliche Kommunikation. Bern: Verlag Hans Huber.

Schulz von Thun, F. (2014): Miteinander reden 1-4: Störungen und Klärungen / Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung / Das "Innere Team" und situationsgerechte Kommunikation / Fragen und Antworten. Berlin: Rowohlt.

Pörksen, B. (2015): Kommunikation als Lebenskunst: Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag GmbH.